"Die Männer der Emden" in der ARD Jede Menge Rosamunde Pilcher

Im ARD-Spiefilm "Die Männer der Emden" wird der Krieg zum Freibeutermärchen.

(Foto: ARD Degeto/Berengar Pfahl Film/H)

1914 versenkte der Kreuzer Emden Dutzende feindliche Schiffe im Meer, die Männer wurden von den Nazis später als Helden verklärt. Doch die ARD hält sich in ihrer Verfilmung nicht mit solch ernsthaften Dingen auf - die Stürme der See und der Liebe toben umso mehr.

Von Joachim Käppner

Bei vorösterlich mildem Gemütszustand und mit sehr, sehr gutem Willen ließe sich der ARD-Spielfilm Die Männer der Emden so zusammenfassen: ein Abenteuerstreifen zu den Feiertagen und für die ganze Familie, tolle Schauspieler, opulente Bilder, exotische Kulissen wie die deutsche Kolonie Tsingtao an Chinas Küste; dort braut man ein schönes Bier. Dazu stolze computergenerierte Kriegsschiffe, schneeweiße Marineuniformen, Palmen und Meer und eine Story, die selbst die ARD-Filmtochterfirma Degeto mit ihrem berüchtigten Hang zum Süßlichen nicht gänzlich verhunzen konnte.

Die Geschichte hat sich so ähnlich wirklich zugetragen: 1914 versenkte der Kleine Kreuzer Emden, ausgelaufen von Tsingtao, mehr als zwei Dutzend feindliche Schiffe, bevor ihn die australische Marine bei den Kokosinseln zu Schrott schoss. Einigen Überlebenden unter Kapitänleutnant Hellmuth von Mücke gelang aber die Flucht bis nach Arabien und schließlich heim nach Deutschland. Die Männer der Emden wurden schon in der Weimarer Zeit gefeiert und später von den Nazis als Heroen verklärt, was das Regime nicht daran hinderte, von Mücke einzusperren. Er, anfangs ein Nazi, hatte die NSDAP schon vor 1933 aus Protest verlassen.

Das Grauen des Krieges wird zum bunten Freibeutermärchen

Mit solch ernsthaften Dingen belastet die Neuverfilmung - die als Kurzversion 2013 im Kino lief - den Zuschauer nicht. Dafür toben die Stürme der See und heftiger noch jene der Liebe. In der erfundenen Love Story ist die Adelige Maria von Plettenberg (Felicitas Woll) heimlich verlobt mit dem sympathischen jungen Marineleutnant Overbeck (Ken Duken), einem Bürgerlichen, leider. Kein Wunder, dass er sich gleich zweier Nebenbuhler erwehren muss - nur um sich dann selber neben der Versuchung liegend wiederzufinden; dies allerdings im Graben beim Schusswechsel mit blutgierigen Beduinen. Als er nämlich die schöne und von Geheimnissen umwaberte Osmanenamazone Salima Bey (Sibel Kekilli) durch die Wüste eskortiert, gerät der Held nicht ganz unverständlicherweise ins Grübeln, ob es wirklich so eine gute Idee ist, der Verlobten und ihrer hochnäsigen Sippe um die halbe Welt zu folgen.

Eine Quoten-Heroine also, ein bisschen Seewolf, ein wenig Lawrence von Arabien und jede Menge Rosamunde Pilcher: Der Krieg ist hier ein gentlemen's war, ein buntes Jungs-Abenteuer. 1911 hatte die Emden übrigens einen Aufstand des Volkes der Sokeh in Deutsch-Neuguinea zusammengeschossen, was man den sympathischen Kerlen im Film gar nicht zutrauen würde (weshalb das darin auch keine Rolle spielt).

Der Film verwandelt das Grauen des Krieges in ein buntes Freibeutermärchen. Da klingt es noch seltsamer, wenn seine Helden Dinge sagen wie: "Es gibt noch Patrioten. Weicheier haben wir genug." Der Maat dagegen freut sich über ein Fläschchen lecker Kolonialbier, das Helfer den Männern der Emden zukommen lassen: "Germania Bräu - ich glaub', ich werd' verrückt." Damit ist alles gesagt.

Die Männer der Emden, zwei Teile, ARD, Karfreitag, von 20.15 Uhr an.

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