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Eckhart von Hirschhausen::"Ich übe immer Blaukraut bleibt Blaukraut"

Komiker und Moderator von Hirschhausen über seine neue ARD-Sendung, den Umgang mit Medien und den Mut, Johannes B. Kerner gut zu finden.

Komiker, Bestsellerautor und Moderator Eckart von Hirschhausen übernimmt am kommenden Samstag mit Frag doch mal die Maus eine Primetime-Sendung in der ARD. Mit sueddeutsche.de spricht er über den Hippokratischen Eid im TV, seinen Umgang mit den Medien und den Mut, Johannes B. Kerner gut zu finden.

Eckart von Hirschhausen, Foto: ddp

"Ich bin weder Politiker noch Bischof" - Eckart von Hirschhausen.

(Foto: Foto: ddp)

sueddeutsche.de: Im Vorfeld zu Ihrer Moderation der ARD-Sendung Frag doch mal die Maus gab es einige Aufregung. Der Vorwurf: Sie gingen restriktiv mit den Medien um, seien allzu sperrig bei Interviews.

Eckart von Hirschhausen: Pressefreiheit soll Machtmissbrauch kontrollieren. In meinen Augen gibt es eine kategorische Unterscheidung aus journalistischer Sicht, ob jemand öffentliche Verantwortung trägt, etwa als Politiker - dann verstehe ich, dass Details aus seinem Privatleben veröffentlicht werden müssen, wenn sie von öffentlichem Interesse sind. Ich bin aber nicht gewählt und habe auch nicht den Anspruch, für irgendwen Vorbild zu sein. Ich bin weder Politiker noch Bischof, ich bin ein Autor und Komiker, der in dem, was ihm an Privatleben geblieben ist, in Ruhe leben möchte. Das ist nicht strafbar, im Gegenteil. Das ist ebenfalls ein Grundrecht.

sueddeutsche.de: Dennoch bevorzugen Sie, wie momentan etliche Prominente, Interviews per E-Mail zu führen. Dabei waren Sie selbst als Journalist tätig und kennen die andere Seite.

Hirschhausen: Ja, deshalb schätze ich auch einen vernünftiges Verhältnis von Aufwand zu Ergebnis. Natürlich ist die Königsdisziplin ein ausführliches Gespräch, von dem beide Seiten inspiriert sind. Die Realität ist, dass ich gerade mehr Anfragen bekomme, als ich Gespräche führen kann, und dann lieber mal noch nachts schriftlich antworte als gar nicht. Es ist also kein Ausweichen sondern ein Entgegenkommen.

Die Realität ist leider auch oft, dass ein Gespräch schlecht vorbereitet ist, über eine Stunde dauert, und dann pointenfrei auf fünf Fragen und Antworten zusammengeschrieben wurde. Wenn mein Beruf ist, pointiert zu schreiben, warum soll ich das dann nicht tun dürfen? Das erwartet man von einem Komiker! Das hat nichts mit Kontrollfreak zu tun, sondern mit meiner Lebenszeit und der Qualität von dem, was am Ende herauskommt.

sueddeutsche.de: Haben Sie das Gefühl, dass sich das Verhalten der Journalisten verändert hat?

Hirschhausen: Ja, wo findet denn die Pressefreiheit wirklich statt, die es gegen die Prominenten zu verteidigen gilt? Ich erlebe, dass Leitmedien Meinungen vorgeben, die dann häufig übernommen werden. Ein mutiger Journalist wäre heute einer, der schreiben würde, Johannes B. Kerner ist gar nicht so schlecht, Jörg Pilawa hat Unglaubliches geleistet, und Mario Barth hat seinen Erfolg hart erarbeitet. Alle haben nur geschrieben, wie dämlich, doof und profillos das alles sei. Wer jemals versucht hat, bei Omas Geburtstag drei Minuten lang die Gäste zu unterhalten, bekommt eine Ahnung davon, welche Leistung es ist, über drei Stunden live im Studio oder auf der Bühne eine Show zusammenzuhalten. Mutig wäre es, die 100 Nachwuchstalente zu benennen, die das könnten und die man lieber sehen würde.

Eckart von Hirschhausen

Gerne mal mit roter Nase