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Dschungelcamp 2017: Tag neun:Jens Büchner - Mann und Memme

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Jede Menge Archivmaterial für RTL zum Thema "Dicker Mann auf dünnem Seil": Mallorca-Auswanderer Jens Büchner.

(Foto: RTL)

Der Mallorca-Auswanderer weiß, was sein Problem ist, aber nicht, wie viele Kinder er hat.

Thema des Tages: Niederlagen-Management. Nicht zu verwechseln mit einem Modebegriff wie Facility-Management, der nichts weiter ist als der billige Versuch, einer Sache mehr Bedeutung zu verleihen. Niederlagen-Management hingegen ist eine junge, aufstrebende Disziplin, die in unsere Leistungsgesellschaft passt wie Arsch auf Eimer. Womit wir bei Tag neun wären. Sarah Joelle Jahnel muss als zweite Kandidatin das Camp verlassen und ist froh: "Ich habe den Glücks-Tanga von Micaela Schäfer kein Mal getragen." (Für alle, die jetzt nicht sofort ein Bild des betreffenden Kleidungsstücks vor Augen haben: Stellen Sie sich einen Tanga vor, also ein Stoffdreieck und Schnüre. Und dann stellen Sie sich nur die Schnüre vor.) Anschließend spricht Sarah Joelle Sätze, die fortgeschrittenes Niederlagen-Management sind: "Ich bin auf jeden Fall mit meiner Leistung zufrieden." Oder auch: "Ich bin extrem über meine Grenzen gegangen." Oder auch: "Klar, ich hätte einiges anders machen können. Aber ich habe mich dazu entschieden, die Person zu sein, die ich bin."

Zum Vergleich: Jens Büchner begeht bereits während seiner Dschungelprüfung den Fehler, die Verantwortung für das eigene Versagen zu übernehmen ("Meine Fettsucht kotzt mich an"). Und schluchzt danach die eigenen Unzulänglichkeiten in Kameras und Kameradenohren. Wobei an dieser Stelle darauf hingewiesen sei, dass "Mallorca-Jens" die Wissenschaft spaltet: Es gibt Vertreter des Fachs, die in ihm das Ideal des Lebenslosers verwirklicht sehen. Also im Sinne von: Der Mann verdient seine Brötchen damit, ein armes Würstchen zu sein.

Tragende Rolle: der Held. Im RTL-Dschungel eine undankbare Rolle, weil sie etwa so attraktiv für die Zuschauer ist wie eine Live-Übertragung von der Strick-WM. Aber einer muss es ja machen, in dem Fall: Marc Terenzi. Der geht das Ganze ökonomisch an und punktet mit zwischenmenschlichen Selbstverständlichkeiten (etwa: einer älteren Person einen Liegeplatz anbieten). Jens Büchner ist beeindruckt: "Deine Art und Weise ist der Hammer." (Um "Mallorca-Jens" besser einschätzen zu können, bitte zu "Zitat des Tages" springen.)

Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Übers Kochen, das kulinarische und das emotionale. In Bezug auf die erste Variante kommen Hanka Rackwitz und Jens Büchner nicht auf einen gemeinsamen Nenner. Hanka findet, das Kochen im Camp verdiene den Namen nicht: "Das ist doch nicht Kochen, das ist Schneiden und Reintun." Jens findet, Hanka soll überhaupt erst mal kochen lernen: "Wenn du's so lang anbrätst, dann isses angebrannt." Was die zweite Variante angeht, herrscht aber Übereinstimmung. Hanka sagt: "Ich fühl' mich immer unter Spannung, wenn mir Jens gegenübersitzt." Und Jens sagt: "Ich mag nicht dieses untertönige Gequatsche, ich fühl' mich schon sehr stark provoziert."

Tier des Tages: die Ente. Falsch: Markus Majowski ist ein Irrer, dessen Wahnsinn in Stresssituationen wie einer Schatzsuche zum Vorschein kommt ("Du kriegst ne Anzeige von mir!"). Richtig: Markus Majowski ist Schauspieler.

Und die Dschungelprüfung? Hat mit Kraft, Balance und Geschicklichkeit zu tun. Drei Dinge, die Jens Büchner nicht besitzt. Dafür hat er einen guten Freund, der zwei Sterne und jede Menge Archivmaterial für RTL zum Thema "Dicker Mann auf dünnem Seil" schönredet. O-Ton Thomas Häßler: "Du bist mutig, du hast Mut bewiesen - was meinste, wie die dich bewundern werden. Du bist der Held für deine Kinder morgen."

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(Liebe Kinder, also von Jens Büchner! Da es gerüchteweise um die Medienkompetenz eurer Generation schlecht bestellt ist: Das, was Thomas Häßler - der kleine Mann mit den Tribal-Tattoos - von sich gibt, nennt man 'Fake News'. Wenn ihr wissen wollt, welche Art Held euer Papa ist, lest einfach weiter ...)

Satz für die TV-Annalen: "Ich hoffe, ich hab' kein Kind vergessen." (Jens Büchner, nachdem er sich bei seinen Kindern für das Versagen in der Dschungelprüfung entschuldigt hat. Der Mann hat, Stand heute, fünf leibliche und drei Stiefkinder.)

Wer muss das Camp verlassen? Markus Majowski.

Moral der Geschichte? Kennen Sie das Gefühl, falsch verbunden zu sein - also mit der eigenen Umgebung im Speziellen und der Welt im Allgemeinen? Kader Loth auch. Als sie von RTL gebeten wird, für das Zuschauervoting ihre Telefonnummer aufzusagen, ist ihre Hutschnur voll, das Fass platzt: "Aber ich kann nicht alles nennen, das sind elf oder zwölf Buchstaben!"

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