Zeitungsmarkt Ausverkauf bei DuMont?

Aufsichtsratschefs Isabella Neven DuMont und Christian DuMont Schütte erwägen offenbar den Abschied vom Zeitungsmarkt.

(Foto: Volker Wiciok)
  • Wie der Branchendienst Horizont berichtet, erwägt die Mediengruppe DuMont die Trennung vom gesamten Zeitungsgeschäft.
  • Betroffen wären Regionalzeitungen, Anzeigenblätter und Druckereien.
  • Angeblich soll eine Beratungsfirma bereits den Markt sondieren und nach möglichen Interessenten suchen.
Von Caspar Busse

Der Mann, der jetzt womöglich für Zeitungen keine Verwendung mehr hat, wurde noch von Alfred Neven DuMont eingestellt, dem großen Zeitungsliebhaber. Der Kölner Patriarch Neven Du Mont, der 1953 im elterlichen Medienunternehmen angefangen hatte und dort bis zu seinem Tod 2015 als Eigentümer und zuletzt als Aufsichtsratsvorsitzender gewirkt hat, holte Christoph Bauer im Jahr 2013 als Chef nach Köln. "Ich hatte mit ihm immer tolle Gespräche, und er hat die Neuausrichtung von DuMont forciert", so erinnerte sich Bauer, der sich seitdem vor allem mit Sanieren und Umbauen beschäftigte, im vergangenen Jahr an Alfred Neven DuMont. Und er fügte an, dessen Tod habe auch dazu geführt, "dass sich einige nicht mehr auf einen Mythos zurückziehen konnten".

Jetzt, bald vier Jahre nach dem Tod des Verlegers, könnte Bauer einen radikalen Schritt vollziehen. Angeblich werde im Traditionsverlag, der seine Geschichte bis auf das Jahr 1620 zurückführt, die Trennung vom gesamten Zeitungsgeschäft durchgespielt; das berichtet der Branchendienst Horizont. "Es gibt schon seit längerem Überlegungen, aber man ist weit von einer Entscheidung entfernt", sagt ein Beteiligter dazu. Aufsichtsrat und Vorstand würden verschiedene Handlungsoptionen prüfen, hieß es am Dienstag in einer internen Mitteilung an die Mitarbeiter. Dies beinhaltet "auch die mögliche Veräußerung von Teilen des Portfolios der Mediengruppe". Leider sei es dabei nicht gelungen, die gebotene Vertraulichkeit zu wahren.

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Betroffen wären die Regionalzeitungen, Anzeigenblätter und Druckereien. Angeblich soll eine Beratungsfirma bereits den Markt sondieren und für DuMont nach möglichen Interessenten suchen. Neben den Zeitungen ist das Unternehmen noch in zwei anderen großen Bereichen aktiv: Im digitalen Technologie-Geschäft und bei Fachinformationen, dazu gehört unter anderem der Bundesanzeiger.

DuMont ist einer der großen Regionalzeitungsverleger in Deutschland. Zum Unternehmen gehören unter anderem der Kölner Stadt-Anzeiger, die Kölner Boulevardzeitung Express, die Berliner Zeitung und der dortige Berliner Kurier sowie die Mitteldeutsche Zeitung in Halle und die Hamburger Morgenpost. Noch im vergangenen Sommer lobte Bauer das Geschäftsfeld: "Kein anderes Medium bedient das Grundbedürfnis nach Information so gut wie Regionalzeitungen", sagte er. Und: "Tagesjournalismus ist die Königsklasse im Journalismus." Aber nur finanziell unabhängiger Journalismus sei zukunftsfähig.

Das ist vielleicht auch das Problem. Denn die DuMont-Titel haben schwer zu kämpfen. Die Berliner Zeitung leidet unter dem Konkurrenzkampf in der Hauptstadt mit Tagesspiegel und Berliner Morgenpost. Boulevardtitel wie Express, Kurier und Hamburger Morgenpost verzeichnen besonders starke Auflagenrückgänge der gedruckten Ausgaben. Die Mitteldeutsche Zeitung aus Halle erscheint in einer strukturschwachen Region. Offen ist dabei, wer die Blätter von DuMont erwerben könnte. Alle großen Regionalverleger in Deutschland kämpfen ebenfalls.

Der DuMont-Aufsichtsrat wird von Alfred Neven DuMonts Tochter Isabella und ihrem Cousin Christian Schütte DuMont geführt. Das Unternehmen meldete für 2017 einen Umsatz von 615 Millionen Euro und beschäftigt fast 4000 Mitarbeiter. Die Verkaufssondierungen dürften für Unruhe sorgen. Die Gewerkschaft Verdi verlangte, "die Belegschaft und die Öffentlichkeit unverzüglich und umfassend über eine geplante Zerschlagung der Mediengruppe zu informieren". Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) sprach von einem "verlegerischen Offenbarungseid" und von "eklatantem Managementversagen in der Branche". DJV-Präsident Frank Überall warf der Mediengruppe vor, ihr sei das "verlegerische Verantwortungsgefühl" abhanden gekommen. Die Zeitungstitel erwirtschafteten nach wie vor Gewinne, zudem sei Qualitätsjournalismus in Zeiten von Fake News wichtig. Überall forderte DuMont auf, die Verkaufspläne ad acta zu legen: "Bekennen Sie sich stattdessen zu den verlegerischen Werten, mit denen Alfred Neven DuMont Ihr Verlagshaus groß gemacht hat."

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