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Dschungelcamp 2017: Tag fünf:"Wir sind nur Dschungelcamper, keine Weltstars"

Zum dritten Mal in Folge haben die Zuschauer Kader Loth zur Dschungelprüfung gewählt.

(Foto: RTL)

RTL hat Mühe, das Niveau niedrig zu halten. Deshalb darf Kader Loth erklären, wie Selbstbefriedigung im australischen Busch funktioniert.

Thema des Tages: Scheinwelten. Ja, tatsächlich, die Camper haben mehr im Repertoire als Debatten übers Kartoffelkochen und Fäkalien-Fachsimpeleien. Sie können auch Selbstreflexion. Kader Loth beschließt an Tag fünf einen Taktikwechsel: weg von der Dummchen-Masche ("Ach, ein Reptil - das ist doch ein Raubtier?") hin zu "zeigen, wer ich wirklich bin". Nämlich eine Sekretärin, die im normalen Leben jeden Tag ins Büro gehe. Bei den Mitbewerbern gibt das schon mal ordentlich life credibility. Sie habe bei jeder großen Reality-Show in Deutschland mitgemacht, erzählt die 44-Jährige, habe mehrmals erlebt, dass der Hype danach nicht ewig anhalte. Und: "Ich kann auch nicht mehr ständig meine Titten in die Kamera halten." Das ist Jens Büchner (bisherige Sendungen: 1, bisherige Hypes: 0,5) zu viel Realitätsbezug. Kader sei ein Name, den man kenne - damit lasse sich doch bestimmt etwas anfangen? Kader sagt: "Ich mein', wir sind auch nur Dschungelcamper, keine Weltstars. In 'nem Jahr sind wir weg, wie die Kakerlaken, zurück in die Löcher."

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Und die Dschungelprüfung? Dient Kader als Plattform für ihren Imagewechsel.

Phase eins: Sorge dafür, dass niemand die Rolle vermissen wird, die du abstoßen willst. "Die Zuschauer sind ganz, ganz böse Sadisten. Gibt's unter euch keine Menschen mit Herz? Seid ihr alle Arschlöcher?", zickt Kader in Richtung der Zuschauer, die sie zum wiederholten Mal in die Prüfung gewählt haben.

Phase zwei: Manipuliere deine Mitcamper dahingehend, dass sie deinen Rollenwechsel befürworten. Wer will schon eine zimperliche Diva im Team? Gina-Lisa Lohfink findet: keiner. Und rät Kader: "Entweder passt disch an oder: Geh'!"

Phase drei: Einleitung des Transformationsprozesses. "Ich sag' immer: Im Leben geht's immer tiefer", erklärt Kader den Moderatoren Sonja Zietlow und Daniel Hartwich, bevor sie zur Dschungelprüfung in einem Erdloch verschwindet.

Phase vier: Vollendung. Am Lagerfeuer sitzt ein neuer Mensch. Einer der zwar noch aussieht wie Kader. Der aber spricht wie Roberto Blanco: "Ist doch alles nur Ironie, ein Spaß."

Tragende Rolle: die, die zu viel wollte. Gäbe es einen Kurs "Medienkritik 101 für Darsteller in Reality-Formaten des privaten Fernsehens" müsste die erste Lektion lauten: Setz' dein Häuflein nicht ins eigene Wohnzimmer. Hanka Rackwitz sucht sich für ihren Realitycheck ausgerechnet das Format aus, an dem sie gerade teilnimmt. "Diese nackten Ärsche und die Titten und die Wimpern - wie 'ne Muckibude mit schlechter Musik", analysiert sie die übrige Besetzung. "Jedes Lachen aus den Silikonlippen geht mir auf'n Geist." Es folgt eine grundsätzliche Abrechnung mit dem Konzept: "Das ist 'ne Scheinwelt. Die realisieren ja noch nicht mal die Pflanzen und Tiere, die wissen gar nicht, dass sie in Australien sind. Die spielen 'ne bescheuerte Soap."

Das ist natürlich richtig. Aber vollkommen irrelevant. Denn in Reality-TV steckt in etwa so viel Realität wie Fruchtsaft in einer Capri-Sonne.

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Worüber wurde am Lagerfeuer gesprochen? Sex. Wir schreiben immerhin Tag fünf - und außerdem muss RTL bei dem ganzen Meta-Gedöns ja irgendwie das Niveau niedrig halten. Also darf Sarah Joelle Jahnel Florian Wess erzählen, wie das damals war mit Oliver Pocher. (Zur Erinnerung: Sarah Joelle und der Comedian sollen eine Affäre gehabt haben, als dieser noch mit Tennisspielerin Sabine Lisicki liiert war.) Sie sagt: "Ich hätte vielleicht einfach weiter die Fresse halten sollen." Er findet: "Ich mein': Sex ist nicht verboten." Und auch Kader Loth bekommt noch mal Sendezeit als Belohnung dafür, dass sie das Gespräch aufs Thema Wollust im Regenwald bringt. Zitat: "Wir haben zwei gesunde Hände und es gibt hier 'ne Toilette."

Satz für die TV-Annalen: "Ich war zu der Premiere eingeladen, aber Mensch, ich war erkältet." (Kader Loth erklärt Marc Terenzi, warum sie es nicht zu seinem ersten Auftritt als Stripper geschafft hat.)

Moral der Geschichte? "Du muss natürlich 'nen Charakterzug entwickelt haben, um hier reinzupassen", erklärt Jens Büchner im Gespräch mit Kader Loth und Florian Wess. Siehe da: Es passt doch ein bisschen Wahrheit ins Reality-Fernsehen.

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