"Die Rache der Wanderhure" auf Sat 1 Ab durch die mittelalterliche Hölle

Wallende Kostüme vor opulenter Kulisse mit viel Blut und nackter Haut: An den Grundzutaten aus "Die Wanderhure" hat Sat 1 auch in der Fortsetzung wenig geändert. Es ist allerdings fraglich, ob sich mit "Die Rache der Wanderhure" der Publikumserfolg des ersten Teils wiederholen lässt.

Von Katharina Riehl

Nirgendwo ist das Glück so flüchtig wie in Fortsetzungen. Die Wanderhure Marie ist im Oktober 2010, man muss das so sagen, bei Sat 1 durch die mittelalterliche Hölle gegangen für jene rekordhaften 9,75 Millionen Zuschauer, mit denen das so genannte Fernsehereignis damals beim Münchner Medienkonzern für einen herbstlichen Glückstaumel sorgte. Und wäre Die Wanderhure nicht so unglaublich erfolgreich gewesen, hätte die schöne Blondine als Kastellanin von Hohenstein wohl einfach ein bisschen glücklich werden können.

Marie (Alexandra Neldel) begibt sich in "Die Rache der Wanderhure" auf die Suche nach ihrem für tot erklärten Mann. An den Grundzutaten wurde für Teil zwei nur wenig geändert.

(Foto: obs)

Nun aber zeigt Sat 1 den zweiten Teil, der den hübschen Titel Die Rache der Wanderhure trägt (Regie: Hansjörg Thurn) und das Happy End aus Teil eins erst einmal ordentlich durcheinanderschütteln muss. Marie (erneut: Alexandra Neldel) lebt - ein paar Jahre nach jener schrecklichen Zeit, als sie vor einer Zwangsvermählung aus Konstanz fliehen und ihr Leben als wandernde Hure finanzieren musste - glücklich verheiratet und mit Kind in einem ordentlichen Haus. Ihren Mann liebt sie sehr, das sieht man gleich an den Küssen in freier Natur und an den vielsagenden Blicken beim Feuerschein.

Doch dann wird der Gatte Michel (Bert Tischendorf) in den Krieg verschickt, und nur wenige Filmminuten später ist er gefallen - zumindest ist es das, was Marie zu Hause mitgeteilt wird. Diese glaubt nicht an den Tod ihres Mannes (weibliche Intuition) und macht sich auf die Suche. Wie der Titel schon andeutet, gibt es eine Intrige zu rächen.

Bedürfnis nach Mittelalterdrama?

Den "erfolgreichsten deutschen TV-Movie in seiner Geschichte" nennt Sat 1 den ersten Teil der Wanderhure in der Pressemappe, einen RTL-haft hohen Marktanteil von 31,2 Prozent bei den 14- bis 49-jährigen Zuschauern erreichte der Film damals.

An den Zutaten für Teil zwei ist dementsprechend nicht unnötig experimentiert worden - wieder wird eine schöne Frau mit den rohen Sitten des Mittelalters konfrontiert, und das alles in wallenden Kostümen und vor opulenter Kulisse mit viel Blut und nackter Haut in Szene gesetzt. Die Rhetorik ist derb wie die Charaktere, und die innere Schönheit eines Menschen erkennt man an seinem wohlgeformten Körper.

Ästhetisch oder inhaltlich ist das alles natürlich kein großer Wurf - interessant an dem Film ist also vor allem die Frage, ob sich so ein Erfolg wie der von 2010 eineinhalb Jahre später mit sehr ähnlichen Mitteln (vor allem sehr ähnlichem Titel) wiederholen lassen wird. Ob der deutsche Zuschauer also ein starkes Bedürfnis hat nach dem Mittelalterdrama, ob eine wallehaarige Frau in Nöten und das 15. Jahrhundert ein ähnliches Potenzial zur Reihe haben wie sonst eigentlich nur zeitgenössische Kommissare.

120 Minuten dauert Maries abenteuerliche Reise, auf der sie sich als Nonne verkleidet, mit dem Schwert um ihr Leben kämpft, ihrer Vergangenheit als käufliche Liebhaberin wiederbegegnet - und der Einsamkeit. 120 Minuten, bis am Ende die Ausgangssituation wieder hergestellt sein wird, das Glück, die Liebe. Es wird nur nicht lange währen. Den dritten Teil aus dem Leben einer Wanderhure hat Sat 1 bereits angekündigt.

Die Rache der Wanderhure, Sat 1, 20:15 Uhr

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