Auf irgendeine verquere Art trifft die neue Disney-Serie „The Beauty“ wahrscheinlich einen Nerv. Sie vereint zwei Obsessionen, die eigentlich nur bedingt zusammengehören: Die Angst vor Milliardären, die in ihrer Gier halbgare Innovationen auf die Menschheit loslassen, wird hier mit der Bereitschaft gepaart, sich und seinem Körper denkbar schreckliche Dinge anzutun, um für immer jung und vor allem schön zu sein.
„The Beauty“ beginnt bei einer Modenschau in Paris. Ein Model in rotem Leder (Bella Hadid) stakst einen Laufsteg entlang, fängt an zu schwitzen, kratzt sich, nimmt dem Publikum schließlich die Wasserflaschen weg und flüchtet. Erst kurvt sie mit einem geklauten Motorrad am Eiffelturm vorbei, dann stürmt sie ein Bistro und trinkt dort aus der Toilette. Nachdem sie noch ein paar Gäste vermöbelt hat, tritt sie hinaus auf die Straße, wo inzwischen eine schwer bewaffnete Sondereinheit auf sie wartet. Und gerade, als man erwartet, dass diese das Feuer eröffnet, geht sie in die Luft. Bella Hadid explodiert. Und zwar exakt abgestimmt auf den Farbton ihrer Lederkluft. Man spürt den ästhetischen Willen; sehr appetitlich ist die Sache trotzdem nicht. Blut spritzt, Knochen fliegen.
Wer Splatter mag, wird seine Freude haben
Wer eine Serie ansieht, braucht normalerweise ihren Trailer nicht. Bei „The Beauty“ ist er jedoch hilfreich, weil man sich dann schon so ungefähr zusammenreimen kann, wo die Reise hingeht. Also: Mehrere Models sind explodiert. Zwei FBI-Agenten (Rebecca Hall und Evan Peters) werden auf den Fall angesetzt und beginnen ihre Ermittlungen in Paris. Bald hechten sie weiter nach Venedig, von einem attraktiven Schauplatz zum nächsten, weil dort lauter attraktive Menschen platzen. In den USA hat derweil ein pummeliger Jüngling, der ein einsames Dasein im Keller seiner Mama fristet, einen Schönheitschirurgen dazu gezwungen, ihm eine total geheime Substanz zu spritzen, und mutiert zu einem schlankeren, schöneren Selbst. Die Substanz ist ein Virus und auch sexuell übertragbar. Hinter seiner Entstehung steckt ein nicht ganz zurechnungsfähiger Milliardär (Ashton Kutcher). Das Virus soll sein Wirtstier schöner machen, hat aber auf dem Weg durch die Welt, nach Virenart, selbst ein paar Mutationen durchgemacht – dass die Wirtstiere explodieren, war mutmaßlich nicht der Plan. Dass hier, in einem Nebensatz, mRNA-Impfungen diskreditiert werden: geschenkt. Ist aber schon alles ein bisschen wüst in „The Beauty“, der neuen Serie von Ryan Murphy.
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Murphy ist einer der mächtigsten Serienproduzenten in Hollywood und hat eine ganze Kollektion von Emmys und Golden Globes, was ihm für seine sehr unterschiedlichen Projekte sehr eindrucksvolle Besetzungslisten ermöglicht. Von ihm stammen unter anderem auch die Serien „American Horror Story“, „Nip/Tuck“ und „Glee“ und er hat den Film „Eat, Pray, Love“ mit Julia Roberts inszeniert. „The Beauty“ aber, die ganze Idee mit der Schönheit aus der Spritze, und wie sie sich aus den Körpern herausschält, wirkt ein wenig wie Abklatsch: Das ist schon verdammt nah dran an Coralie Fargeats mehrfach preisgekröntem Film „The Substance“ (2024), in dem sich Demi Moore bei dem verzweifelten Versuch, wieder jung und schön zu sein, selbst zerstört.
Nur ist – zumindest in den ersten drei Folgen von „The Beauty“, die bislang veröffentlicht wurden – von den Zweifeln, der Zerrissenheit, die „The Substance“ ausmachten, nichts in Sicht. Was zum Teil daran liegt, dass die Serie sich an genau jene Standards von Schönheit hält, die das Zeug aus der Spritze herstellen soll. Irgendein ästhetischer Bruch, der daraus Satire macht, ist nicht erkennbar. Unter anderem infiziert sich Rebecca Halls Figur mit dem Virus, und man könnte behaupten, dass die auch ohne Virus schon schön ist.
„The Beauty“ ist mit viel Lust an explodierenden Models inszeniert, und wer Splatter mag, wird an der berstenden Bella Hadid seine Freude haben. Man darf halt nur nicht darüber nachdenken.
The Beauty, auf Disney Plus.
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