Dschungelcamp-Nachlese: Tag 5:Bis die NSA ein Burn-out hat

Dschungelcamp, RTL, Aurelio Savina

"Es war wie bei den Chippendales": Schade nur, dass Aurelio Savina davon nichts im Camp zeigen mag.

(Foto: RTL/SZ.de/Katharina Bitzl)

Der enthaltsame Aurelio Savina treibt die Programmplaner in den Wahnsinn und Patricia Blanco wird plötzlich ernst. Der fünfte Tag im Dschungel zeigt, dass Deutschland anders wäre - wenn Walter walten könnte wie er wollte.

Von Lisa Sonnabend

Wer fällt auf im TV-Dschungel?

16 Tage, elf Möchtegern-Promis, eine Dschungel-Kulisse - und zwei Strippenzieher im Baumhaus. Ich bin ein Star - Holt mich hier raus! (RTL) geht in die neunte Runde. Wer ist dieses Jahr als Zicke besetzt? Wer spielt Psychospielchen? Und was steht bei der Ekelprüfung auf dem Menü? Süddeutsche.de sagt jeden Morgen, wer aufgefallen ist: in der täglichen Einzelkritik zum Dschungelcamp.

Der Bundespräsident

Was wäre aus Deutschland geworden, wenn Walter Freiwald 2008 tatsächlich zum Bundespräsidenten gewählt worden wäre? Vielleicht wäre Christian Wulff nun Kanzler, Joachim Gauck Papst - und die NSA hätte freiwillig aufgehört, das Land zu bespitzeln. Wegen akuten Burnouts.

Auch diesmal füllte Walter die Sendeminuten. Der 60-Jährige erzählte, wie er sich einst bei der SPD als Kandidat für das Präsidialamt anbiederte, jedoch - warum auch immer - scheiterte. "Dabei habe ich die Aura, die Ausstrahlung und die Rhetorik drauf, die ich brauche, um mich im Ausland mit den Regierungsonkels zu treffen."

Ein Seufzen statt eines Rucks ging wohl durch Deutschlands Wohnzimmer. Walter wird mittlerweile ebenso wenig ernst genommen wie RTL von Sonja Zietlow. Die zischte nach den präsidialen Ergüssen: "Das war jetzt 'ne Menge Politik, holen wir doch die Stammzuschauer wieder mit ins Boot." Fortan ging es um: Strippen, Sex und Sperma.

Die Tochter von Roberto Blanco

Angelina fasste Patricia Blanco zwischen die Silikon-Brüste, Tanja drückte von unten zu. Eine Dschungelcamp-Folge ohne Gegrapsche ist unvorstellbar wie ein umjubelter Auftritt von Roberto Blanco in einem Gothic-Schuppen.

Doch dann wurde es plötzlich ernst. Patricia Blanco sprach über ihre Kindheit und die Fehler ihres prominenten Erzeugers. "Dass der Vater sich kümmert, das gab es bei mir nicht", sagte die 45-Jährige - und obwohl sie gerade keine Made im Mund hatte, überkam den Zuschauer so etwas wie Mitleid.

"Ich hatte wohl einen Vaterkomplex", meinte sie. Die Folge: Mit 18 war sie mit einem 60-Jährigen zusammen, mit 20 mit einen 63-Jährigen. Das Kind eines Schlagersängers zu sein, ist schlimm. Doch um zu erfahren, wie schlimm es wirklich ist, muss man das Dschungelcamp einschalten.

Fünf-Sterne-Küche

"Atme durch den Mund, nicht durch die Nase", erklärte Jörn Schlönvoigt dem sich vor Ekel schüttelnden Mitinsassen Walter Freiwald. Da hat sich aber einer verdammt gut vorbereitet! Vielleicht hätte Jörn im Vorfeld auch schon einmal auf ein paar Kakerlaken oder Kotzfrüchten herumkauen sollen. Denn natürlich wurde auch am fünften Tag im Dschungel wieder aufgekocht.

Den Kamelpenis und die Tarantel brachte Jörn noch hinunter, beim Chili Con Carne stellte er sich dann jedoch an, als wäre er Vegetarier. Lebende Kakerlaken und Mehlwürmer - das war zu viel für einen "Gute Zeiten, schlechte Zeiten"-Schauspieler. Er kapitulierte nach nur einem Bissen.

Benjamin Boyce

Benjamin Boyce ist mittlerweile 46 Jahre alt, seine Boygroup Caught in the Act hat sich längst aufgelöst, das viele Öl auf dem nackten Oberkörper ist eingetrocknet, das Geld dürfte langsam knapp werden.

Der Sänger wirkt in diesen Tagen zufrieden, als verbringe er einen All-Inclusive-Urlaub, den er bei einem TV-Gewinnspiel gewonnen hat. Den ganzen Tag baumelt er in der Hängematte. Nur im Televoting-Einspieler fällt Benjamin auf - denn da wird er immerhin kurz eingeblendet. Sollten Sie zu denjenigen gehören, die Jörn Schlönvoigt langweilig finden, dann haben sie wahrscheinlich noch gar nicht mitbekommen, dass auch Benjamin im Camp weilt.

Auri de la Rosa

Aurelio Savina wurde bei einem Spiel einstimmig zum attraktivsten Camp-Bewohner gewählt, behielt jedoch danach sein T-Shirt an und bandelte noch immer nicht - wie von den Programmplanern erhofft - mit einer der Möchtegernschauspielerinnen an.

Stattdessen jammerte der Muskelprotz seiner Verflossenen nach. "Wenn sie Sächsisch redet, lieb ich das", säuselte er - und schwärmte von der alten Zeit, als sie jahrelang gemeinsam in einer Burlesque-Show auftraten. Sein Künstlername damals: Auri de La Rosa. "Es war wie bei den Chippendales."

Natürlich dachte Aurelio auch in diesem Moment nicht an die Programmplaner und damit auch gar nicht daran, ein bisschen vorzutanzen. Er drückte stattdessen noch mehr auf die Tränendrüse: "Alle schönen Dinge im Leben haben immer ein Ende", presste er hervor. Zum Trost sei ihm gesagt: die meisten furchtbaren Dinge auch. Es sind nur noch zehn Tage.

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