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Drehbuchautoren-Initiative:"Ein Erfolg, aber erst der Anfang"

In einem Jahr "Kontrakt 18" wurden über 100 Verträge nach den Vorgaben der Unterzeichner abgeschlossen. Ziel ist die Verbesserung von Wertschätzung und Bezahlung, aber auch mehr Mitbestimmung.

Früher war das einfach mit Drehbuchautoren. Man nahm ihre Ideen, ließ sie Entwürfe zigmal umschreiben und setzte am Ende einen Regisseur ein, der die Ideen nicht verstand und das komplette Drehbuch umschrieb. War der Film fertig, bekam der Regisseur all die Lorbeeren, und die Autoren konnten froh sein, wenn sie unter ferner liefen erwähnt wurden. Das hat sich mit den Jahren geändert, weil immer mehr Menschen in der Branche verstanden, dass ohne ein gutes Buch kein guter Film entstehen kann. Autoren wurden selbstbewusster, aber so richtig Wucht bekam ihr Anliegen erst im vergangenen Jahr, als sich 90 Autoren zur Initiative "Kontrakt 18" zusammenschlossen und verkündeten, vom 1. Juli 2018 an nur noch Verträge mit größeren Mitbestimmungsrechten zu akzeptieren. Ein Raunen ging durch die Branche, weil plötzlich Arbeitsroutinen in Frage standen.

Über 100 Verträge wurden inzwischen nach den Vorgaben von "Kontrakt 18" abgeschlossen, und die Unterzeichner haben fast alle großen Sender dazu bewegt, ihre Leitlinien zur Einbindung von Autoren zu überdenken. "Die Branche ist in Bewegung geraten, das ist ein Erfolg, aber erst der Anfang", sagt Volker Zahn. Mit seiner Frau Eva gehört er zu den Unterzeichnern der Erklärung. Gemeinsam haben sie in 25 Jahren über 130 Drehbücher geschrieben, darunter etliche Tatort-Folgen und die ZDF-Serie Zarah. "Wir sind aus dieser Bittstellerposition heraus, wir gehen jetzt mit durchgedrücktem Rücken in die Verhandlungen", sagt Volker Zahn und formuliert klare Bedingungen an Vertragspartner: "Wer mit uns arbeiten will, sollte das auf Augenhöhe tun."

Das neue Selbstbewusstsein tut den Autoren sichtlich gut, weil es auch eine Abkehr von der früheren Gutsherrenart in der Branche bedeutet. "Wir sind mitunter so respektlos behandelt worden, dass wir gestaunt haben, was wir mit uns haben machen lassen", sagt Eva Zahn, die einräumt, dass immer noch viel zu tun ist. "Man muss schon hart verhandeln, wir bekommen das, was wir fordern, nicht einfach so geschenkt", sagt sie und fügt an, dass sie und ihr Mann als Überzeugungstäter agieren. "Wir haben schon immer für unsere Stoffe gebrannt und gekämpft."

Ermöglicht hat die neue Wertschätzung für Autoren auch die Entwicklung des TV-Marktes

Nicht alle sind so. "Natürlich gibt es auch Brot- und Butterautoren, die froh sind, wenn sie sich von ihrem Text bei Abgabe trennen können", sagt Volker Zahn, der wohl weiß, dass junge Autoren nicht in der gleichen starken Position wie er und seine Frau sind. Genau da soll aber "Kontrakt 18" ansetzen mit der Forderung, dass Autoren nicht nur ausreichend zu würdigen und zu bezahlen sind, sondern auch mitsprechen dürfen bei der Auswahl von Regisseuren.

Ermöglicht hat die neue Gewichtung auch die Entwicklung auf dem Fernsehmarkt, auf dem nicht mehr nur ein paar große Sender bestimmen, welche Stoffe interessant sind, was gemacht wird und was nicht. Da profitieren hiesige Autoren davon, dass etwa in den USA ganze Serien mehr von Autoren als von Regisseuren bestimmt werden. "Wir können jetzt auch mal sagen: Das passt nicht, das entwickeln wir lieber für einen Streamingdienst", sagt Volker Zahn.

Es tut sich also was, wenn die Veränderung auch noch nicht alle in der Branche erreicht hat. "Ich kann mir vorstellen, dass einige Produzenten nicht mehr mit uns zusammenarbeiten wollen", sagt Eva Zahn, die vor übereiltem Optimismus warnt: "Es gibt nach wie vor Widerstände. Es bleibt schwierig."