Süddeutsche Zeitung

Dschungelcamp 2017: Tag sieben:Nacktmassage hilft immer

Fräulein Menke muss das Camp verlassen, Kader Loth hat Migräne und Sarah Joelle Jahnel kann tote Tiere essen, aber nicht sehen.

Thema des Tages: Werbung stinkt. Dass rund ums Dschungelcamp penetrant für einen Getränkesirup geworben wird, der aus einer Zeit stammt, als man noch selbst Sprudel herstellen musste - geschenkt. Dass es ernsthaft demnächst eine RTL-Show namens Big Bounce geben wird, in der es ums Trampolinspringen geht - wenn's denn Sendeplätze füllt. Aber von Tag sieben an heißt es wieder: Alle antreten zur Eigenwerbung. Oder auch: Willkommen in der Promovideohölle.

"Wenn ihr unbedingt wollt, könnt ihr gerne weiter für mich anrufen. Euer Honey", sagt Alexander Keen. Und: "Warte, ich mach' noch mal den Blick." Der Blick ist ein Lächeln zwischen Schwiegersohn und Serienmörder - perfekt für alle Produkte von Anti-Herpes-Pflaster bis Zahnzwischenraumbürstchen. Die Kandidaten können nur verlieren, und sollen das natürlich auch. Wo kämen wir denn hin, wenn einer der Camper plötzlich mehr Facetten zeigt als im Vorspann zur Show? Wenn der läuft, würde man am liebsten ins Bild springen, damit "Mallorca-Jens" nicht ganz alleine Eimersaufen muss. Kann einem ganz schön auf den Doppeldeckerkeks gehen, das Ganze.

Tragende Rolle: die eingebildete Kranke. Nein, nicht Hanka Rackwitz, sondern die quecksilbrige Kader Loth. Apropos Gift: Kader fürchtet zunächst, dass der Schlangenbiss, den sie sich in der Dschungelprüfung vor drei Tagen zugezogen hatte, gefährlicher sein könnte als gedacht ("Vielleicht wirkt der [sic] Gift erst später und ich sterbe nach ein [sic] Monat"). Und wird dann von schlimmen Kopfschmerzen heimgesucht. Der Grund ist schnell ausgemacht ("Zwiebel löst Migräne aus") - ein wirksames Gegenmittel ebenfalls. "Nacktmassage immer helps", erklärt Dr. Terenzi.

Und die Dschungelprüfung? Heißt "Das Dschungel-Schlachthaus", der Rest ist selbsterklärend. Lustiger, als Sarah Joelle Jahnel in Schlachtabfällen wühlen zu sehen, ist ohnehin Sarah Joelle Jahnel dabei zuzugucken, wie ihr beim Schminken der Lippenstift abbricht.

Tiere des Tages: tote Tiere. "Komischerweise hab' ich überhaupt kein Problem damit, Fleisch zu essen", resümiert Sarah Joelle nach der Dschungelprüfung. "Aber wenn man dann den Tieren in die Augen schaut, ist das nicht so schön." Ein Satz, wie aus einem Aufklärungsvideo der Tierrechtsorganisation Peta.

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Über die Neunzigerjahre, Techno und Drogen. Fräulein Menke hat mal probiert, war aber zu der Zeit junge Mutter. Hanka Rackwitz hat auch probiert, war aber wenig begeistert: "Das Zeug, das war so sauer - ich musste sofort auf die Toilette." Die Langzeitfolgen waren dennoch verheerend: "Ich hab' die Hälfte meiner Allgemeinbildung durch den Scheiß vergessen." An dieser Stelle dürfte sich die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung freuen - abschreckender könnten Junkie-Darsteller die Botschaft von der Gefährlichkeit der Drogen auch nicht rüberbringen.

Satz für die TV-Annalen: "Es gibt viele Gründe, warum die Zuschauer entschieden haben können, mich rein zu wählen: weil sie mich ätzend finden, weil sie mich nicht mögen, weil ich ihnen zu nackig rumlaufe." (Im Zweifelsfall: Ja, ja und ja, liebe Sarah Joelle.)

Wer muss das Camp verlassen? Fräulein Menke.

Moral der Geschichte? Es ist nie zu spät für einen Neuanfang. Für Gina-Lisa Lohfink bedeutet das, sich mit ihrem Ex Marc Terenzi auszusöhnen: "Ich wohn' in Frankfurt, er wohnt in Hannover. Ich würde ohne zu zögern, sofort ins Auto steigen." Für Hanka Rackwitz heißt es, wieder öffentliche Toiletten zu benutzen. Und jetzt - zurück zur Werbung.

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