Dschungelcamp-Nachlese: Tag 15 Rotkäppchen und das Kopilot-Dilemma

"Leider war ich nur mit 'nem Kopiloten zusammen", bedauert Tanja Tischewitsch.

(Foto: RTL/SZ.de/Katharina Bitzl)

Als gar nichts mehr geht im Dschungelcamp, sendet RTL irgendwas mit Sex. Es gibt Eier auf dem Teller, Hoden im Mund - und die Erkenntnis: Koitus im Cockpit geht nur mit dem richtigen Mann.

Von Johanna Bruckner
Wer fällt auf im TV-Dschungel?

16 Tage, elf Möchtegern-Promis, eine Dschungel-Kulisse - und zwei Strippenzieher im Baumhaus. Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! (RTL) geht in die neunte Runde. Wer ist dieses Jahr als Zicke besetzt? Wer spielt Psychospielchen? Und was steht bei der Ekelprüfung auf dem Menü? Süddeutsche.de sagt jeden Morgen, wer aufgefallen ist: in der täglichen Einzelkritik zum Dschungelcamp.

Freitagabend, die Arbeit ist fast getan. Doch da ist sie wieder, diese ewig quengelnde Stimme: "Los komm', raff' dich auf, immer nur rumhängen, is' doch öde." Die Stimme wird schmeichelnd, bettelnd: "Einen Abend, mehr verlang' ich doch gar nicht. Einen Abend, einfach mal die Sau rauslassen - so wie früher. Weißt du noch?" "Och nööö", denkt der gemeine Camper und kuschelt sich tiefer in den Mief seiner durchgelegenen Pritsche. "Bin ich blöd, dass ich einen Tag vor dem Finale anfang', den Hampelmann zu machen? Soll RTL doch ein paar alte Aufnahmen rauskramen und neu zusammenschneiden. Vielleicht irgendwas mit Sex."

Und so geschieht es.

Einspieler 1: Der Manager

Soll noch mal einer sagen, Staffel neun des Dschungelcamps kenne nur Verlierer! Ein Gewinner steht bereits vor dem Finale am Samstagabend fest: der Manager von Aurelio Savina und Tanja Tischewitsch. Ein wahrer Fuchs, dieser Mann, der sich nicht nur den selbsternannten Wolf, sondern das Rotkäppchen gleich mit geschnappt hat. Und nebenbei soll er auch noch die Mediengiganten Bild und RTL gegen die Konkurrenz - namentlich: Walter Freiwald - aufgewiegelt haben. Alles infame Lügen, verteidigt der Wolf Gevatter Fuchs: "Wie scheiße ist das denn, wenn man nicht verlieren kann!? Für mich hat der einen an der Klatsche. Sogar zwei", sagt Aurelio. Und an das naive Mädchen mit den Körbchen gewandt: "Geht dir jetzt mal 'nen Lichtchen auf?"

Tanja schüttelt traurig den Kopf - dabei wirkte der Walter doch immer so nett, echt jetzt. "In Zukunft: immer vorsichtig sein. Besonders mit älteren Herren", sagt die weise Maren Gilzer.

Wer sich an dieser Stelle fragt, wie es sein kann, dass nach 15 Tagen Dschungel ein 60-jähriger ehemaliger TV-Produktansager die größte Gefahr für die weibliche Tugend ist, dem sei gesagt: "Ein Wolf in Gefangenschaft jagt eben nicht." Dieses Zitat soll übrigens wiederum auf Aurelios Manager zurückgehen. In Sachen Branding läuft es. Nur das Rotkäppchen plappert immer noch vom "Italian Stallion", aber gut, ein bisschen Schwund ist immer.

Einspieler 2: Die Wachtelgate-Affäre

Apropos Dinge, die weniger werden: Aurelio bangt seit Tagen um seine Muskelpracht, erwog deswegen schon, freiwillig das Camp zu verlassen. Und dann auch noch das: fünf Wachteln zum Abendessen. "Die wissen doch, dass ich kein Fleisch ess'!" Doch Mitgefühl - Fehlanzeige. Stattdessen verhöhnen die Mitcamper den armen Vegetarier-Wolf auch noch. Maren findet, Aurelio sei eine "kleine beleidigte Leberwurst". Rolfe Scheider sagt: "Beschwer' ich mich? Kann nicht 'ne Extrawurst für jeden gemacht werden." Und Jörn Schlönvoigt freut sich einfach über das Brutzeln der Vögelchen in der Pfanne.

Wen wundert es da, dass Aurelio das Camp wenig später mit eineinhalb lachenden Augen verlässt? Im Imbiss am Straßenrand gibt es endlich das, was diesem Mann die ganze Zeit gefehlt hat: Eier. "Australien, 35 Grad, 'ne hübsche Kellnerin, Spiegeleier - alles, was das Herz begehrt", sagt der Wolf. Und trollt sich.

Einspieler drei: Das Kopilot-Dilemma

Gerade zur rechten Zeit, denn im Lagerfeuerschein erzählt Tanja Jörn von ihrem Ex-Freund, einem Kopiloten. Es geht um echte Männer. Da mag oder kann der GZSZ-Mime nicht mitreden, und so weicht RTL auf Stock-Aufnahmen aus. Darin beschreibt Tanja Ex-Mitbewohnerin Sara Kulka die Beziehungsgenese: "On-off, on-off, on-off - Arschloch." Grundsätzlich zeigen sich beide Frauen dem Berufsstand aber aufgeschlossen, schließlich sei Sex im Cockpit "geil".

"Leider war ich nur mit 'nem Kopiloten zusammen", bedauert Tanja. "Kopilot kann nicht zum Captain sagen: 'Geh' mal kurz raus!'" Koitus hin oder her. Das bringt Sara zur einzig logischen Nachfrage: Warum hat es nicht für einen richtigen Piloten gereicht? "Konnste nicht gut genug blasen?"

Während der Zuschauer noch überlegt, warum zum Kuckuck Sara eigentlich raus ist und Jörn noch drin, darf Letzterer wieder ins Bild. Es geht nun um Tanjas aktuellen Schwarm. "Vielleicht hat er mich jeden Tag gesehen", sagt sie. (Und meint: im Dschungelcamp.) "Vielleicht hat er auch anderes zu tun", sagt Jörn.

Einspieler vier: Steinschlag auf Spiderman

Für Romantik ist im Dschungel kein Platz. Schließlich treibt in ebendieser Nacht eine Spinne ihr Unwesen im Camp. Zwei Versuche mit dem Stein, dann hat Aurelio sie "platt gemacht". Und nein, das ist angesichts der Kräfteverhältnisse keine desolate Leistung. Schließlich hat das Eierfrühstück da noch nicht stattgefunden. Und außerdem: "Spinnen sind nur mutig, wenn sie wissen, dass sie giftig sind." Sagt Tanja. Einfach so. Diesen Satz.

Einspieler fünf: #frauenpower #baconpower (zur Erklärung siehe hier)

Was soll danach noch kommen? Ja, gut, die Dschungelprüfung. Es gibt Hoden, Riesenmaden und Fischeier (in Tanjas Mund), außerdem einen schwarzen Badenanzug mit Klunker-Applikation (an Marens Körper). Am Ende steht ein Stern. Und eine glückstrahlende schleimbedeckte Maren Gilzer: "Mir hat's richtig Spaß gemacht, auch wenn ich aussehe, als hätte ich heißen Sex mit Shrek gehabt."

The End. (Vor allem für Rolfe, der ist nämlich raus.)