Die besten neuen TV-Serien Diese Serien sollten Sie sich ansehen

Die "Terror" im Eis, Sonja Gerhardt in "Ku'damm 59" und Paula Beer in "Bad Banks".

(Foto: AMC/ZDF/ZDF)

"Ku'damm 59" zeigt die Schattenseiten der bonbonbunten Fünfzigerjahre. Und mit "Bad Banks" gibt es - Halleluja! - endlich eine deutsche Serie, die Publikum wie Kritiker begeistert. Vier Serien, die sich gerade lohnen.

Von den SZ-Kritikern

Netflix, Amazon, die Öffentlich-rechtlichen und die Privatsender - überall läuft alle paar Tage eine neue Serie an und die Mediatheken der Sender füllen sich. Wie soll man da den Überblick behalten? Die SZ rezensiert viele davon und versammelt hier einmal im Monat in Kurzkritiken die besten und wichtigsten Serien, die es gerade zu sehen gibt.

Ku'damm 59 (ZDF-Mediathek)

Ku'damm 59 handelt, genau wie schon die erste Staffel Ku'damm 56 davon, dass das Leben vielleicht ganz anders sein muss: Dass man sich als Tochter nach Ansicht des Mutterdrachens ins Unglück stürzen muss, um möglicherweise glücklich zu werden. Aber der Mehrteiler, das machte schon in der ersten Staffel seinen Reiz aus, ist als große Erzählung über die Emanzipation der jungen Generation in der deutschen Nachkriegszeit angelegt, als Prozess der Selbstfindung trotz übler Rollenerwartungen für Frauen, sadistischer Anstandsregeln und der ganzen Vergangenheit, über die keiner spricht. Das alles wird im zweiten Teil noch etwas ernsthafter und existenzieller. Denn auch wenn Ku'damm 59 optisch über weite Teile einem bonbonfarbenen Kinotraum aus den späten Fünfzigern ähnelt: Die Saga des Frauenhaushalts Schöllack zeigt anhand der drachenähnlichen Mutter und Tanzschulchefin Caterina und ihrer drei Töchter auch die andere deutsche Wirklichkeit: schambesetzte und unter Strafe gestellte Homosexualität; die gesetzliche Macht der Ehemänner über ihre Frauen; und die langsame, schmerzhafte Aufarbeitung der Kriegsvergangenheit.

Die vollständige Rezension von Claudia Tieschky lesen Sie hier.

Bad Banks (ZDF-Mediathek)

Mit der so ehrgeizigen wie undurchschaubaren Jungbankerin Jana Liekam (Paula Beer) haben Headautor Oliver Kienle und Regisseur Christian Schwochow eine weibliche (Anti-)Heldin geschaffen, die sich und die Zuschauer damit überrascht, wie weit sie für die Finanzierung eines Milliardenbauprojekts, für ihre Karriere zu gehen bereit ist. Jana Liekam ist eine Sphinx im schwarzen Hosenanzug, äußerlich zart, innen beinhart. Ohne Rücksicht auf Gesundheit und Privatleben setzt sie alles auf eine Karte, um sich mithilfe von Insiderwissen zu profilieren. Dabei gerät nicht nur sie selbst in Gefahr, sondern auch ihr Arbeitgeber. Für Loyalität ist kein Raum im Spiel um Macht und Profit - oder etwa doch? Moral ist in der Welt von Bad Banks nicht mehr als eine Option - und trotzdem hütet sich die Serie davor, ihre Figuren zu verurteilen. Daran und an der Fülle von Details, mit der die Autoren die Bankenwelt beschreiben, liegt es, dass man dieser Serie - eine deutsch-luxemburgische Koproduktion - glaubt, was sie erzählt. Weil man spürt, dass sie die Welt durchdrungen haben, von der sie in ihrer Serie so intensiv und stimmig erzählen.

Jerks, Staffel 2 (Maxdome, ab 9. Mai auf Pro Sieben)

Wer gedacht hat, die Peinlichkeiten wären auserzählt, wird gleich in der ersten der zehn neuen Jerks-Folgen eines Besseren belehrt: Da wacht Christian verkatert in einem fremden Bett auf, will sich davonstehlen, weckt dabei aber seinen One-Night-Stand, der ihn verschlafen fragt: "Bist du Christian Ulmen?" Der könnte einem fast ein bisschen leid tun, wie er vor dem Bett steht, ein Sünder mit offener Hose, aber eben nur fast, denn die Schlamassel, in welche die Schauspieler Christian Ulmen und Fahri Yardim in ihren Paraderollen als Christian Ulmen und Fahri Yardim geraten, sind allesamt hausgemacht. Beide sind dazu verdammt auszulöffeln, was sie sich selbst, zumeist aus Feigheit, eingebrockt haben. Es muss ja nicht unbedingt gleich ein Seitensprung - und damit die Trennung von Langzeitfreundin Emily (Emily Cox) - sein. Aufmerksame Leser von Klatschmagazinen werden jetzt einwenden, dass Ulmen doch eigentlich verheiratet ist, mit Kollegin Collien Ulmen-Fernandes. Die ist auch bei Jerks dabei - als Exfrau und Mutter seiner Töchter. Die auf dem dänischen Klovn basierende Impro-Serie ist eben ein lustvolles Spiel mit der Wirklichkeit - und nicht mit ihr zu verwechseln, auch wenn es heißt: "Die geschilderten Ereignisse beruhen auf wahren Begebenheiten." Im auf Eindeutigkeit getrimmten deutschen Fernsehen ist Jerks auch wegen dieses Muts zur alternativen Realität ein Kleinod.

Lesen Sie die vollständige Rezension von David Denk hier.

The Terror (Amazon)

1845 machten sich zwei Segelschiffe auf, die Nordwestpassage durch das Nordpolarmeer zu finden. Was genau den 129 Männern an Bord der Erebus und der Terror widerfahren ist, gehört zu den größten Rätseln der Wissenschaftsgeschichte. Der Schriftsteller Dan Simmons, dessen Buch aus dem Jahr 2007 dem Produzenten Ridley Scott als Vorlage für seine Serie diente, hat den Rumpf aus belegbaren Tatsachen genommen und darauf einen monströsen Kopf transplantiert. Er spinnt die Geschichte als Horrorerzählung weiter, bei der das Eisbär-artige Monster, das Jagd auf die Entdecker zu machen scheint, gar nicht das Schlimmste ist. Viel bedrohlicher ist das andere weiße Monster, das die Männer in seinen Klauen hält: die unwirtliche Eiswüste, in der sie auch in der TV-Version der Geschichte alsbald mit schwindenden Vorräten festsitzen, mit all den Konflikten, die eben auftauchen, wenn hundert Männer eingepfercht in zwei Booten auf etwas warten, von dem sie nicht wissen, wann oder ob es kommt.

Die vollständige Rezension von Karoline Meta Beisel lesen Sie hier.

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