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Dokudrama "14" auf Arte:Großes, emphatisches Requiem

14 ist keine Fiktion. Dedios recht gewagte Arbeitshypothese war vor allem: Serielles Erzählen passt nicht nur zu all den Sagas von Macht, Leidenschaft und Verderben wie House of Cards - sondern auch zu nicht fiktionalem Fernsehen. In gewisser Weise versucht 14, Geschichte eben genau als das zu erzählen - als Saga von Macht, Leidenschaft und Verderben, so wie das gute Historiker schon immer konnten. Dabei ließ sich angesichts des Themas natürlich nicht immer die moralfreie Kaltblütigkeit herstellen, aus der moderne TV-Epen ihre Sogwirkung wesentlich beziehen. Die Produktion will opulent und mit vielen Schauplätzen die Jahre 1914 bis 1918 erzählen, aber sie will eben und sie muss es bei ihren Quellen geradezu - auch ein Lehrstück gegen Krieg und Vernichtung sein, ein großes, emphatisches Requiem.

Die Autoren um Jan Peter und Yuri Winterberg erzählen mit vierzehn Protagonisten Geschichten vom Krieg, die man kennt, oder zumindest zu kennen glaubt: Von einem kriegsbegeisterten - und natürlich eifrig Tagebuch schreibenden - Mädchen Elfriede (Elisa Monse) aus Pommern, das einen Verehrer abweist und bald an seinem Grab steht. Sie erzählen aber - auf Grundlage von Dokumenten aus siebzig Archiven - noch viel mehr. Die 14 Jahre alte Marina Yurlova (Natalia Witmer) schließt sich als merkwürdige Kindersoldatin den zarentreuen Kuban-Kosaken an, dann droht ihr nach einer Verwundung die Beinamputation. Die Krankenschwester Sarah Macnaughton (Celia Bannerman) hört an der russisch-osmanischen Front von unfassbaren Gräultaten an den Armeniern. Vicenzo D'Aquila (Jacopo Menicagli) gibt sein neues Leben in Amerika auf, um für Italien zu kämpfen, und endet umnachtet in der Nervenheilanstalt. Vier Jahre folgt das Drama seinen Helden.

"Fernsehen braucht Events, um zu überleben"

Wenn man in einem Satz sagen müsste, worum es in 14 geht, dann wäre es der in den Tagebüchern dokumentierte Vorgang, wie der Krieg sich allmählich so in den Hirnen festsetzt, dass die Rückkehr in die alte Gesellschaft nicht mehr möglich ist.

Dedio, der Produzent, denkt viel über das Fernsehen nach, und er meint nicht Wetten, dass..? wenn er sagt: "Fernsehen braucht Events, um zu überleben." In seinem Dokudrama kommen 23 Sprachen vor, von den sechs Millionen Euro Budget brachten die Arte-Partner aus Deutschland (NDR, SWR, WDR) und Frankreich zwei auf, den Rest gaben Firmen von Kanada bis Australien. Dabei sind unter anderem BBC und Discovery, die Schweden von SVT und NTR aus den Niederlanden. Die US-Videoplattform Netflix hat die Lizenzrechte gekauft.

Dabei geht es doch um einen längst toten Krieg, nicht wahr? Ja, es geht fast acht Stunden lang um einen vergangenen Krieg. Und für die Sender hundert Jahre später um die Suche nach der Zukunft des Fernsehens.

Moderne Epen werden als Drehbücher geschrieben. Was nicht im Drehbuch stand: Als Gunnar Dedio bei der Vorstellung des Dokudramas vorige Woche in einem Kino in Moskau saß, meinte er, vorübergehend doppelt zu sehen. Auf der Kinowand zeigte er den Krieg, aber die Zuschauer hatten Angst vor einem neuen.

14 - Tagebücher des Ersten Weltkriegs, Arte, acht Folgen, 29. April, 20.15 und 21.10 Uhr, 6. und 13. Mai jeweils 20.15, 21.05 und 22 Uhr; die ARD zeigt eine Fassung mit vier Folgen am 27. und 28. Mai um jeweils 21.45 und 23 Uhr. Webspecial bei www.arte.tv. Begleitausstellung im Militärhistorischen Museum Dresden von 1. August an.