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Traumschiff:Beatrice heuert ab

Das Traumschiff: Los Angeles

Da war es nur noch einer: Mit dem Abschied von Beatrice (Heide Keller) ist Kapitän Victor Burger (Sascha Hehn) das letzte Mitglied der Urbesatzung.

(Foto: Dirk Bartling/ZDF)

Die Seele des "Traumschiffs" - das war doch immer sie: 36 Jahre lang schipperte Heide Keller als Chefhostess im ZDF durch seichte Fernseh-Gewässer. An Neujahr ist sie zum letzten Mal an Bord.

Gleich zu Beginn des Gesprächs in einem Bonner Hotel will Heide Keller wissen, was sie denn falsch gemacht habe, dass sich die Süddeutsche Zeitung für sie interessiere. Man sagt ihr dann, dass sie nun, da sie als Chefstewardess Beatrice nach gut 36 Jahren das ZDF-Traumschiff verlasse, immerhin ein Stück deutscher Fernsehkultur repräsentiere. Aber so ganz will sie das nicht glauben, denn der Wolfgang Rademann habe in seiner bekannt schnoddrigen Art mal gesagt, wenn die Süddeutsche über ihn schreibe, müsse er überlegen, was er falsch gemacht habe. Da taucht er gleich am Anfang des Treffens auf, der Herr Rademann, jener Herr, der zwei der erfolgreichsten Reihen im deutschen Fernsehen erfunden hat, erst das Traumschiff, später die Schwarzwaldklinik. Er wird jetzt eine Stunde lang nicht mehr weggehen.

Vor bald zwei Jahren ist Rademann gestorben, aber im Gespräch mit Heide Keller ist er noch sehr lebendig. Er sitzt quasi mit am Tisch. Ganz oft schwärmt die 78-Jährige von ihm, von jenem Mann, der sie 1981 von einer eher mittelprächtigen Theaterkarriere weg auf das Traumschiff holte. Sie redet dann nicht selten im Präsens, und wenn man sie darauf hinweist, dann lacht sie laut und spricht spontan einen leeren Stuhl an, so als sei dieser der Herr Rademann. "Sag doch auch mal was", fordert sie dann.

Keller weiß natürlich, dass ihr Leben anders verlaufen wäre, hätte Rademann sie nicht entdeckt und engagiert für seinen Unterhaltungsdampfer, den er 1981 nach dem Vorbild der amerikanischen Serie Love Boat vom Stapel gelassen hatte. Damals war sie ein junger Hüpfer, der sich willig ablichten ließ in aufreizender Pose auf einem Surfbrett gemeinsam mit Sascha Hehn, der damals den Chefsteward spielte und nun in der letzten Keller-Folge am 1. Januar als Kapitän den Abschied seiner besten Kraft zur Kenntnis nehmen muss.

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Sascha Hehn war damals auch noch ein ziemlicher Niemand. Erst das Traumschiff und später die Schwarzwaldklinik machten seinen Namen zur Marke und ihn zum Hallodri der Nation. Da passte es gut, dass neben ihm eine agierte, die stets als seriöses Gegengewicht gesetzt wurde und bald mehr war als nur hübsches Beiwerk. Auch dazu hat Keller ein Rademann-Zitat über sich parat. "Wir haben sie als Kleiderständer engagiert, und jetzt hat sie sich entwickelt", habe er mal gesagt. So wie er halt war, der Rademann.

"Das Traumschiff ist sehr stark von seiner Seele geprägt", sagt Keller, und dann erzählt sie, dass sie keineswegs Rademanns erste Wahl war, dass sie eher auf Rang sieben rangierte, dann aber den Vorteil nutzte, dass sie früh dran war mit dem Vorsprechen. Da hat sie ihn wohl überzeugt. "Einen Preis kriegen Sie nicht, aber Sie kriegen ein paar Titelbilder", lautete damals die Stellenumschreibung.

Rademann wusste 1981 sehr wohl um die Sehnsüchte der Menschen, die er hemmungslos bediente. Er erfand im öffentlich-rechtlichen Rahmen quasi das Privatfernsehen, bevor es in Deutschland eingeführt wurde. Sein Traumschiff geriet dabei nie in stürmische See, es glitt stets bevorzugt durch seichte Gewässer und ist heute noch das, was es zu Beginn war: ein auf 90 Minuten gestreckter Film gewordener Groschenroman.

Das war in jenem Jahr ungewöhnlich, fügte sich aber in den allgemeinen Aufbruch der Zeit. Im Februar 1981 hatte Wetten, dass ..? Premiere gefeiert, im Sommer gingen hierzulande der Tatort-Kommissar Schimanski und die US-Soap Dallas an den Start. In den USA hob MTV ab, und in Bayern wurde Florian Silbereisen geboren. Man suchte nach neuen Ideen in den noch nicht von endlosen Sparrunden gebeutelten Sendern, und im ZDF zeigte man sich regelmäßig ein kleines Stückchen skrupelloser, wenn es darum ging, der ARD zu demonstrieren, wie das geht mit der leichten Unterhaltung.