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Diversität:Klartext auf Hochdeutsch

Bei einer Diskussion in Berlin beklagt die Schauspielerin Thelma Buabeng klischeehafte Rollenangebote. Da seien "wir alle als Macher gefordert", sagt Regisseur Friedemann Fromm. Die große Frage: Wie rassistisch ist das deutsche Fernsehen?

Von Markus Mayr

Thelma Buabeng, Mitte 30, ist eine deutsche Schauspielerin, ganz egal, nach welcher Herkunft ihr Name auch klingen mag. Kürzlich war sie als Staatsanwältin zur Primetime im ZDF in Am Ruder zu sehen - in einer Art Rolle also, die sie nur selten spielen darf: der einer gebildeten Respektsperson, die zudem fließend Deutsch spricht. Wie viele Kolleginnen und Kollegen bekommt Buabeng wegen ihrer Hautfarbe meist vor Klischees triefende Migrantenrollen zugedacht. "Singen, trommeln, tanzen, das dürfen wir", fasst sie das Spektrum zusammen.

Damit macht Buabeng auf ein Problem aufmerksam, das Schauspieler und Filmemacher am Montagabend in Berlin diskutiert haben und das sich in folgender Frage zuspitzen lässt: Ist das deutsche Fernsehen rassistisch? Die Diskussion knüpfte an einen offenen Brief an, den der Bundesverband Casting Anfang Mai an TV-Anstalten verschickt hat. "Deutschlands Gesellschaft ist multikulturell und multisexuell", heißt es darin. Das könne jeder täglich feststellen. "Nur nicht in Film und Fernsehen." Ob nicht auch eine afrikanisch aussehende Schauspielerin ohne Erklärung eine Hochdeutsch sprechende Hauptrolle spielen könne? Oder einer mit asiatischem Hintergrund den Thomas? Könne Prof. Dr. Müller nicht auch eine Frau sein? Um das zu ändern, "sind wir alle als Macher gefordert", sagte der Regisseur Friedemann Fromm (Weissensee). Die Geschichten drohten sonst zu verarmen.

Offen blieb, wie sich die Gewohnheit, Migrationshintergrund im Film zu erklären und nicht als gegeben zu setzen, verfestigt hat: Trauen Redakteure ihrem alternden TV-Publikum die schwarze Intellektuelle nicht zu, weil die nicht in deren Weltbild passen könnte? Oder bringen sie selbst dazu den Mut nicht auf? Vorsätzlichen Rassismus warf niemand den Sendern vor. Buabeng jedoch merkte an: "Man muss kein Rassist sein, um rassistische Dinge zu tun." Will heißen: Wer den Bösen im Tatort zum x-ten Mal mit einem Ausländer besetzt, muss das gar nicht böse meinen. Rassistisch ist es trotzdem.

© SZ vom 21.06.2017

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