Dreharbeiten Basis und Herz

Der Serienboom hat US-Drehbuchautoren goldene Zeiten beschert. In Deutschland sieht es mit der Wertschätzung am Set anders aus. 86 deutsche Autoren wollen nun mit dem "Kontrakt 18" ihre Arbeitsbedingungen verbessern.

Von David Denk

Das Goldene Zeitalter der TV-Serie bedeutet auch goldene Zeiten für Drehbuchautoren - besonders in den USA und Großbritannien. Als Showrunner überwachen die Schöpfer eines Formats dort oftmals auch den Produktionsprozess und leiten den Writers' Room, in dem sie mit Kollegen die Entwicklung von Figuren und Handlung vorantreiben. In Deutschland dagegen ist die Wertschätzung für Drehbuchautoren ausbaufähig, das Sagen am Set hat der Regisseur, am Drehort hat der Autor hierzulande nichts zu suchen. Wenn er den fertigen Film sieht, erkennt er sein Skript mitunter kaum wieder, weil es üblich ist, dass Regisseure mit unautorisierten "Regiefassungen" arbeiten.

Mit ihrer verbands- und organisationsunabhängigen Initiative "Kontrakt 18" wollen 86 in Deutschland aktive Drehbuchautoren "trotz ermutigender Beispiele aus jüngster Zeit" ihre Arbeitsbedingungen verbessern, darunter etwa Rolf Basedow (Im Angesicht des Verbrechens), Anika Decker (Keinohrhasen) und Dorothee Schön (Charité). "Uns geht es vor allem um Qualitätssicherung und -steigerung und die Angleichung an internationale Vertrags- und Verhaltensstandards", sagt Orkun Ertener (KDD), neben Kristin Derfler (Brüder), Annette Hess (Ku'damm 59) und Volker A. Zahn (Das Leben danach) einer der vier Initiatoren. Ziel sei "eine produktive Gleichstellung mit Redakteuren, Regisseuren und Produzenten". Ausgangspunkt der Überlegungen sei die Frage gewesen, "was wir tun können, um unsere kreative Arbeit zu schützen", so Ertener.

Das Ergebnis ist eine Selbstverpflichtung in sechs Punkten. Vom 1. Juli an werden die Unterzeichner, viele namhaft und preisgekrönt, demnach nur noch in Verhandlungen für neue Film- oder Serienprojekte eintreten - Vertragspartner sind zumeist die Produzenten und nicht etwa die auftraggebenden Sender -, wenn ihnen mehr Kontroll- und Mitbestimmungsrechte eingeräumt werden. Dazu gehört etwa eine einvernehmliche Einigung bei der Besetzung der Regie sowie die Einbeziehung bei Leseproben und Rohschnitt. "Unsere Bücher", so die Unterzeichner, "sind die Basis und das Herz eines jeden Films."