RTL-Dschungelcamp 2018 Tag zwölf im Dschungel: Sie essen viel und würgen wenig

"Kotzpacho", pürierte Taube mit toten Fliegen und Sandwurm-Spaghetti: David Friedrich und Jenny Frankhauser in der Ekelprüfung "Qualentinstag".

(Foto: RTL/Stefan Menne)

RTL versucht, sein Quotenproblem mit einer Ekelprüfung zu lösen. Daniele Negroni erzählt, wie ihn sein Vater einst an die Boulevardpresse verkaufte. Natascha Ochsenknecht ist raus.

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Thema des Tages: Der Feind in meinem Bett. Elf Tage lang sind sich die Kandidaten gegenseitig auf die Nerven gegangen, haben die Fehler immer beim anderen gesucht und im Dschungeltelefon Tiraden auf Tape gesprochen. Doch an Tag zwölf kommt manchem Camper die bittere Erkenntnis: Was, wenn's an mir liegt? Schlagersängerin Tina York sagt: "Wann immer ich in den Spiegel schaue, kommt mir das Grauen." Reality-TV-Darsteller Matthias Mangiapane verflucht seine Wurstfinger. Und Camp-Schönling David Friedrich fürchtet, er könnte als Zuhörer beliebig austauschbar sein: "Je länger man hier drin ist, desto mehr öffnet man sich seinem Gegenüber - oder dem, der gerade da ist."

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über den Vater von Daniele Negroni. Der hat im Leben des 22-Jährigen bislang keine Rolle gespielt. "Das Einzige, das ich weiß, ist, dass er 'ne schöne kleine Pizzeria hat", erzählt Daniele der selbsternannten Camp-Mutti Natascha Ochsenknecht. Die dringt darauf, dass Daniele seinem Vater die Chance gibt, sich zu erklären und seine Sicht der Dinge zu schildern. "Hat er ja gemacht", sagt Daniele, "in der Bild-Zeitung." Natascha sagt zur Abwechslung mal nichts, dabei wäre es an dieser Stelle so einfach: Besser keinen Vater, als einen, der den Sohn an die Boulevardpresse verkauft.

Daniele erzählt weiter: von den heftigen Streits, die er als Teenager mit seiner Mutter hatte. Von schlechten Freunden und seinem Aufenthalt in einem "Heim" für schwer erziehbare Jugendliche. "Die haben mich relativ schnell auf einen guten Weg geführt." Lagerfeuer-Psychologin Natascha ist sich trotzdem sicher: Der Junge braucht einen Vater. "Stell dir mal vor, das pendelt sich, dann kannste dein Leben lang kostenlos Pizza essen!"

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Tragende Rolle: Die Zahnbürste als multifunktionales Beauty-Tool. Sie verhalf schon Tatjana Gsell zu einem Augenbrauenschwung mit dramatischer Wirkung. (Okay, vielleicht waren für Letzteres auch diverse Schönheitschirurgen verantwortlich.) Und wird nun auch von Tina York im Auftrag der Schönheit zweckentfremdet. In Nebenrollen außerdem: ein Klappmesser und ein Einmal-Rasierer aus dem Drogeriemarkt, mit denen Tina ihren Pony trimmt.

Und die Dschungelprüfung? Wirkt wie eine Verzweiflungstat des Senders, frei nach dem Motto: "Quotenkrise - was tun? Ach ja, Ekelprüfung zieht immer." Also werden Jenny Frankhauser und David Friedrich zu Tisch gebeten, auf der Karte steht ein "Qualentinstagdinner", stilecht mit einer verwelkten Rose als Deko. Wenn sich RTL nur halb so viel Mühe bei der Auswahl der diesjährigen Kandidaten gegeben hätte, würden vielleicht nicht durchschnittlich 1,1 Millionen Zuschauer weniger zugucken als im vergangenen Jahr. Aber hadern hilft ja nichts, deshalb wird flugs aufgetischt. Es gibt "Kotzpacho", pürierte Taube gepfeffert mit toten Fliegen und Sandwurm-Spaghetti. David sagt: "Die Fliegen zwischen den Zähnen nerven." Jenny läuft beim Zerbeißen der Fischaugen ein Rinnsal das Kinn hinunter. Und die Welt von RTL ist wieder in Ordnung.

Die der Camper im Übrigen auch, sie essen viel und würgen wenig. Ergebnis: sieben Sterne, volle Punktzahl. David findet: "Mega Date!" (Gut, der Mann war zuletzt auch Teilnehmer bei der Bachelorette.)

Satz für die TV-Annalen: "Ich gehe jetzt nicht los, um eine neue Liebe zu finden - ich würde mich gerne finden lassen." (Tina York, 63, Single seit April 2017. Dating-Status: Tindert nicht. Und tut auch sonst nichts.)

Wer ist raus? Natascha Ochsenknecht. Die hätte fürs unmotivierte Rumliegen in den vergangenen Tagen im Gegensatz zu ihren Mitcampern zwar eine Entschuldigung gehabt: Sie ist stark erkältet. Trotzdem akzeptiert Medienprofi Natascha die Entscheidung des Publikums: "Kann ich verstehen, wenn ich langweile." Nur eine versteht gar nix mehr und weint bitterlich: Schlagersängerin Tina York, die die Zuschauer seit Tagen darum bittet, nicht mehr für sie anzurufen.

Moral der Geschichte? "Fool me once, shame on you, fool me twice, shame on me too", lautet ein bekanntes englisches Sprichwort. Frei übersetzt: Wer zweimal auf den gleichen Trick hereinfällt, ist selbst schuld. Nun ist Tina York zum ersten Mal im Dschungelcamp, aber sie sollte wissen, dass es schon einmal eine Kandidatin gab, die dachte, sie könnte die Zuschauer dazu bringen, nicht mehr für sie anzurufen. Schauspielerin Tanja Schumann wollte 2014 eigentlich nur so schnell wie möglich zurück ins Hotel Versace - und wurde am Ende Vierte. Vier Jahre später sagt Tina York: "Dschungelkönigin, ich glaub', es hackt!" Und kommt Tag für Tag weiter. Der Endgegner im TV-Dschungel, das ist immer noch der Zuschauer.

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