Süddeutsche Zeitung

Die Serien des Monats:Helden und Heldinnen

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Im Februar geht es um Superhelden mit Familienkonflikt, unterforderte Frauen mit Killerinstinkt und die Städte Wien und New York.

Von Benedikt Frank, Claudia Tieschky, Jan Kedves und Kathrin Heinrich

Wo die Auswahl endet, lässt sich längst nicht mehr überblicken: Jeden Monat landen unzählige Serien im Programm von Fernsehen und Streamingdiensten. Lustiges, Spannendes, Nützliches - aber auch jede Menge zeitraubender Quatsch. Was davon lohnt sich wirklich? Warum? Und für wen? Die SZ-Medienredaktion stellt an dieser Stelle die besten neuen Serien des Monats vor. Im Februar geht es um Superhelden mit Familienkonflikt, unterforderte Frauen mit Killerinstinkt und die Städte Wien und New York.

Umbrella Academy

Was passiert: Durch ihren Adoptivvater traumatisierte Superhelden treffen sich nach Jahren der Trennung zum ersten Mal nach dessen Tod wieder. Bald geht es nicht mehr darum, einen möglichen Mord aufzuklären, sondern um nicht weniger als die Apokalypse zu verhindern. Damit das nicht zu einfach zu erreichen ist, sorgen ein Zeitreiseplot und schräge Charaktere für Ablenkung.

Heimlicher Star: Ohne Klaus, der mit reichlich Drogen seine angsteinflößende Fähigkeit, mit den Toten zu sprechen, unterdrückt, gäbe es keine richtige Geschichte, sondern nur ein paar Sitzungen in der Familientherapie.

Nicht geeignet für: Superheldenallergiker und große Ellen-Page-Fans, denn obwohl sie das bekannteste Gesicht im ganzen Ensemble ist, spielt sie in der ersten Staffel lange nur eine Nebenrolle.

Zu sehen auf: Netflix (zehn Folgen).

M - eine Stadt sucht einen Mörder

Was passiert: In Wien verschwinden Kinder, die Eltern rennen krank vor Sorge durch die Stadt, die Polizei findet keine Spur zum Täter. Als tagelanger Schneefall in Regen übergeht, tauen drei kleine weiße Hügel am Fluss ab und geben die Leichen frei. Ein eitler, ehrgeiziger Innenminister und die wilde Anführerin der Unterwelt mobilisieren ihre Leute für eine Hetzjagd, die die ganze Stadt erfasst und mit sehr unterschiedlichen Motiven geführt wird.

Heimlicher Star: Fritz Lang. In dessen Film M - eine Stadt sucht einen Mörder von 1931 hat sich Regisseur David Schalko regelrecht verknallt. Die Serie ist nicht nur ein Remake, sondern bis in die Bildsprache hinein eine Hommage.

Nicht geeignet für: Kakteenfreunde. Besser nicht fragen.

Zu sehen auf: TV Now (sechs Folgen)

Weird City

. Was passiert: Black Mirror auf lustig: In einer nur zu sehr ans Heute erinnernden Zukunft werden in eigenständigen Episoden Technologien weitergesponnen. Bloß will man hier nicht wie nach dem Schauen von Black Mirror den Computer aus dem Fenster werfen und im Wald leben - denn die Handlung führt nicht in die Dystopie, sondern in absurde Situationen.

Heimlicher Star: Die Episoden werben mit viel Prominenz, auch mit Luke-Skywalker-Darsteller Mark Hamill. Der tritt aber nur als Stimme eines Smart Homes auf, das eine obsessive Beziehung zu seinen Bewohnerinnen entwickelt.

Nicht geeignet für: Sparsame Menschen, die nicht noch einen weiteren Streamingdienst für knapp zwölf Euro monatlich abonnieren wollen. Denn die Anthologieserie erscheint bei Youtubes Bezahldienst und die kostenlose Premierenfolge ist auch die beste.

Zu sehen auf: YouTube Premium (sechs Folgen, die erste unter https://www.

youtube.com/watch?v=fMnq5v8yZp4). Was passiert: Im Manhattan der Achtzigerjahre wüten der Turbokapitalismus und die Aidskrise. Die junge schwarze Transfrau Blanca nimmt in ihrer Wohnung bedürftige Transgenderkids und schwule Jungs auf - ihr "House of Evangelista" ist geboren, und Blanca ist nun: Mutter. Und was für eine. Sie steht ihren "Children" in allen erdenklichen Krisen bei (Liebeskummer, HIV-Angst, Stress mit den biologischen Eltern) und räumt mit ihnen spätnachts bei den spektakulär opulenten Bällen der queeren Ballroom-Community Trophäen ab. Man fühlt sich zurückversetzt in die Kult-Doku Paris Is Burning und ins "Vogue"-Musikvideo von Madonna (1990).

Heimlicher Star: Das Transmädchen Angel. Sie ist das hübsche Küken der Evangelistas und fängt eine Affäre mit einem verheirateten weißen Freier an. Das Geld, mit dem er ihr Geschenke macht, verdient er in der Firma eines halbseidenen New Yorker Tycoons. Trump Tower lässt grüßen.

Nicht geeignet für: Kinder und Erwachsene mit Hang zu Homophobie, Transphobie, Rassismus und/oder schlechter Musik - in den sensationellen Tanz-Szenen dieses alternativen Familiendramas gibt es nämlich viele tolle alte Disco-Songs zu hören.

Zu sehen auf: Netflix (acht Folgen).

Killing Eve

Was passiert: Eine Leiche bringt zwei unterforderte Frauen zusammen: Eve Polastri (Sandra Oh), gelangweilte MI5-Mitarbeiterin mit Instinkt, aber leider nur einem Bürojob. Und Villanelle (Jodie Comer), perfektionistische Auftragskillerin, die endlich mal jemanden auf ihrer Fährte wissen will. Ein klassisches Katz-und-Maus-Spiel beginnt, aber Showrunnerin Phoebe Waller-Bridge versteht es, mit den Motiven des Agententhrillers so liebevoll und geschickt umzugehen, dass sie in Killing Eve weder zur Persiflage geraten, noch ins Klischee verfallen.

Heimlicher Star: Die sarkastische, queere Psychopathin Villanelle. Sie spielt Streiche, reißt Witzchen und zeigt überhaupt einen ausgeprägten Spieltrieb - bei ihren Morden ebenso wie der extravaganten Garderobe.

Nicht geeignet für: Krimifans ohne Sinn für Ironie, welche die tägliche Dosis nur mit strikter Trennung von Gut und Böse verdauen können.

Zu sehen auf: Amazon Prime, Starzplay Channel (acht Folgen).

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Quelle:
SZ vom 28.02.2019
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