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Krise bei der dpa:"Zu hohe Verluste"

Die Deutsche Presse-Agentur entlässt 30 Journalisten, die dem englischsprachigen Korrespondentennetz angehören.

Von Jan Heidtmann

Deutschlands größte Nachrichtenagentur dpa verkleinert ihr Korrespondentennetz. Davon betroffen sei aber nur der sogenannte Englische Dienst, heißt es bei der Deutschen Presse-Agentur. Die Berichterstattung für deutsche Medien ist davon nicht betroffen, sagt dpa-Chefredakteur Sven Gösmann gegenüber der SZ. "Wir sägen ja nicht an dem Ast, auf dem wir sitzen."

Der Englische Dienst der Nachrichtenagentur besteht seit 1957 und richtet sich an ausländische Kunden, darunter Samsung News, der Wirtschaftsnachrichtendienst Bloomberg, aber auch ausländische Regierungen. Einziger deutscher Kunde ist der Sender Deutsche Welle. Von den rund 70 englischsprachigen Journalisten weltweit soll nach derzeitigen Planungen rund 30 gekündigt werden. Grund dafür seien die hohen Verluste, die der Englische Dienst in den vergangenen Jahren gemacht habe. "Einschnitte sind immer schmerzhaft, besonders natürlich für die Betroffenen", sagt Gösmann. Es solle aber kein "Kahlschlag" werden, "wir versuchen, das intelligent zu machen".

Die dpa verfügt außerhalb Deutschlands über 95 Büros

Dabei gehe es vor allem darum, das Korrespondentennetz der dpa für den deutschen Markt nicht zu schädigen. So würden in jedem Fall die Stellen erhalten, die auch für Abnehmer hierzulande wichtig sein könnten. Dazu zähle zum Beispiel Nepal, wo es keinen deutschsprachigen dpa-Korrespondenten gebe. Da aber Beiträge von dort, beispielsweise vom Mount Everest, auch in Deutschland relevant seien, bleibe die Stelle erhalten. Ähnlich sei es in Nahost, dort stammten die beiden Mitarbeiter aus Deutschland. Durch familiäre Bindungen in Israel könnten sie jedoch nur schwerlich in die Palästinensergebiete einreisen. Die Berichterstattung von dort übernähmen weiterhin Kollegen des Englischen Dienstes, erklärt Gösmann.

Die dpa verfügt außerhalb Deutschlands über 95 Büros. "Das ist eine fundamentale Säule unserer Nachrichtenagentur", sagt Gösmann. Deren Bedeutung wachse stetig. Denn die Krise in den Medien habe dazu geführt, dass Zeitungen, aber auch Sender bis hin zu den öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten ihr Korrespondentennetz ausdünnten. Diese Lücke fülle dpa zunehmend. Deshalb würden die Auslandsbüros des Deutschen Dienstes auch gezielt gestärkt. So seien die Büros in London und Washington kürzlich um jeweils einen Redakteur verstärkt worden.

© SZ/hy
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