Doppel-"Polizeiruf":Schmuddelkinder im Handlungs-Wirrwarr

Polizeiruf Wendemanöver Rostock Magdeburg

Spannende Kombination: die Polizeiruf-Teams aus Rostock und Magdeburg.

(Foto: NDR/Christine Schroeder)

Die Kommissare aus Rostock und Magdeburg fühlen sich alle von der Gesellschaft verraten. Gerade deshalb wären sie eine spannende Kombination - wenn nur das Drehbuch nicht so vertrackt wäre.

Von Carolin Gasteiger

In einer Woche kann vieles passieren - und vieles vergessen werden. Auch beim Polizeiruf werden sich nicht alle an alles erinnern, was vorigen Sonntagabend im ersten Teil von "Wendemanöver" geschehen ist. Darum fängt der zweite Teil ganz US-Serien-like mit einer Zusammenfassung an.

Denn: "Ich möchte in dieser ganzen gequirlten Scheiße einmal den Durchblick haben", meint Kriminalrat Lemp zu Beginn der Folge und dürfte damit vielen Zuschauern aus der Seele sprechen. Vor einer Woche hatte Regisseur Eoin Moore ein Netz aus Handlungssträngen ausgelegt, Kommissar Drexler eine amouröse Episode mit einem früheren Arbeitskollegen und damit dessen Outing gegönnt sowie Kommissar Bukow per Elektroschocker ausschalten lassen. Vor dem Fernseher sorgte das Crossover-Experiment, bei dem die Ermittler aus Magdeburg und Rostock gemeinsam auf Verbrecherjagd gehen, allerdings nicht für ausnahmslose Begeisterung. Verwirrung trifft es wohl besser.

Eine Woche später folgt nun die Ernüchterung: Im zweiten Teil wird es leider nicht übersichtlicher. Anstatt den Plot aufzulösen, macht die nächste Folge alles nur noch komplizierter. Im Grunde geht es um Wirtschaftsbetrug im großen Stil. Aber auch um enttäuschte Söhne von profitgierigen Vätern, Betrug, illegalen Waffenhandel im Ostdeutschland der Neunziger Jahre. Obendrein ein völlig unberechenbarer Kommissar Bukow, der abermals mit einem Elektroschocker attackiert wird. Chapeau, wer da den Durchblick behält.

Und dann wäre da noch die Liebe

Und dann wären da noch die persönlichen Verstrickungen: Rostock-Kommissarin König knutscht einen Verdächtigen, nur um schlussendlich festzustellen, dass sie doch nicht wie alle anderen sei. Ermittlerin Brasch aus Magdeburg knutscht Oberproll Pöschel zum Abschied - und Drexler verarbeitet einen persönlichen Verlust mit einem beherzten Biss ins belegte Brot. Problembewältigung aber schafft keiner. Sind wohl doch nicht alle von dieser Welt, oder wie der Spiegel-Online-Kollege schrieb: "Krank hoch vier".

Aber, und das macht den zweiten Teil von "Wendemanöver" sehenswert: Rostock und Magdeburg ist eine spannende Polizeiruf-Kombination. Jeder der vier verschrobenen Ermittler fühlt sich auf seine Weise von der Gesellschaft verraten. "Wir sind die Schmuddelkinder", bringt es Bukow-Darsteller Charly Hübner in einem Video hinter den Kulissen auf den Punkt. Und doch ganz unterschiedlich: Was die Rostocker impulsiv anpacken, betrachten die Magdeburger lieber distanziert. Bukow taucht unter, Drexler wälzt DDR-Akten.

Schade, dass den Schmuddelkindern kein einfacherer Plot vergönnt ist. So drohen ihre Extravaganzen im wirren Handlungsgeflecht unterzugehen.

ARD, Sonntag, 20.15 Uhr

© SZ.de
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