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"Dschungelcamp"-Finale auf RTL:Schöne Grüße aus dem Osten

Melanie Müller

Ich bin ein Star, holt mich hier raus!-Gewinnerin Melanie Müller (25)

(Foto: RTL / Stefan Gregorowius)

Auf dem Bambusthron sitzt seit gestern Abend ein echter Kerl. Melanie I., Ex-Bachelor-Buhlin und Erotik-Unternehmerin, verdankt ihre Krönung Krokodilstränen, Truthahn-Hoden und einem vielsagenden Tattoo. Das Dschungelcamp-Finale in zehn Zitaten.

Worte sind wie Schall und Rauch, heißt es. Was völliger Quatsch ist, das wissen wir spätestens seit der vergangenen Staffel von Ich bin ein Star, holt mich hier raus. Vermutlich würde der letztjährige Überraschungssieger Joey Heindle nach dem gestrigen Finale geräuschlos in den Annalen der RTL-Show verschwinden. Wäre da nicht jener Ausruf, der wohl auch noch anlässlich des 47. Dschungelcamps aus den Archiven geholt werden wird. Oder immer dann, wenn beim Boxen mal kein Geld da ist für US-Ansagerlegende Michael Buffer: "Let's getty to rambo!"

Auch von der nunmehr achten Staffel des TV-Formats werden Sätze bleiben, wenn das Zirpen der Grillen lange verklungen und die Lagerfeuerschwaden verzogen sind. Das Finale in zehn Zitaten.

1) "Das ist das, was ich mir immer gewünscht habe. Für mich ist das das Größte und jetzt habe ich gewonnen."

Sagte Tanja Schumann, kurz nachdem sie von den Zuschauern rausgewählt worden war. Oder richtiger: Nicht fürs Finale nominiert worden war. Denn die Abwahl von Kandidaten ist tatsächlich ein passiver Prozess: Die Zuschauer rufen für jene Prominenten an, die sie favorisieren. Damit stehen die Modalitäten sinnbildlich für Schumanns Performance im Camp: Mag ich nicht, also tu ich nix.

Dass sie trotz Verweigerungshaltung am Ende Platz vier belegte, verdankte sie einer Mobilisierungskampagne des Moderatoren-Duos. Wobei die Maßnahme in erster Linie auf das Publikum und erst in zweiter auf die multifaule Protaginistin zielte. Sonja Zietlow und Daniel Hartwich durchkreuzten den Plan der 90er-Jahre-Kultkomikerin ("Kentucky schreit ficken"), die erste Woche möglichst unauffällig abzusitzen, um bei erster Gelegenheit mangels Popularität und Aktivität rausgewählt zu werden, und die zweite Woche dann mit Ehemann im Hotel "Palazzo Versace" abfeiern zu können, indem sie Schumanns Lethargie als Schauspiel inszenierten und kommentierten. Das funktionierte so gut, dass die 51-Jährige mit Rambo-Gedächtnis-Stirnband im Netz zwischenzeitlich sogar als "Dschungelkönigin wider Willen" gehandelt wurde.

So weit kam es dann zwar nicht. Doch Zietlow und Hartwich rangen Schumann mit Unterstützung der Zuschauer zumindest noch ein emotionales Ausbrüchchen und einen Auftritt im Badeanzug ab, bevor sie sie in die All-Inclusive-Freiheit entließen. Damit dürfte am Ende auch RTL zufrieden gewesen sein - man bezahlt schließlich eine Gage und kein Arbeitslosengeld!

2) "Danach ist sie dann noch verbimmelter."

Befürchtete Melanie Müller in Bezug auf einen möglichen Sieg ihrer Konkurrentin Larissa Marolt. Damit war sie nicht die Einzige, die sich in den vergangenen zwei Wochen um den Geisteszustand der 21-jährigen Österreicherin sorgte - aber sie tat es glaubhafter und weniger gehässig als die übrigen Camp-Bewohner. Und unabhängig davon, ob Larissa nun tatsächlich eine tolpatschige Trotteline ist oder eine begnadete Schauspielerin (wie von Dauer-Rivale Winfried Glatzeder zuletzt gemutmaßt): Die Wortschöpfung ist eingängig genug, um sich im Sprachgebrauch zu etablieren.

Linktipp: "Eine junge Frau mit mehr Möglichkeit als Wirklichkeit - lesen Sie hier, was unser Gastautor Roger Willemsen von Kandidatin Larissa hält.

Gastbeitrag des verstorbenen Publizisten

Wie Roger Willemsen das Dschungelcamp lobte und das Fernsehen zerlegte

Willemsen war Fernsehmensch - und grandioser Fernsehkritiker. Zum Beispiel, wenn er sich Gedanken über das Dschungelcamp machte.   Gastbeitrag von Roger Willemsen

3) "Es wollte mich, es war willig."

Sagte wiederum Melanie nach erfolgreich absolvierter Einzelprüfung im Finale. Dabei musste die Ex-Bachelor-Buhlin ihren Arm in verschiedene Röhren stecken, an deren Ende es jeweils einen Stern zu ertasten galt. Der wurde von mehr oder weniger friedfertigen Tierchen bewacht, schwamm in Fischabfällen oder musste einer Menschenhand abgerungen werden. Letztere gehörte Nachwuchs-Ranger "Junior", der einmal kräftig am Handgelenk zupackte und dem Prüfling damit ein Quieken und besagten süffisanten Satz entlockte.

Die 25-Jährige mit der Marilyn-Monroe-meets-Doktor-Mang-Optik war eigentlich ins Camp eingezogen, um der Welt zu beweisen, dass in ihr mehr stecke. Das tat sie dann auch - am eindrücklichsten am vergangenen Mittwoch, als die schon legendäre "Ekelprüfung" anstand. Die Metzgerstochter zeigte nicht nur keine Scheu vor Innereien, sie verspeiste auch mit Todesverachtung einen Teller Truthahn-Hoden - während ihr Mitstreiter Marco Angelini (EX-DSDS-Kandidat und angeblicher Arzt) bereits vor einer Handvoll Insekten kapitulierte. Kenner des Formates konnten da schon erahnen, wer es auf den Dschungelthron schaffen würde. Allen anderen hatte Melanie zunächst einmal bewiesen, dass in diesem Jahr eine Frau die größten Eier im Camp hat.

Ihrer Weiblichkeit tat das freilich keinen Abbruch. Denn auch wenn ihre Ankündigung anderes vermuten ließ, wollte Melanie keinesweg weg von ihrem Erotik-Image, im Gegenteil. Mal rannte sie splitterfasernackt ihrem Conditioner entgegen, ein anderes Mal erzählte sie freimütig von Liebeskugeln, die sie eingeschmuggelt habe. Wie? Nun ja: "Ich hatte sie sogar beim Fallschirmspringen drin." Die Aufnahmen einer selig lächelnden Melanie im Flug, mit denen RTL dieses Statement bebilderte, dürften wohl die beste Werbung für den Sexspielzeug-Shop der Sächsin gewesen sein.

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4) "Kann ich vielleicht 'nen Zahnstocher? Mir hängt das Arschloch in den Zähnen."

Gestand Jochen Bendel im Verlauf seiner finalen Dschungelprüfung. Der 46-Jährige war mal Moderator einer leidlich erfolgreichen Spielshow (Ruck Zuck), tingelt heute aber vornehmlich durch diverse Kochshows (u.a. Das perfekte Promi-Dinner). Im Camp gab er den Reis-und-Bohnen-Culinario - was ihn für die Ess-Challenge prädestinierte. Auf dem Menü standen: Grille, Schweinenase, Ziegenhoden, Anus vom Strauß und lebender Sandwurm. Jochen schluckte alles anstandslos herunter, wurde am Ende aber nur Dritter. Woran's lag? Die falschen Freunde: Er tröstete lieber Trantüte Tanja, als der leidgeprüften Larissa beizustehen ("Also wenn Larissa meine Tochter wäre, dann würde ich sie verkaufen").

5) "Es war Hooo-rrrrror!"

Kommentierte Larissa den Tank, in dem ihr Kopf noch Minuten zuvor gesteckt hatte. Der wurde nicht nur mit Wasser und allerlei wasserliebendem Getier befüllt , sondern - als besondere Herausforderung für Arachnophobikerin Larissa - zusätzlich mit Spinnen. Sie überstand die erforderlichen fünf Minuten dennoch ohne bleibende Schäden, zur Erleichterung auch der Moderatoren, die schon befürchtetet hatten, die Probandin sei unter den Kröten bewusstlos geworden. So aber wandte sich die Prüfungs-Weltrekordhalterin nach überstandener Tortur mit einem Gruß an ihre Familie und vergaß im Überschwang selbst Hausbursche Engelbert nicht. Alles in allem eine Leistung, die einer Monarchin durchaus würdig gewesen wäre. Vielleicht scheiterte sie am Ende einfach daran, dass das deutsche TV-Publikum nun mal schon eine österreichische Kaiserin kennt und liebt.

Insekten-Rezepte

Heuschrecke zum Knabbern

6) "Darf ich heulen, bitteee?" und 7) "Das hätte mir kein Mann besser machen können, jetzt."

Beide Zitate (von Larissa und Melanie) beziehen sich auf ein und dasselbe: das Hochgefühl eines vollen Magens nach zwei Wochen Dauerhungerns. Nur Jochen interessierte sich beim Abschluss-Dinner mehr fürs atmosphärische Ambiente - aber der hatte sich ja auch schon am Nachmittag den Bauch vollgeschlagen.

8) "Ich bin normalerweise nicht so. Bei seriösen Projekten könnt's mich echt noch buchen."

Beteuerte die Zweitplatzierte Larissa bei ihrem Auszug aus dem Camp. In Sachen Image gilt: Der Dschungel gibt, der Dschungel nimmt - mit Ersterem kalkulieren die Prominenten, Letzteres fürchten sie. Klarer Verlierer in diesem Jahr: Ex-Viva-Moderator Mola Adebisi, der Larissa für schlechte Prüfungsergebnisse geißelte, um dann selbst eine abzubrechen. Für seinen Hochmut fällten ihn die Zuschauer prompt, und Moderator Hartwich versetzte ihm den Todesstoß in den Abgrund der Lächerlichkeit: "Man spricht jetzt nicht mehr von polarisieren, sondern von molarisieren."

9) "Schöne Grüße aus dem Osten!"

Hätte die frisch gekrönte Dschungelkönigin Melanie I. mal besser gesagt - oder einfach ihr Hinterteil sprechen lassen -, als sie auf dem Bambusthron ihre Antrittsrede halten sollte. Stattdessen stammelte sie rum, Endorphinüberschuss, Nervosität, man versteht es ja. Aber es wäre die ideale Gelegenheit gewesen, ihr Markenrecht an dem Gruß anzumelden, der nebst Ost-Sandmännchen auf ihrer rechten Kehrseite tätowiert ist. Mittlerweile bezichtigt nämlich eine andere Erotikdarstellerin ihre Majestät des Plagiats. Und solche Vorwürfe haben immerhin schon echte Adelige das Amt gekostet.

10) "Bunkt." (Wie Larissa sagen würde.)