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Deutscher Fernsehpreis 2012:Ein kurzer Moment der Hoffnung

Stattdessen ist mehr Platz für herzlose Quotenheischer und kalkulierte Controller-Projekte der Privaten. RTL, Sat 1 und Pro Sieben sollten mit Preisen etwa für das beste Dokutainment mehr Raum bekommen, sehen sich aber auch konfrontiert mit der Herausforderung, etwas feiern zu müssen, bei dem ihnen selbst immer weniger zum Feiern zumute ist.

Die Deutsche Akademie für Fernsehen, ein Zusammenschluss von Kreativen mit inzwischen 470 Mitgliedern, will am 1. Oktober 2013 all die abgedrängten Gewerke mit einem eigenen Preis ehren. Nie hatte ein neuer Preis größere Chancen, so schnell der bessere zu werden. "Nur wenn man das Besondere fördert, kann es auch eine Fortsetzung des Besonderen geben. Sonst ist der Mainstream das Maß aller Dinge", diagnostiziert Regisseur und Akademievorstand Stephan Wagner sehr weise.

Bis dahin nimmt man die Entscheidungen der Fernsehpreisjury mit Achselzucken zur Kenntnis und wünscht, dass zu steigern wäre, was laut Duden nicht steigerbar ist. Der letzte Bulle (Sat 1) als beste Serie - egal. Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl (ARD) als beste Sportberichterstatter - noch egaler. Martina Hills Knallerfrauen (Sat 1) als beste Comedy - am egalsten.

Besonders deutlich wird das Dilemma, wenn der Jury nichts Besseres einfällt als das unvermeidliche Duo Joko und Klaas für "Besondere Leistung Unterhaltung" auszuzeichnen - so als wären die beiden, die ihre permanente professionelle Selbstverletzung als Showkonzept missverstehen, wirklich die großen Hoffnungsträger des deutschen Fernsehens.

Lediglich einmal keimt für einen Moment Hoffnung, als ein Förderpreis an das Produzententeam der Talkshow Roche & Böhmermann (ZDFkultur) geht. Da wird deutlich, dass irgendwo im Fernsehdschungel noch halbwegs junge Menschen existieren, die auch noch junge Ideen haben und diese auch jung umsetzen.

Nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut

Nach dieser Andeutung eines nahenden Wandels wird es aber direkt wieder alt und etabliert, also normal. Da müssen die Moderatoren Oliver Welke und Olaf Schubert, beide Mitte 40, schon wieder als Youngsters herhalten. Auch sie machen ihren Job nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut, und zwischendrin kommt Oliver Kalkofe auf die Bühne und gibt den Mann fürs ganz Derbe. "Im Fernsehen kriegt das blödeste Schwein noch Kohle für sein Arschlochsein", dichtet er wenig elegant.

Automatisch geht der Blick nach oben, und irgendwie glaubt man zu sehen, wie Dirk Bach der Verzweiflung nahe ist. Er seufzt, rollt seine großen Augen. Aber es ist nur eine Hoffnung auf eine höhere Instanz. Dirk Bach ist tot, und der Fernsehpreis lebt. Gerecht geht anders.

© SZ vom 04.10.2012/pak
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