ARD-Doku über Marine Le Pen Auf der Suche nach der Frontfrau der Rechten

Engmaschiges Netzwerk einer Präsidentschaftskandidatin: Marine Le Pen (links) im März 2017 bei Wladimir Putin in Moskau.

(Foto: dpa)

Eine ARD-Reportage will Marine Le Pen porträtieren, ihr weltweites Netzwerk und auch noch ihre Wähler im Hinterland. Das ist zu viel für 45 Minuten.

Von Christian Gschwendtner

Als besorgter Bürger kann man sich über alles Mögliche beschweren. Nur über eines nicht: Über zu wenig Aufmerksamkeit. Es ist mittlerweile schwer angesagt, Unzufriedenen aller Art einen Hausbesuch abzustatten. Politiker und Journalisten machen das gerne. Sie wollen dann das "Gespräch suchen" oder einfach mal Dampf aus dem Kessel ablassen. Ein ehrenwertes Anliegen.

So gesehen ist es keine große Überraschung, dass sich ARD-Reporter für eine Story über Marine Le Pen, die Anführerin des französischen Front National, ins Hinterland aufgemacht haben.

Sie sind nach Donzy gefahren, ein 1600-Einwohner-Kaff zwei Autostunden südlich von Paris. Dort treffen sie unter anderem einen Eisenwarenhändler, der wie Le Pens Partei raus aus der EU will. In dem Dorf gibt es außerdem noch einen Gänsezüchter. Der wiederum findet die Parolen seines Nachbarn gar nicht gut. Auch der Gänsezüchter kommt ausführlich zu Wort. Das ist schade.

Denn für das Hauptthema der 45-minütigen Doku bleibt so fast keine Zeit. Es soll eigentlich um die "Frontfrau der europäischen Rechten" gehen, nicht so sehr um die Wähler und Nicht-Wähler von Le Pen. Die Reporter wollen das engmaschige Netzwerk ausleuchten, das die Präsidentschaftskandidatin weltweit geknüpft hat.

In Moskau treffen sie dafür Konstantin Malofejew. Der Vollbart-Oligarch träumt von einer kompletten Neuordnung Europas. Er will zurück ins 19. Jahrhundert, zurück zum Zar und zu Bismarck. Aus diesem Grund pflegt Malofejew enge Kontakte zu den europäischen Rechtspopulisten. Sein Name taucht immer wieder im Zusammenhang mit russischen Millionenkrediten für Marine Le Pen auf. Eine Verbindung, die Malofejew bestreitet.

Hat sich der Front National geläutert? Die Frage lässt sich nicht im Vorbeigehen beantworten

Weniger schmallippig ist da George "Guido" Lombardi. In der ARD-Doku sieht man ihn wie einen Schakal im Trump Tower sitzen. Lombardi bewohnt dort die 62. und 63. Etage. Er ist ein guter Bekannter des US-Präsidenten und er erzählt sehr offen, wie er anlässlich der New York-Reise von Le Pen im Januar eine Cocktailparty ausgerichtet hat. Russischer Kaviar inklusive. Das alles ist zwar nicht ganz neu, aber interessant aufgearbeitet.

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Die Macher der Doku verzetteln sich aber zunehmend. Sie wollen neben der Wählerforschung und dem Le Pen-Netzwerk auch noch einen dritten Punkt abhandeln: Hat sich der ehemals rechtsextreme Front National wirklich ein klitzeklein wenig geläutert? Oder ist er noch genauso radikal wie früher unter Jean-Marie Le Pen, dem Vater von Marine?

Die Frage lässt sich eher nicht im Vorbeigehen beantworten. Sie wird trotzdem aufgeworfen. Auch der Gänsezüchter darf am Ende nochmal was sagen: Er hofft, dass Frankreich dieses Mal anders als sein Dorf wählt.

Die Story im Ersten: Marine Le Pen - Frontfrau der europäischen Rechten, ARD, Montag, 22.45 Uhr.