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Die besten neuen TV-Serien:Diese Serien sollten Sie sich ansehen

Daniel Brühl in "Die Einkreisung", eine Szene aus "Der Grenzgänger", Evan Rachel Wood in "Westworld" und Maxwell Jenkins in "Lost in Space".

(Foto: Netflix(2); Sky(2))

"Lost in Space" reanimiert klassische Science Fiction. Und in "Die Einkreisung" jagt Daniel Brühl einen Verbrecher durch New York. Vier Serien, die sich gerade lohnen.

Netflix, Amazon, die Öffentlich-rechtlichen und die Privatsender - überall läuft alle paar Tage eine neue Serie an und die Mediatheken der Sender füllen sich. Wie soll man da den Überblick behalten? Die SZ rezensiert viele davon und versammelt hier einmal im Monat in Kurzkritiken die besten und wichtigsten Serien, die es gerade zu sehen gibt.

Lost in Space (Netflix)

Netflix scheint großes Vertrauen ins Science-Fiction-Genre zu haben, fast monatlich gibt es bei dem Dienst inzwischen neue Weltraumsagas zu sehen. Vieles davon kann man sich sparen, dieses neue Remake von Lost in Space gehört aber, trotz früherer Bruchlandungen des Franchises, zu den besten neuen Vertretern des Genres. Das beginnt schon damit, dass die Robinsons, die auf einem fremden Planeten stranden, nicht so werbetauglich sind wie in der alten Serie, sondern eine zeitgemäße Patchwork-Familie.

In den Sechzigern sprach aus Lost in Space noch der Zukunftsoptimismus des frühen Raumfahrtzeitalters. Im Remake erfährt man in Rückblenden, dass die Erde quasi unbewohnbar geworden ist. In den Straßen toben Staubstürme, die das Atmen schwer machen, und der Vater wird als Soldat in immer neue Kampfeinsätze geschickt. Lost in Space träumt heute nicht mehr von den Versprechen der Zukunft, sondern von der Möglichkeit eines Neuanfangs.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Nicolas Freund.

Westworld, zweite Staffel (Sky)

Es wäre völliger Blödsinn, an dieser Stelle zu erklären, worum es in Westworld geht - außer um einen futuristischen Freizeitpark, in dem Leute mit verdammt realistisch aussehenden (und irgendwann verdammt realistisch agierenden) Robotern tun können, was immer sie möchten: Sie können mit ihnen reden, sie können mit ihnen schlafen, sie können sie umbringen. Nun weiter zu erzählen wäre ungefähr so, als würde man kurz mal oberflächlich über das Buch Unendlicher Spaß von David Foster Wallace sprechen. Man würde die Fans langweilen und alle anderen, die noch keine Folge gesehen haben, völlig verwirren.

Für Jonathan Nolan, Showrunner von Westworld, muss es ein Heidenspaß gewesen sein, seinen perfekt zusammengesetzten Zauberwürfel von einer Serie am Ende der ersten Staffel mit einem Vorschlaghammer zu zertrümmern. Wer nun die ersten Episoden der zweiten Staffel sieht, der dürfte bemerken: Nolan hat diesem dreidimensionalen Würfel noch ein paar Dimensionen hinzugefügt. Über das Ende der neuen Spielzeit sagt er: "Die letzte Folge wird einfach weitergehen und weitergehen - es wird ein gewaltiges Epos sein."

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Jürgen Schmieder.

Die Einkreisung (Netflix)

Das New York des Jahres 1896 ist aufs Widerlichste gespalten. Unten leben die Menschen zwischen Ratten, Dreck und eitrigen Krankheiten. Oben werden sie wie eben solche von den Wohlhabenden behandelt. Unten prügeln arme Familien ihre Söhne aus dem Haus, weil die ein Kleid anziehen wollen. Oben diniert man in opulent vergoldeten Salons und wedelt Probleme mit dem seidenen Fächer beiseite. Und irgendwo inmitten dieser Leistungsschau menschlicher Deprivation schlachtet in der sehr brutalen Netflix-Serie Die Einkreisung ein Triebtäter Straßenjungs ab - hauptsächlich gejagt von der NYPD-Sekretärin Sara Howard (Dakota Fanning) und Laszlo Kreizler (Daniel Brühl).

Kreizler ist das, was man heute einen forensischen Psychologen nennen würde. Und außerdem natürlich selbst ein Getriebener, was aber nur sehr holprig zutage tritt - die Serie meint es nämlich nicht sehr gut mit ihren Charakteren. Oder mit ihrer Geschichte. Und so gibt es in den zehn Folgen eine beinahe körperlich erfahrbare Milieustudie, mit Brühl einen sehr passablen deutschen Gast im Netflix-Kosmos und für kolportierte fünf Millionen Dollar pro Folge grandiose Bilder. Aber dazu eben leider auch chronisch unterforderte Schauspieler, die die Handlung ankündigen müssen: "Ich muss leben wie er, ihm dahin folgen, wohin es ihn zieht, auch wenn es der tiefste Höllenschlund ist", raunt Kreizler über seine Mörderjagd. Irgendwas in der Art wird dann passieren.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Jakob Biazza.

Der Grenzgänger (Sky)

Um Verbrechen aufzuklären, tut der norwegische Kommissar Nikolai Andreassen, was er für richtig hält, auch wenn er damit bei Vorgesetzten und Kollegen aneckt. Während er seinen Bruder auf dem Land besucht, wird dort ein Bekannter erhängt an einem Baum gefunden. Nikolai glaubt nicht an einen Suizid. Er drängt die lokalen Polizisten zu ermitteln und hilft ihnen dabei - bis ihm sein Bruder gesteht, dass er den Mann betrunken gemacht und im Streit erwürgt hat. Um seinen Bruder zu schützen, hilft ihm Nikolai, den Mord zu vertuschen.

Der Grenzgänger hat die Qualität von Nordic-Noir-Krimiserien wie Die Brücke oder The Killing. Die Serie ist hart und realistisch inszeniert, Verdächtige und Zeugen sind maulfaul, und die Panorama-Aufnahmen von verschneiten Wäldern und eisigen Seen gleichzeitig überwältigend schön und bedrohlich. Kommissar Andreassen bleibt ein Held, obwohl er ein Verbrechen vertuscht, der Mörder und seine Komplizen sind keine Monster, sondern Menschen, die falsche Entscheidungen getroffen haben. Bedeutende Hinweise in dem komplexen Fall sind subtil eingestreut, was die Serie eindrucksvoller macht als klassische nordische Fernsehkrimis. Als Mischung aus psychologisch ausgeleuchtetem Familiendrama im Gewand eines düsteren Nordic-Noir-Krimis ist die Serie einzigartig.

Lesen Sie hier die vollständige Rezension von Kathrin Hollmer.

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