"Die Anstalt" im ZDF CSU-Hinterwäldler aus Strunzenöd

Zurück aus der Sommerpause: "Die Anstalt" mit Max Uthoff und Claus von Wagner

(Foto: ZDF / Jürgen Nobel)

Sanfte Parodien reichen der ZDF-Kabarettshow "Die Anstalt", um die Absurdität der Asyldebatte zu entlarven.

Von Ruth Schneeberger

Als Claus von Wagner und Max Uthoff vergangenen November einen Flüchtlingschor auf die Bühne der ZDF-"Anstalt" brachten, da leisteten sie noch Aufklärungsarbeit und gaben dem zunehmenden Flüchtlingsstrom der Syrer ein Gesicht. Auch wenn ihnen Kritiker damals Tränendrüsen-Dramatik vorwarfen: Viele Zuschauer waren gerührt und dankbar für den eindeutigen Aufruf zu Hilfe und Solidarität mit Kriegsflüchtlingen.

Jetzt, nach der Sommerpause, hat sich die Situation in der Abwesenheit der beiden aktuell beliebtesten Kabarettisten Deutschlands rapide geändert. Zwischendurch sind mal eben Hunderttausende neue Flüchtlinge nach Deutschland gekommen, die Debatte darüber ist seit Wochen in aller Munde - und sowohl Regierung als auch Opposition leisten sich bemerkenswerte Scharmützel. Ein Leichtes also für von Wagner und Uthoff am Dienstagabend, daraus eine ganze Flüchtlingssendung zu zaubern. Sie müssen die Politik dafür kaum noch persiflieren.

Merkel trällert "Ein bisschen Fliehen"

Wenn von Wagner als Merkel auftritt, die "Ein bisschen Fliehen" trällert und bei der Öffnung der "Mauer" für die Flüchtlinge eigentlich nur Schabowski-haft fehlinterpretiert wurde, um danach trotzdem mit Flüchtlings-Selfies PR zu machen, dann ist das nur ein bisschen übertrieben.

Auch die Darstellung eines wunderbaren Bayern durch den Gastauftritt von Michael Altinger als Vorzeige-CSU-Depp ist durch die Realität kaum noch zu steigern. Altinger gibt den Hinterwäldler aus "Strunzenöd" so überzeugend, dass man fast Angst haben kann, die CSU würde demnächst seine Vorschläge aus der Sendung in Flüchtlingsfragen übernehmen; wenn er sie nicht längst bei ihnen entlehnt hätte.

Ein wunderbarer CSU-Depp

Großartig der Sketch zur Sitzung des Kanzlerinnen beratenden Expertengremiums "FumpS" ("Arbeitsgruppe Fluchtursachen und militärisch-politische Strategien"): Da kommen auch die weiteren Gäste des Abends (Timo Wopp als kritischer Faktenchecker und Anny Hartmann als Militärtante, die alles mit Waffengewalt lösen will) an einen Tisch, um über den Umgang der Bundesregierung mit der Flüchtlingsproblematik zu beraten. Sehr überzeugend: Altinger als CSU-Mann von der Arbeitsgruppe "Flucht weg", der in feinstem Dialekt erst eine Flüchtlingsmaut, dann ein Betreuungsgeld für Afrikaner (damit sie zu Hause bleiben) und schließlich die Bombardierung der Sozialdemokraten vorschlägt - und am Ende damit wegen akuter Alternativlosigkeit durchkommt.

Sogar sein Vorschlag, Europa solle vor den Flüchtlingen flüchten (mittels Absprengung des Kontinents - und dann: Motorisierung, wobei die deutsche Autoindustrie sicher helfen könne), findet Eingang in die abschließende Bundespressekonferenz-Parodie, schön hilflos peinvoll moderiert von Regierungssprecher Steffen Seibert alias wiederum Claus von Wagner.

"Welcher Helfertyp bist du?"

Einziger Wermutstropfen der Sendung: Die Kabarettisten, allen voran Max Uthoff mit seiner schneidig schnellen Analyse, müssen wieder einmal demonstrieren, wie Journalismus eigentlich geht - oder vielleicht mal ging. So gut vorbereitete, hintergründig informierte und kritisch nachfragende Journalisten, wie hier vorgespielt, gibt es in der echten Bundespressekonferenz nämlich leider kaum. Auch da müssen die beiden nur sanft an der Realität kratzen, um große Probleme heiter zu transportieren.

Und mit dem Spiel "Welcher Helfertyp bist du?" entlarven sie auch noch die deutsche Helfermentalität als das, was sie an vielen Stellen eben leider auch ist: Das Spucken großer Töne - bis es daran geht, wirklich etwas abzugeben vom eigenen Wohlstand.

So muss Kabarett sein: Alle angreifen, von der herrschenden über die oppositionelle bis hin zur Politik anderer Länder, von den Kritikern bis zum treuen Publikum im Saal. So bissig wie witzig, von der messerscharfen Analyse bis zum Kalauer. Dass dabei ernsthafte eigene Lösungsvorschläge zum Thema auch hier nicht vorhanden sind, steht - leider - auf einem anderen Blatt.

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