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"Die Küchenschlacht" im ZDF:Das reine, pure, ehrliche Kochen

Die Küchenschlacht

Die Küchenschlacht hat sich professionalisiert - und mit ihr die Kandidaten: Promikoch und Moderator Johann Lafer (rechts) sieht "extreme Steigerung des Niveaus".

(Foto: ZDF und Gunnar Nicolaus)

Seit zehn Jahren treten bei der "Küchenschlacht" im ZDF-Nachmittagsprogramm ambitionierte Hobbyköche gegeneinander an. Die Quoten sind besser denn je. Was steckt hinter dem Erfolg?

Von Kathrin Hollmer

Kochsendungen haben oft martialisch anmutende Titel: Grill den Profi (Vox) etwa oder Topfgeldjäger (ZDF). Ausgerechnet das bravste Format hat den wildesten Namen von allen: Die Küchenschlacht. "Wir dachten an Kissenschlacht", sagt Markus Heidemanns, Geschäftsführer der Produktionsfirma Fernsehmacher. Daher das Wortspiel. Eine Kissenschlacht tut keinem weh, es geht weniger ums Gewinnen als ums Dabeisein, beides trifft auch auf die Küchenschlacht zu. Nach zehn Jahren auf Sendung verzeichnet sie die stärksten Quoten ihrer Geschichte. Montags bis freitags schalten im Schnitt 1,25 Millionen Zuschauer um 14.15 Uhr den Fernseher ein, Rentner ebenso wie Studenten. 2008 startete die Küchenschlacht mit durchschnittlich 10,7 Prozent Marktanteil, 2017 erreichte sie mit 12,3 Prozent Bestwert. Mit insgesamt 4,66 Millionen Sichtungen war sie im zweiten Halbjahr 2017 zudem das dritterfolgreichste Unterhaltungsformat in der ZDF-Mediathek hinter Bares für Rares und Heute-Show. Was steckt hinter diesem Erfolg?

Vor dem Phoenixhof in Hamburg-Altona drängen Senioren aus Reisebussen. Aufgezeichnet wird hier von Donnerstag bis Samstag, jeden Tag vier Folgen aus zwei Sendewochen, samstags nur je zwei Finalsendungen. Für eine Sendewoche sind also zweieinhalb Drehtage angesetzt. In der Jubiläumswoche von Montag an treten ehemalige Kandidaten erneut an.

"Die meisten Kochsendungen in Deutschland sind Adaptionen aus dem Ausland, wie Das perfekte Dinner oder The Taste", sagt Heidemanns, der auch die ZDF-Shows Kerner kocht und Lafer!Lichter!Lecker! entwickelt hat - wie alle Produktionen aus seinem Haus ohne Vorlage, betont er. "Damals durfte das Publikum bei den Sendungen probieren, was die Profis kochen, bei der Küchenschlacht steht es selbst am Herd." Seit der ersten Folge treten zu Beginn sechs Hobbyköche gegeneinander an. Jeden Tag scheidet derjenige mit dem schwächsten Gericht aus, bis am Freitag der Wochensieger feststeht. Je ein Profikoch fungiert als Moderator und Juror.

In der ersten Ausgabe vom 14. Januar 2008 sang eine Kandidatin "Griechischer Wein", zwei Teilnehmer standen meist mit dem Rücken zur Kamera. Der Juror Steffen Henssler verkostete die Gerichte und bestimmte am Ende ganz kurz das schwächste der Runde. Anfangs wurden die Wochengewinner zu Kerner kocht eingeladen, später zu Lanz kocht und schließlich zu Lafer!Lichter!Lecker!. Heute stellen sich die Kandidaten mit einstudierten Kurzbiografien vor. Die Juroren rezensieren jedes Gericht ausführlich und schicken eins nach dem anderen in die nächste Runde, bis der Verlierer feststeht. Die Wochensieger treten in "Champions Weeks" und deren Gewinner wiederum im Jahresfinale gegeneinander an - für den Titel "Hobbykoch des Jahres" und 25 000 Euro Preisgeld.

Nur eine Scheibe Käse und eine Tomate zu servieren, traut sich heute kein Kandidat mehr

Die Sendung hat sich professionalisiert und mit ihr die Kandidaten. In einer frühen Folge servierte ein Kandidat nur eine Scheibe Käse und eine Tomate. "Wir merken eine extreme Steigerung des Niveaus", sagt der Koch Johann Lafer, der die Jubiläumswoche moderiert. In zehn Jahren wurde die Küchenschlacht sanft modernisiert. Das Logo wurde verschlankt, das Essen sieht ästhetischer aus. Das vom Publikum unisono gehauchte "Mhhhh" wurde abgeschafft. Die Herrenwitze sind weniger geworden, trotz des Männerüberschusses: Es moderieren ausschließlich Männer, von 13 Juroren sind nur vier weiblich.

Seit der erste Fernsehkoch Clemens Wilmenrod von 1953 an überpräzise zeigte, wie man Toast Hawaii belegt und Erdbeeren mit Mandeln füllt, gibt es reine Service-Kochsendungen im deutschen Fernsehen, Formate wie Kochen mit Martina und Moritz oder Einfach und köstlich mit Björn Freitag im WDR. Der Küchenschlacht fällt die Rolle der Unterhaltungs-Kochsendung zu, bei der man am meisten lernt. Der Infoanteil wurde beim Relaunch Anfang 2016 bewusst noch erhöht. Seit 2015 treten in "Adventswochen" ehemalige Kandidaten auf, außerdem gibt es seit 2016 "Promiwochen". Den Zuschauern sei wichtig, dass die den Wettbewerb so ernst nehmen wie sie selbst, sagt Heidemanns.

Bei der Küchenschlacht geht es - und das ist nicht so selbstverständlich, wie es klingen mag - tatsächlich ums Kochen. "Die Küchenschlacht ist pur, ein ehrliches Kochen", sagt die Schweizer Köchin und Jurorin Meta Hiltebrand. Werden beim Perfekten Dinner (Vox) die Wohnungen der Gastgeber inspiziert und im Testosteron-Kochduell Kitchen Impossible (Vox) bei Tisch auch schon mal die Hosenknöpfe geöffnet, gefolgt von Grölen und Dickenwitzen, verzichtet die Küchenschlacht auf derlei Effekte: Die Kritik der Juroren, darunter Sterne-Köche wie Christoph Rüffer, ist zwar mitunter hart, aber nie beleidigend.

Vielleicht ist dies das größte Geheimnis der Küchenschlacht: dass die Sendung nicht einschüchtert. Bei The Taste (Sat 1) wird mit Fenchelpollen und bei Kitchen Impossible mit Haggis experimentiert. "Unseren Zuschauern ist wichtig, dass sie die Zutaten auch besorgen können", sagt Lafer. Auf Luxusprodukte wie Hummer verzichtet man bewusst. Das von den Teilnehmern am ihren persönlichen Favoriten vorbehaltenen Montag am häufigsten gekochte Gericht könnte bodenständiger nicht sein: Wiener Schnitzel.

Obgleich Champions- und Finalwochen den Wettbewerbscharakter verstärkt haben, ist die Küchenschlacht immer noch die netteste aller Kochsendungen. Die Probleme sind überschaubar. Wie stellt man die richtige Herdplatte an? Hat ein Koch den Probierlöffel etwa zweimal benutzt? "Die Kandidaten sahen sich von Anfang an als Teil einer Familie", sagt Heidemanns, der Kochshows einmal als "Seifenopern für reifere Menschen" bezeichnet hat. "Bei einer Seifenoper hat man das Gefühl, zur Familie zu gehören, in der Küchenschlacht umfasst sie bis zu drei Generationen."

Familiär geht es auch hinter den Kulissen zu. Teilnehmer und Begleitpersonen trinken schon am Vormittag Prosecco. "Ah, du hast eine neue Schürze", begrüßt einer der Kandidaten Johann Lafer, eine Konkurrentin hat ein Geschenk für den Promikoch dabei. Die Familie besteht sogar über die Drehtage hinaus. Mehr als 400 ehemalige Teilnehmer haben sich zum Club der "Küchenschlächter" zusammengetan.

Nach der Aufzeichnung ist es mit der Kuschelstimmung vorbei. Dann stürmt das Publikum von den Rängen auf den runden Drehtisch mit den bewerteten Gerichten zu. Die erfahrenen Zuschauer ziehen mitgebrachte Gabeln aus den Hosentaschen. Für acht Euro pro Ticket will man auch ein Stück Fernsehküche probieren. Es ist der erste und einzige Moment, in dem die Sendung zumindest ein bisschen an eine Schlacht erinnert.

Die Küchenschlacht, ZDF, 14.15 Uhr.

© SZ vom 15.01.2018/doer
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