Deutscher Radiopreis:Handkuss auf Abstand

Lesezeit: 3 min

Deutscher Radiopreis 2021: Die Moderatoren Barbara Schöneberger und Reiner Schöne

Pas de deux mit Corona-Abstand: Barbara Schöneberger und Reiner Schöne beim Deutschen Radiopreis.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

In Hamburg wurde der Deutsche Radiopreis verliehen. Auch an Radio Wuppertal, jenen kleine Privatradiosender, in der Flutkatastrophe großes geleistet hat.

Von Stefan Fischer

Also doch. Barbara Schöneberger, diesmal ganz in Schwarz, gehört zur dunklen Seite der Macht: Darth Vader offenbarte ihr bei der Gala zum Deutschen Radiopreis, er sei ihr Vater. Oder anders: Zwar sprach der Schauspieler Reiner Schöne, der als Laudator auf der Bühne des Schuppen 52 in Hamburg stand, mit der Stimme von Darth Vader zu Schöneberger. Er ist aber nicht nur der deutsche Synchronsprecher des Sternenkriegers - sondern auch der von Papa Schlumpf. Schöneberger wäre dann Schlumpfine.

Begonnen hat diesen Pas de deux mit einem Handkuss auf Corona-Distanz. Sie haben das mehr (er) oder weniger (sie) leicht und elegant hingekriegt. Wie überhaupt Reiner Schöne in den wenigen Minuten seines Auftritts eine feine, subtile Ironie aufblitzen ließ. Er wollte nicht lustiger sein als die Gewinner in der Kategorie Beste Comedy, denen er den Preis übergab - Martin Gottschild und Jürgen König vom RBB -, war aber charmant und pointiert. Das hatte Stil.

Es war überhaupt ein Abend der starken Auftritte vor coronabedingt kleinem Publikum. Gloria Grünwald von Ego FM, die als beste Newcomerin ausgezeichnet wurde, nutzte ihre Dankesrede für einen Appell, zur Bundestagswahl zu gehen. Zwei Laudatorinnen, Antonia Rados und Enissa Amani, redeten der Politik, aber auch dem Publikum im Saal sowie zuhause - die Gala wurde von mehr als 50 Radio- und TV-Sendern übertragen - mit emotionaler Kraft ins Gewissen: Sie sollten die Menschen in Afghanistan nicht vergessen und, helfen, sie in Sicherheit zu bringen. Ein afghanischer Radiomoderator, der sich in die Türkei retten konnte, berichtete per Videobotschaft, wie er die Machtübernahme der Taliban erlebt hatte.

"Radio Wuppertal hat in dieser historischen Nacht gezeigt, was gutes Lokalradio ausmacht."

Größe hatte auch die Laudatio Valerie Webers. Die Programmdirektorin des WDR und aktuell auch Audio-Vorsitzende der ARD übergab einen Sonderpreis, gestiftet vom Beirat des Radiopreises, an den kleinen Privatradiosender, der in der Nacht der Hochwasserkatastrophe durchgesendet hatte, bis das Notstromaggregat keine Reserven mehr hatte. "Radio Wuppertal hat in dieser historischen Nacht gezeigt, was gutes Lokalradio ausmacht", sagte Weber: "Es war achtsam und fürsorglich. Es hat den Menschen vor Ort beigestanden. Hat gewarnt, informiert, geredet und getröstet." Ihr eigener Sender, die größte der öffentlich-rechtlichen Anstalten, musste sich damals den Vorwurf gefallen lassen, all das zu spät und nicht umfangreich genug getan zu haben. Radio Wuppertal hatte innerhalb einer halben Stunde eine Sondersendung auf die Beine gestellt.

Als Beste Programmaktion wurde eine Anti-Rassismus-Woche von Toggo Radio ausgezeichnet, einem noch jungen DAB-Sender für Kinder, der von Super RTL betrieben wird. Das Beste Interview wiederum hat Carmen Schmalfeldt von Radio Leverkusen geführt mit der schwarzen Deutschen Gina Hitsch - der Titel: Rassismus-Bullshit-Bingo. Dass Sümeyra Kaya von WDR Cosmo als Beste Moderatorin ausgezeichnet worden ist, erkennt nicht nur ihre Leistung an, sondern auch die Diversität im Radio.

Verleihung des Deutschen Radiopreises 2021

Auch die britische Band Duran Duran trat beim Radiopreis auf. Und Sänger Simon Le Bon kennt nun das Wort Bühnenjubiläum.

(Foto: Christian Charisius/dpa)

Gleich in drei Fällen wurden hintergründige Informationen prämiert: N-Joy Weltweit vom NDR wurde als Bestes Informationsformat ausgezeichnet, Zurück zum Thema von Detektor.fm, einem engagierten und renommierten Podcast-Radio aus Leipzig, als Bester Podcast, und das Radio-Bremen-Feature Herrn Nickels Schuhe - Eine Reise ans Ende des Lebens von Jens Schellhass über eine Woche in einem Altenheim als Beste Reportage. Die übrigen Preise gingen an die Steffen Lukas-Show vom sächsischen Privatradio PSR (Beste Morgensendung) und an Tobias Prager und Marcus Fahn von Bayern 1 für 100 Jahre Radio, in der sie eine Rundfunkübertragung aus dem Jahr 1920 simuliert haben (Beste Sendung).

Dieser Preis für den BR steht stellvertretend für den Witz und die Kreativität des Radios. Elemente, die auch die Gala zum Deutschen Radiopreis geprägt haben. Denn die Ernsthaftigkeit vieler Momente an diesem Abend führte keineswegs zu einer Betroffenheits-Trübsal. Die Ernsthaftigkeit wurde mit gutem Entertainment verknüpft, sei es durch die Moderatoren Schöneberger und Schorn, sei es durch die Laudatoren Christoph Maria Herbst, Tarek Müller und Judith Williams. Oder durch die Auftritte vieler Musiker, deren Karrieren ohne das Radio kaum denkbar wären: Revolverheld, Johannes Oerding und Wincent Weiss, Zoe Wees, Rag'n'Bone Man, Nathan Evans sowie, als Highlight zum Finale, Duran Duran. Die Band hat vor 40 Jahren ihr erstes Album veröffentlicht, sie spielte in Hamburg ihren Hit "Ordinary World" und den neuen Song "Anniversary". Und seither kennt der Sänger Simon Le Bon, obwohl Barbara Schöneberger auf Englisch mit ihm geplaudert hat, das schöne deutsche Wort Bühnenjubiläum.

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