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Schauspieler Barry Atsma:"Viele schlechte Witze über Sex"

Du sollst nicht lügen

In der Serie "Du sollst nicht lügen" trifft die Lehrerin Laura Hoffmann (Felicitas Woll) den Chirurgen Hendrik Voss (Barry Atsma). Aber was geschah zwischen den beiden wirklich?

(Foto: Christine Schröder)

Barry Atsma, bekannt aus der Serie "Bad Banks", spricht im Interview über die Dreharbeiten zur Sat-1-Serie "Du sollst nicht lügen" und sein erstes Casting in Deutschland.

Interview von Lisa Priller-Gebhardt

Was mit einem romantischen Date beginnt, endet in einem Albtraum: Die vierteilige Mini-Serie Du sollst nicht lügen erzählt die Geschichte einer Vergewaltigung, die es womöglich niemals gab. Der Regisseur Jochen Alexander Freydank, der für seinen Film Spielzeugland mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, hat für Sat 1 eine Adaption der britisch-amerikanischen Koproduktion Liar gemacht (Filmpool Fiction Produktion). In den Hauptrollen: Felicitas Woll und Barry Atsma, der in Deutschland aus Bad Banks bekannt ist. Atsma lebt mit seiner Familie in Utrecht. Wenige Tage vor dem Bildschirm-Interview kam seine vierte Tochter zur Welt. Er sieht ein wenig müde aus.

SZ: In Deutschland kennt man Sie als den Banker mit dem holländischen Akzent und Gegenspieler von Paula Beer. In Großbritannien sind Sie viel bekannter. Warum?

Barry Atsma: Bis zum Abitur habe ich vorwiegend in England und Griechenland gelebt, weil mein Vater international tätig war. So kam es, dass ich hauptsächlich in Großbritannien und Holland gedreht habe. Bad Banks war meine erste Rolle in Deutschland, die größere Aufmerksamkeit erreicht hat.

Bis vor fünf Jahren sprachen Sie kein kamerareifes Deutsch. Trotzdem spielten Sie schon länger in deutschen Produktionen, wie kam's?

Ich habe einen kleinen DNA-Fehler. Ich will immer rauf aufs höchste Pferd. Erst wenn ich davorstehe denke ich, ups, das könnte ein bisschen kompliziert werden. So war es mit der Idee, in Deutschland arbeiten zu wollen. Die Castingagentin Anja Dihrberg war verrückt genug, das Risiko mit mir einzugehen. Sie gab mir zwei Seiten Text, die ich innerhalb von drei Tagen lernen sollte. Beim Casting dachten dann alle, dass ich der deutschen Sprache mächtig sei, und wollten sich mit mir unterhalten. Da musste ich die Karten auf den Tisch legen. Ich habe die Rolle trotzdem bekommen. Göttliche Funken mit Jeanette Hain, Anna Maria Mühe und Devid Striesow war mein erstes Projekt in Deutschland.

Sat 1 ist zuletzt bei der anspruchsvollen Serienproduktion eher selten aufgefallen.

Ein Vorteil davon, dass ich nicht in Deutschland wohne, ist, dass ich keine Ahnung habe, wovon Sie sprechen (lacht). Nein, das war für mich keine echte Überlegung. Es war mir völlig egal, welcher Sender es ausstrahlt, Hauptsache, das Projekt ist gut. Ich habe das Drehbuch gelesen und sofort gewusst, dass das eine dramaturgisch aufwendige Produktion wird.

Die Filmarbeiten mussten wegen Corona zweimal abgebrochen werden. Anstrengend?

Ich bin froh, dass der Produzent Mathias Lösel das Risiko auf sich genommen hat, die Produktion früher abzubrechen, als die Behörden das vorgaben. Die finanziellen Konsequenzen sind nicht unerheblich. Für die Crew war die Weiterführung eine logistische Herausforderung, alle Beteiligten wurden in drei Gruppen unterteilt, die sich nicht begegnen durften, weder am Set noch beim Essen. Außerdem wurden wir permanent getestet, es waren ja auch Kuss-Szenen zu drehen.

In den vier Teilen geht es um einen Mann, eine Frau, ein romantisches Date, das für beide Seiten in einem Albtraum endet. Was hat Sie an der Figur gereizt?

Jeder böse Mensch ist gleichzeitig auch ein guter Mensch - genauso wie die zwei Hauptdarsteller in der Serie. Dass die Frage, wer am Ende der Böse ist, so lange unklar bleibt, das hat mich gereizt.

Du sollst nicht lügen ist unter dem Eindruck von "Me Too" entstanden. Auch im Unterhaltungsbusiness gab es eine Reihe von Fällen. Wie verlief die Debatte in den Niederlanden?

Erst vor Kurzem wurde ein Theaterregisseur deshalb gefeuert. Doch der prominenteste Fall ist wohl der eines sehr bekannten Casting-Direktors, dem vorgeworfen wurde, er habe junge Männer dazu angestiftet, über eine gewisse Grenze zu gehen und seine Macht missbraucht. Er ist sicher nicht der holländische Harvey Weinstein, als den ihn die Presse bezeichnet hat, und der Fall wurde zwischenzeitlich auch gütlich beigelegt. Aber ich hatte bei ihm immer ein ungutes Gefühl und deshalb einen großen Bogen um ihn gemacht. Das hat mich zehn Jahre lang einige gute Chancen in meiner beruflichen Laufbahn gekostet.

In der Serie sagt ein Protagonist: "Man traut sich ja nicht mal mehr, eine Frau anzulächeln." Ist das so?

Natürlich nicht. Weder im Alltag noch am Set. Tatsächlich haben Felicitas und ich während des Drehs der intimen Szenen sogar viele schlechte Witze über Sex gemacht. Manchmal dachte ich: Oh, ist dieser Witz wirklich gut angekommen? Aber wir haben da eine ganz ähnliche Chemie. Man hat doch ein Gespür dafür, und man ahnt es, wenn etwas nicht gut ankommt. Dann entschuldigt man sich sofort. Männer reden sich gerne heraus: Ich habe nur geflirtet, die Frauen wollen das doch. Dabei wissen sie genau, dass das Gegenteil der Fall ist.

Du sollst nicht lügen. Sat 1, 9. und 10. Februar, jeweils 20.15 Uhr.

© SZ/tyc
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Von SZ-Autoren

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