"Ein Planet vor unserer Zeit" bei Apple TV +: In Dino Veritas

Lesezeit: 2 min

"Ein Planet vor unserer Zeit" bei Apple TV +: In frei-animierter Wildbahn: Dino-Mutter und Kind beim Eisbaden. Aus: "Ein Planet vor unserer Zeit"

In frei-animierter Wildbahn: Dino-Mutter und Kind beim Eisbaden. Aus: "Ein Planet vor unserer Zeit"

(Foto: Apple+/Apple+)

Tierfilmer Sir David Attenborough und fotorealistische Animationen erwecken die Dinosaurier zum Leben. Das Ergebnis ist selbst für Dino-Fans überraschend.

Von Dennis Müller

Der Tyrannosaurus Rex war lange so was wie der Arnold Schwarzenegger unter den Dinos. Ein Filmstar (Jurassic Park), ein Actionheld (Jurassic Park 2), ein professioneller Zähnefletscher (Jurassic Park 3). Es ging ein Raunen durch die Dino-Foren, als Wissenschaftler vor einigen Jahren an der Coolness ihres T-Rex kratzten. Sie schrieben, es deute vieles darauf hin, einige Riesenechsen hätten Federkleider getragen, sogar der Tyrannosaurus. Passé ist die Vorstellung des kahlen Kraftpakets - sein Karriereende in Hollywood?

Ganz im Gegenteil. Der frische Look beschert dem T-Rex ganz neue Rollen, etwa als Schwimmer, Tänzer oder Flirt-Profi. Er startet jedoch als knöcherner Sidekick von Sir David Attenborough. Der britische Naturforscher und -filmer empfängt das Publikum jeweils zu Beginn der fünf Folgen in einem Ausstellungssaal. Er ist so was wie der Museumsführer der neuen Dokuserie Ein Planet vor unserer Zeit bei Apple TV +, einer, der es kaum erwarten kann, bis es losgeht. Den T-Rex neben ihm nennt Attenborough "eines der bemerkenswertesten Tiere, die je gelebt haben". Dass er "Tiere" sagt und nicht "Monster" oder "Kreaturen", ist wichtig und genau so gewollt.

Schließlich sind Dinos nichts anderes als die Vorfahren der Tiere, die heute noch leben. Dieses Verständnis hilft Dinoforschern seit Jahren, neue Erkenntnisse zu ihrem Verhalten zu sammeln - und Zuschauern bei der Identifikation mit den Sauriern. Sie können mit den Dinos mitfühlen, wie in einer von Attenboroughs Tierdokus eben.

"Ein Planet vor unserer Zeit" bei Apple TV +: Wie die Tiere: "Ein Planet vor unserer Zeit" zeigt Dinosaurier im Stil der mitfühlenden Tier-Doku.

Wie die Tiere: "Ein Planet vor unserer Zeit" zeigt Dinosaurier im Stil der mitfühlenden Tier-Doku.

(Foto: Apple+/Apple+)

Um den Schein aufrechtzuerhalten, es handle sich um eine seiner Tierdokus, kam aufwendige Technik zum Einsatz. 95 Saurierarten, einige zum ersten Mal animiert, stammen von dem Team, das vor drei Jahren den König der Löwen fotorealistisch zum Leben erweckte. Gefilmt wurden die fünf Episoden, jede dreht sich um einen anderen Lebensraum, an echten Drehorten, teils mit einem erstaunlichen Auge fürs Detail, sodass CGI-Animationen und praktische Effekte nahezu verschmelzen. Die Kameraperspektiven wirken beobachtend und authentisch, sodass sich das Publikum daran erinnern muss, dass die Tiere auf dem Bildschirm seit 66 Millionen Jahren ausgestorben sind.

Obwohl der Zuschauer einzelne Tiere selten länger als zehn Minuten begleitet, springen Emotionen schneller über, als man denkt. Der Schlüssel sind erneut die plastischen Bilder, wie die des Deinocheirus, eine Art Wasserbüffel-Dino mit zottligem Gefieder, um dessen Juckreiz man das Tier bemitleidet. Während Hans Zimmers Soundtrack bewegende Momente wie erste Flatterversuche von Flugsauriern gebührend untermalt, setzt Attenboroughs Kommentar an den richtigen Stellen trockene Pointen. Einmal vergleicht er beispielsweise die Klauen eines Räubers mit Salatgabeln.

Selbst wenn der T-Rex in Ein Planet vor unserer Zeit weder Ziegen zerfleischt noch Busse zerquetscht, versteht die Serie, wie und warum Dinos die Menschen faszinieren. Sie zeigt sogar, dass Dinos noch intelligenter und beeindruckender sind, als sie die Popkultur je gezeichnet hat.

Ein Planet vor unserer Zeit, Montag bis Freitag, täglich eine Folge, bei Apple TV +.

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