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Deutschland sucht den Superstar:Der einzige Star von DSDS ist die Show selbst

Prince Damien, der Sieger von "Deutschland sucht den Superstar"

Prince Damien ist der Sieger der 13. Staffel von "Deutschland sucht den Superstar".

(Foto: Getty Images)

Prince Damien siegt bei "Deutschland sucht den Superstar". Die Finalshow zeigt eindrucksvoll, dass es völlig egal ist, wer am Ende gewinnt. Denn es geht um alles - nur nicht um Musik.

Das Licht senkt sich im ISS Dome Düsseldorf. 13 000 Zuschauer. Martialische Chöre. "Die erfolgreichste Musikshow der Welt", sagt der Sprecher aus dem Off. Und als wäre diese Erkenntnis nicht schon traurig genug, stürmen die Top-Ten-Kandidaten von Deutschland sucht den Superstar die Bühne und vergehen sich an "1999" von Prince. "No Limits", ruft der Sprecher, das Motto der aktuellen Staffel. "Grenzenlos unterhaltsam ... Hier ist Oliver Geissen!" Ein Paradoxon an sich.

Drei Stunden später hat Deutschland sucht den Superstar seinen 13. Gewinner gefunden. Er heißt Prince Damien und ist ein hibbeliger junger Mann mit aufgeklebten Nieten auf der Augenbraue. Das ist bereits das Bemerkenswerteste an ihm. Erinnern Sie sich noch an seine Vorgänger? Keine Sorge, der Rest der Welt auch nicht. Die meisten von ihnen beschallen mittlerweile Stadtfeste und Kaufhauseröffnungen. Prince Damien wird ihnen bald nachfolgen.

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Die Charaktere sind immer die gleichen

Das klingt grausam, ist aber das Konzept des Formats. Der einzige Star von DSDS war schon immer die Show selbst. Die Teilnehmer sind nur formbare Hüllen, die der Sender mit Inhalt füllt. Der Eindruck, dass jedes Mal die gleichen Stereotypen teilnehmen, ist gewollt. Die Rockröhre, der Ausgeflippte, der Bodenständige. Sie sind neben Dieter Bohlen die Konstanten der Show. Und da ist natürlich sein Ausspruch: "Hammer!" Der erste fällt bereits nach einigen Minuten auf den verbalen Amboss: "Die Kulisse sieht Hammer aus!" Dazu dieses Bohlen-Meckern, das klingt, als zermahle sein Dauergrinsen ein Eichhörnchen zwischen den gebleachten Zähnen.

Von der Austauschbarkeit der Kandidaten kann die Hammer-Kulisse nicht ablenken. Die Niederländerin Laura van der Elzen (die Rockröhre) ist das weibliche Stimmwunder, deren Schicksal es seit Juliette Schoppmann (Staffel eins) ist, im Finale zu verlieren. Bereits mit zwölf Jahren nahm van der Elzen in ihrem Heimatland an der Talentshow "My Name is ..." teil. Seitdem tingelt sie als Countrysängerin durch Europa. Zur Einstimmung zeigt RTL ihren Besuch bei Sylvie Meis. Die Exil-Holländerinnen müssen schließlich zusammenhalten. Also grinsen sie um die Wette, dass dem Zuschauer allein vom Zusehen die Mundwinkel schmerzen.

Alles ist "geil" und "überragend"

Musikalisch ist van der Elzen mehr Gouda als Gruyère. Auf einem Bürotisch stehend singt sie Dolly Partons "9 to 5". Die Background-Tänzer wirbeln in Business-Kostümchen um sie herum und werfen die Hände in die Luft. Das Urteil der Jury zu ihrem Auftritt lässt sich getrost überspringen. Spätestens ab den Live-Shows ist alles "geil", "überragend" und natürlich "Hammer". Es gilt, die Illusion zu erhalten. Sonst würde noch auffallen, dass hier Menschen von einer Musikkarriere träumen, die nur mittelmäßig begabt sind. Laura hüpft trotzdem vor Freude wie ein Flummi auf und ab. Wer könnte es ihr verübeln. Mit H.P. Baxxter sitzt einer in der DSDS-Jury, der es geschafft hat, mit ein paar in ein Megafon gebrüllten Worten Millionen Alben zu verkaufen.

Das Gegenprogramm zu ihrem Cowboyhut-Auftritt ist Rastafari Thomas Katrozan (der Bodenständige). Laut Bohlen der letzte verbliebene "No Limits"-Teilnehmer. Eine schöne Umschreibung dafür, dass Deutschland sucht den Superstar die Republik in den letzten Jahren leergecastet hat. Also wurden schlicht die Alters- und Genregrenzen aufgehoben, um die Show voll zu bekommen. So hat es Katrozan, 35 Jahre, gelernter Tontechniker, Haare bis zu den Knien, ins Finale geschafft. Vor den Witzen Geissens schützt ihn das nicht. "Riech' ich hier eine süßliche Wolke?", sagt der nach seiner Interpretation von 10cc's "Dreadlock Holiday". Bohlen legt noch einen drauf: "Dieser Mann passt in kein Rasta." Sie verstehen? Rasta. Wie Raster. Ha. Ha. Ha.