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Doris Dörrie im Gespräch:"Männer kaufen sich rote Sportwagen"

Regisseurin Doris Dörrie über Haarausfall, die Angst vor dem Alter und ihre neue ZDF-Serie Klimawechsel.

Regisseurin Doris Dörrie drehte unter anderem die Kömodien Männer und Bin ich schön? Außerdem reüssierte sie mit Kirschblüten-Hanami und überzeugte mit Operninszenierungen. Für ihre Arbeiten erhielt sie zahlreiche Preise.

sueddeutsche.de: Frau Dörrie, eine sechsteilige Serie über Frauen in den Wechseljahren, das ist ziemlich ungewöhnlich für ein TV-Programm zur Hauptsendezeit.

Doris Dörrie: Ja, im Schnitt ist diese sogenannte Primetime ja ziemlich zum Gruseln. Zu sehen sind 08/15-Schmonzetten, die fast nonstop über den Bildschirm flattern. Der Film am Mittwochabend in der ARD ist dagegen immer wieder interessant - und auch im ZDF gibt es Bemühungen um Qualität. Aber das Grausige überwiegt. Das hat mich zu diesem Film animiert.

sueddeutsche.de: Frauen um die 50 werden im Fernsehen eher als patente Jung-Omas, multitaskingfähige Hausfrauen, gar erfolgreiche Karrieretypen oder dynamische Kommissarinnen dargestellt. Bei Ihnen hingegen schwitzen die Frauen und ihnen fallen die Haare aus - Wechseljahre eben.

Dörrie: Das Fernsehen als gemütliches Lagerfeuer zeigt meist Frauen, die tapfer ihren Mann stehen und nebenbei auch noch Kuchen backen - wir sind wahnsinnig nette Menschen - und ganz nebenbei auch noch tolle Mütter!

sueddeutsche.de: In Klimawechsel hingegen haben die Frauen Angst vor Glatzen, sind geil auf ihre Schüler oder lassen sich die Vagina verengen. Übertreiben Sie da nicht ein bisschen?

Dörrie: Es geht nicht um die Realitätsabbildung - sondern darum, komplexe Figuren zu schildern und Plots zu entwicklen, die frecher sind als in der Primetime üblich. Natürlich erzählen wir etwas von dem, was wirklich stattfindet - aber wir übertreiben, sodass es unterhaltsam ist. Die Wechseljahre sind eine Zeit, in der man von sehr vielen Ängsten gebeutelt wird. Wir fürchten uns doch alle vor dem Alter - darüber gemeinsam zu lachen, hilft.

sueddeutsche.de: Eine Frau erlebt die Veränderung sehr viel klarer am eigenen Körper als der Mann.

Dörrie: Männer erleben diesen Einschnitt nicht so deutlich und gehen mit den Ängsten anders um. Sie kaufen sich einen roten Sportwagen und suchen sich jüngere Frauen. Dieser Don-Juanismus im Alter ist letztlich nichts anderes als die Angst vor dem Tod.

sueddeutsche.de: Frauen reagieren nicht so offensichtlich?

Dörrie: Frauen dürfen noch nicht einmal über Wechseljahre sprechen. Wir müssen ja anscheinend so tun, als gäbe es das Alter nicht, weil wir ja so stark über Schönheit definiert werden. Und wir stricken selbst an diesem Tabu eifrig mit durch Schönheits-OPs und Verjüngungswahnsinn, und umso größer wird die Angst. Der Spaß bei der Serie war, daran zu kratzen und hineinzupiksen.

sueddeutsche.de: Diesen Spaß findet auch der US-amerikanische Sender HBO sehr gelungen - und will den Stoff gern mit Hollywood-Darstellern verfilmen.

Dörrie: In den USA ist das Tabu der Wechseljahre noch größer als in Deutschland.

sueddeutsche.de: Würden Sie auch wieder inszenieren?

Dörrie: Nein, die Wiederholung von Dingen macht mir in der Regel nicht so großen Spaß. Ich wollte auch nie das Remake von Männer machen, was mir hundert Mal angeboten wurde.

sueddeutsche.de: Wenn die Serie ein Erfolg wird, ist eine Fortsetzung denkbar?

Dörrie: Ich habe eigentlich nicht vor, das weiterzumachen. Ich schreibe bereits an einem anderen Stoff.

Klimawechsel, Mittwoch 20.15 Uhr im ZDF eine Doppelfolge, dann jeweils donnerstags eine Folge.