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"Die Unsichtbaren" im Ersten:Mit Mut und List dem Holocaust entkommen?

Motiv der Anzeige, die am Mittwoch in mehreren Zeitungen erschien - auch in der SZ.

(Foto: SZ)

Wie bizarr das Erste einen verdienstvollen Film nach einer wahren Geschichte vermarktet.

Mehr als fünf Millionen europäische Juden fielen dem nationalsozialistischen Völkermord zum Opfer - einigen wenigen gelang es, der Verfolgung zu entgehen und in Berlin unter ständiger Lebensgefahr zu "Unsichtbaren" zu werden. Von ihnen erzählt das gleichnamige Dokudrama, zu dessen Ausstrahlung am Mittwochabend Das Erste Anzeigen schaltete, auch in der Süddeutschen Zeitung. "Mit Mut und List dem Holocaust entkommen", steht da unter dem Foto der vier sich besorgt umschauenden jungen Protagonisten. Das irritiert, vorsichtig gesagt. Es erweckt den Eindruck, dass die Judenvernichtung ein Parcours gewesen sein könnte, in dem sich Helden fast wie in einem Computerspiel Level um Level der Freiheit nähern, sie aber womöglich nie erreichen, weil sie den Häschern der Nazis in die Hände fallen - vielleicht weil sie zu wenig listig und mutig waren? Daneben steht: "Nach einer wahren Geschichte."

Wieso präsentiert man einen verdienstvollen Film auf diese Weise? Um den Kitzel für Zuschauer zu erhöhen?

Beim Ersten versteht man die Aufregung nicht recht. Der Anzeigentext "resultiert aus vielen Gesprächen mit Hanni Lévy, der letzten Überlebenden der 'Unsichtbaren'", sagte ein Sprecher am Mittwoch auf SZ-Anfrage und erläuterte, der Begriff "List" stehe "für Klugheit und eine mutige Überlebensstrategie". Der "positive Grundton" des Films spiegele wider, "was die 'Unsichtbaren' tatsächlich erlebt und vor und hinter der Kamera immer wieder erzählt haben. Das wurde auch bei der Kommunikation in den Vordergrund gestellt." Gern wäre man mit einem Marketingverantwortlichen des Ersten tiefer in die Materie eingedrungen, doch auf SZ-Anfrage war niemand für differenziertere Antworten greifbar.

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