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"Du sollst nicht lügen" auf Sat 1:Endlose Nacht

Du sollst nicht lügen

Sie hätten ein Traumpaar sein können, dann wurden sie Feinde: Hendrik (Barry Atsma) und Laura (Felicitas Woll).

(Foto: Christine Schröder)

Beim ersten Date wurde sie vergewaltigt, sagt sie auf Social Media. Er sagt, das stimmt nicht. Die verzwickte Miniserie "Du sollst nicht lügen" auf Sat 1.

Von Stefan Fischer

Die Beziehung zwischen Laura und Hendrik ist von Anfang an eine öffentliche Angelegenheit. Die beiden sind noch nicht einmal miteinander ausgegangen, da werden die Lehrerin und der Chirurg bedrängt von Freunden, Verwandten und Kollegen, denen es gar nicht schnell genug damit gehen kann, dass aus den beiden ein Paar wird. Als schließlich halb Cuxhaven weiß, was sich da anbahnt, treffen sich die beiden tatsächlich zu einem Date.

Es wissen dann auch sehr bald sehr viele Menschen, was an diesem Abend in Lauras Schlafzimmer passiert ist. Denn Laura macht publik, dass Hendrik sie vergewaltigt habe. Der wehrt sich und die beiden Versionen dieser bitteren Angelegenheit machen die Runde, im Netz und in der Stadt.

Du sollst nicht lügen heißt die Miniserie, mit der Sat 1 spät den Anschluss sucht im Geschäft mit seriellen Formaten, in dem sich der Privatsender lange wenig engagiert hat. Nun also vier Folgen je 45 Minuten eines Stoffes, der sich bereits als britisch-amerikanisches Original (Liar) bewährt hat und in der deutschen Adaption inszeniert wurde von Jochen Alexander Freydank, der die Empfehlung eines Kurzfilm-Oscars mitbringt.

Wem soll man glauben? Wer kommt mit seiner Version durch?

In ihrem Kern ist die Serie faszinierend, weil Aussage gegen Aussage steht und es für den Zuschauer eine heikle Frage ist, wem von beiden man nun glauben soll. Und ob derjenige, der lügt, damit durchkommt.

Was man dann aber zu sehen bekommt, ist überwiegend biederes, halbgares deutsches Fernsehen in doppelter Spielfilmlänge. So vieles stimmt nicht: Das Lokal, in das Hendrik Laura ausführt, passt weder zu den Figuren, noch zu den großen Erwartungen, mit denen dieses erste Date befrachtet ist. Ein Regenschirm, der später noch eine Rolle spielen wird, wechselt zuvor auf eine so linkische Art den Besitzer, dass selbst einer von Lauras gelangweilten Schülern merken würde: Es gibt die erste Szene nur, damit es später die zweite geben kann. Manche Einstellungen sind hinter Hausecken hervor gefilmt, als wäre da ein geheimer Beobachter, wo aber niemand lauert. Und Laura darf weiterhin Hendriks Sohn unterrichten, was sehr unwahrscheinlich, aber notwendig ist, um weitere Wendungen der Geschichte zu motivieren.

So ziehen sich Szenen durch die Serie, die im weiteren Verlauf einen einzelnen Aspekt nachvollziehbar machen sollen, aber extrem windschief im Gesamtgefüge stehen. Und falsche Fährten, die sich in der Rückschau als wenig elegant gelegt erweisen. Das zentrale Problem an Du sollst nicht lügen ist jedoch, dass Hendrik und Laura einander ebenbürtig sein müssten, damit die Geschichte funktioniert, Barry Atsma jedoch überzeugender ist als Felicitas Woll. Zu selten sind Momente, in denen die Figuren - Täter wie Opfer - etwas freilegen, das einen so aus der Bahn wirft, wie es die verstörende Konstellation eigentlich tun müsste.

Du sollst nicht lügen, Sat 1, Dienstag und Mittwoch, jeweils 20.15 Uhr.

© SZ/tyc
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