"Durch die Nacht mit..." auf Arte Feiner Herr trifft auf Edelpenner

Durch die Nacht mit...: Chris Dercon und Matthias Lilienthal; Arte Zur ARTE-Sendung Durch die Nacht mit...: Chris Dercon und Matthias Lilienthal 1: Dercon (li.) und Lilienthal (re.) vor der Tate Modern © avanti media/Fabian Meyer/Christopher Rowe Foto: ZDF Honorarfreie Verwendung nur im Zusammenhang mit genannter Sendung und bei folgender Nennung 'Bild: Sendeanstalt/Copyright'. Andere Verwendungen nur nach vorheriger Absprache: ARTE-Bildredaktion, Silke Wölk Tel.: +33 3 881 422 25, E-Mail: bildredaktion@arte.tv; "Durch die Nacht mit ...", Arte, Öffentlich-rechtliches Fernsehen, Fernsehen

Treffen sich zwei auf ein Bier - so funktioniert "Durch die Nacht mit..." auf Arte. Bei Chris Dercon, Chef der Tate Modern, und Theatermacher Matthias Lilienthal sind die Rollen beim Treffen in London klar verteilt.

Von Christian Mayer

Ein Pub ist ein Pub ist ein Pub, sollte man meinen, wenn man in London unterwegs ist, aber hier wirkt die Kneipe namens "Horseshoe" wie ein seltsames Relikt aus einer versunkenen Epoche. Chris Dercon, der Chef der Tate Modern, und Matthias Lilienthal, der Theatermacher aus Berlin, feiern ihr Debüt als Alleinunterhalter in der Dokumentarreihe Durch die Nacht mit. . ., sie haben sich schon ein paar Stunden warmgeredet und jetzt Lust auf ein Bier und auf eine Runde Dart.

Wäre eigentlich ganz entspannt, wenn man nicht das Problem hätte, immer alles hinterfragen zu müssen. Also greift sich Dercon den Wirt, einen unendlich freundlichen Londoner: Warum die Menschen in dieser gefräßigen Metropole nicht Widerstand leisteten, obwohl sie aus ihren Vierteln vertrieben werden, von den Leuten, die das ganz große Geld verdienen und London Stück für Stück in eine Art Dubai verwandeln?

Lakonische Nachtmusik

Der Pub-Betreiber, dessen Familie längst vor den Toren der Stadt lebt, weil das Leben in London zu teuer ist, antwortet mit heiterer Melancholie. Es ist eine dieser lakonischen Szenen, die das Format Durch die Nacht mit. . . sehenswert machen. "Protest heißt hier Trauer, nicht wahr?", sagt Dercon. "Ich könnte nicht widersprechen", entgegnet der Londoner.

Die Rollen sind klar verteilt bei dieser Begegnung zweier Kulturmenschen. Chris Dercon ist der smarte Entertainer, der Kommunikator, der schon früher als Direktor am Haus der Kunst in München alle um den Finger wickeln konnte: Politiker, Publikum, Partyvolk und natürlich die Sponsoren.