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Medienkolumne "Abspann":Was man nicht hören will, aber lesen sollte

Cover von Alice Haster Buch: Was Weisse Menschen nicht über Rassismus hören Wollen aber Wissen sollten. Erschienen im Hanser Verlag.

Ein deutsches Buch einer Kölner Autorin: "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen aber wissen sollten" von Alice Hasters.

(Foto: Hanser Verlag)

Beobachtungen aus der Medienlandschaft, diesmal: Eine Lektüreempfehlung für Dieter Nuhr.

Kolumne von Elisa Britzelmeier

Der Kabarettist Dieter Nuhr geriert sich inzwischen ja gerne als einer, der allzu wohlfeile Gewissheiten anbohrt und auf ihre Standfestigkeit testet. Als Kabarettist für gesunden Menschenverstand und Gegenperspektive. So auch in seiner jüngsten Sendung im Ersten. Dort hat er über das Buch "Was weiße Menschen nicht über Rassismus hören wollen - aber wissen sollten" der Journalistin Alice Hasters gesprochen und dabei behauptet, es sei "in den USA ein Riesenrenner" gewesen.

Das ist nun allerdings selbst für Nuhr eine überraschende Perspektive. Denn dazu hätte das Buch erst mal dort erscheinen müssen. Hasters ist eine deutsche Autorin, das Buch wurde auf Deutsch geschrieben.Ein Fehler, wie Nuhr selbst einräumt.

Gefragt, wie dieser Fehler durchrutschen konnte, sagte der zuständige Sender, der RBB, die interne Suche sei im Gange. Eine Wiederholung werde aber ausgeschlossen. Nuhr selbst schreibt auf Anfrage von einem "formalen Fehler", dessen "Nebensächlichkeit" im Fact-Checking unbemerkt blieb. Ob es der vermeintliche gesunde Menschenverstand war, der die Kölnerin Hasters mal so eben in den USA verortete?

Wer ihr kluges Buch tatsächlich liest, erfährt, was weiße Menschen wissen sollten: Dass das Thema Rassismus oft ausgelagert wird, besonders gern in die USA. Wer Nuhrs weiteren Behauptungen - Hasters unterstelle allen weißen Menschen Rassismus, der Buchtitel sei selbst rassistisch, es gebe so etwas wie Rassismus gegen Weiße - bereitwillig zustimmt, der könnte bei der Lektüre von Hasters Buch wirklich überrascht werden. Oder wie Verlagschef Jo Lendle schreibt: "Rassismus ist so nah."

© SZ/biaz
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