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Deutscher Podcast Preis:Guter Sound

Ariana Baborie und Martin Tietjen moderierten die Verleihung, wussten aber nicht wirklich, wo es hingehen soll.

(Foto: Deutscher Podcast Preis)

Statt lockerer Plaudereien gewinnen beim Deutschen Podcast Preis die gründlichen Recherchen.

Von Stefan Fischer

Zum zweiten Mal ist der Deutsche Podcast Preis verliehen worden, zum zweiten Mal pandemiebedingt nur im Rahmen einer Online-Veranstaltung. Das wird dem Selbstverständnis der Branche kaum gerecht, die sehr oft sehr stolz und laut auf ihren Boom verweist und damit auf ihre eigene Bedeutsamkeit.

Insofern ist es durchaus charmant und souverän, dass das Video von der Verleihung mit einer Flüsterstimme beginnt, während im Bild zu sehen ist, wie zwei Gin Tonics zubereitet werden. Ein Zeichen, die Ohren zu spitzen, und zugleich Ausdruck der Ambition, die Stimmung einer lässigen Hausparty zu verbreiten. Ariane Baborie und Martin Tietjen, die die Verleihung moderiert haben, befanden sich tatsächlich in einer Art Loft, die Nominierten waren über eine Videowand zugeschaltet.

So recht konnten sich Baborie und Tietjen aber nicht entscheiden, welchen Charakter der Abend haben sollte: ein wenig Partytalk, recht viel Comedy-Ansätze und auch ein klitzekleines bisschen Gala-Glamour - von allem etwas, mehr Unernst als Seriosität. Zumal die Sieger in diesem Jahr von einer Crowd-Jury gewählt worden sind: Rund 200 Menschen, alle irgendwie vom Fach, haben abgestimmt. Weshalb es keine ausformulierte Jurybegründung gab und man insofern nur erfahren konnte, welcher Podcast die meisten Stimmen bekommen hat, aber nicht, warum.

Oliver Pocher schwänzte, ebenso wie Jan Böhmermann und Olli Schulz

Auf Einspieler aus den Podcasts wurde verzichtet. Baborie und Tietjen haben stattdessen jeweils kurz mit den Nominierten geplauscht, von denen sich allerdings auch nicht alle die Zeit genommen haben für die Verleihung. Oliver Pocher etwa schwänzte ebenso wie Jan Böhmermann und Olli Schulz, die jeweils leer ausgingen. Wer die rund 40 nominierten Podcasts nicht alle kennt, hat insofern manchmal nur schwer einen Eindruck von ihnen bekommen können.

Das Wichtigste ist dem Deutschen Podcast Preis jedoch geglückt: seine Relevanz zu untermauern durch die Auswahl der Sieger. Als beste journalistische Leistung wurde die WDR-Produktion Oury Jalloh und die Toten des Polizeireviers Dessau von Margot Overath ausgezeichnet, eine originäre Radioserie, die sowohl im linearen Hörfunkprogramm als auch in der digitalen Audiowelt viel Aufmerksamkeit erregt hat. Prämiert als bester Independent-Podcast wurde Unter freiem Himmel von André Hoek und Nayana Heuer über Obdachlose in Berlin, als beste Produktion Trauma Loveparade von Julian Brimmers, als bester Newcomer-Podcast 1,5 Grad von Luisa Neubauer über den Klimawandel. Wichtige Themen, gründlich recherchiert und ansprechend produziert.

Der Preis spiegelt auch die große Bandbreite der Produzenten wider: Die großen Audio-Plattformen wie Audible und Spotify - Sieger des Abends mit dreien der acht Preise, neben 1,5 Grad und Trauma Loveparade auch Gemischtes Hack (Publikumspreis) - sind ebenso vertreten wie der öffentlich-rechtliche Hörfunk. Dazu Zeitungs- und Magazinverlage (beste Interviewer: Christoph Amend und Jochen Wegner für Alles gesagt von der Zeit) sowie kleinere Podcast-Produzenten. In der Kategorie bestes Skript hat Max-Jacob Ost gewonnen mit 11 Leben - Die Welt von Uli Hoeneß, als bestes Talk-Team wurden Giulia Becker und Chris Sommer für Drinnies ausgezeichnet. Der Fokus liegt demnach klar auf journalistischen Formaten und Recherchen.

© SZ/cag
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