Süddeutsche Zeitung

Doku-Serie "Conflict":Und jedes Foto zeigt die Grausamkeit des Krieges

Die Doku-Miniserie "Conflict" porträtiert Fotografen in Extremsituationen und wirft mit deren Bildern Fragen auf. Und zwar jene, die sich im Zeitalter von Smartphones und sozialen Medien nicht mehr nur Profis stellen sollten.

"Ein erwachsener Mann, unbewaffnet, der in fernen Kriegsgebieten rumläuft und Fotos macht", sagt Eros Hoagland. "Erklären Sie das einem Kind und schauen Sie, ob das in seinen Augen irgendeinen Sinn ergibt." Der freiberufliche Fotograf, der diesen Satz über Sinn und Unsinn der Kriegsfotografie sagt, wurde vor allem durch seine Arbeit in Afghanistan und Mexiko bekannt und ist einer der sechs Protagonisten der Doku-Miniserie Conflict.

In sechs nur je sechsminütigen Folgen zeigt der New Yorker Filmemacher Nick Fitzhugh die Arbeit der Fotojournalisten, eine Auswahl ihrer Fotos und ihr Ringen, mit dem, was sie tun. Da ist Pete Muller, der im Südsudan die "Konflikte hinter den Kämpfen" festhalten wollte, die Szenen, die zeigen, "dass der Krieg einfach weitergeht", in den Köpfen der Menschen, den Dörfern. Da ist Nicole Tung, die 2014 ihren Freund und Kollegen James Foley verlor, als der IS ihn vor laufender Kamera exekutierte. Das sei der Punkt gewesen, an dem die Fotografie persönlich wurde, sagt sie seltsam lapidar. Da ist Joao Silva, der auf eine Landmine trat und beide Beine verlor - und selbst diesen Moment auf Film festhielt. Da ist aber auch Donna Ferrato, die seit 30 Jahren mit Frauen arbeitet, die unter häuslicher Gewalt leiden. Sie hat dabei auch Momente des Widerstands eingefangen, konstruktive Bilder, wie sie sagt.

Die Kommentare der Journalisten sind als Voiceover eingespielt, zu sehen sind neben kurzen Interviewsequenzen ausschließlich deren Fotografien. Die meisten bleiben unkommentiert, strömen zum Teil als regelrechte Bilderflut auf den Zuschauer ein, als hätte jemand noch immer den Finger fest auf den Auslöser gepresst.

"Conflict" gibt keine Antworten, sondern benutzt Bilder, um Fragen über Bilder aufzuwerfen

Die Serie glorifiziert den Beruf des Kriegsfotografen nicht, sprechen die Porträtierten doch über den Verlust von Empathie, über Wut und Schlaflosigkeit, über posttraumatische Verhaltensmuster, auch wenn keiner das Wort benutzt. Sie thematisieren die paparazzihafte Jagd nach dem dramatischsten Foto, die Konkurrenz auf dem Schlachtfeld. Robin Hammond, der sechste Reporter der Serie, beschreibt seine Arbeit als ein ewiges Im-Stich-Lassen. Jedes Foto, das im Kasten sei, bedeute automatisch, dass man Sichtbarkeit für etwas schaffe, das sonst unsichtbar bliebe - aber auch, dass man weiterziehe und den Menschen vor der Kamera seinem gerade festgehaltenen Schicksal überlasse.

Dieses inhaltliche Bemühen um eine differenzierte Auseinandersetzung steht in einem merkwürdigen Kontrast zur Hochglanzoptik der Serie. Die Interviewsequenzen wirken wie mit einem schicken Vintage-Filter aufgehübscht, alles ist untermalt von unnötig pathetischer Filmmusik. Sieht man darüber hinweg, liegt eine große Stärke darin, dass Conflict keine Antworten gibt, sondern Bilder benutzt, um Fragen über Bilder aufzuwerfen. Und zwar jene, die im Zeitalter von Smartphones und sozialen Medien nicht mehr nur Profis beschäftigen: Was dürfen (Kriegs-)Bilder? Was können sie? Aber auch: Was müssen sie?

Conflict, abrufbar bei thisisconflict.com

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Quelle:
SZ vom 05.08.2016/cag
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