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Deutsche Welle:Vereinbarung gegen Machtmissbrauch

Bei der Deutschen Welle haben sich Geschäftsleitung und Gesamtpersonalrat auf Dienstvereinbarungen zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz und zum Schutz vor grenzüberschreitendem Verhalten verständigt. Damit gebe es im Unternehmen "verbindliche Richtlinien für alle rund 3 000 Beschäftigten", teilte der Auslandssender am Montag in Bonn mit.

Im Januar hatten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Deutschen Welle (DW) in einem Brief, der von mehr als 250 von ihnen unterzeichnet worden war, den Vorwurf erhoben, Fälle von übergriffigem Verhalten seien im Sender weit verbreitet und beträfen "diverse Abteilungen und Standorte von Berlin über Bonn bis in die Außenstudios der DW". Die Deutsche Welle hatte daraufhin weitere Maßnahmen gegen Machtmissbrauch angekündigt. Intendant Peter Limbourg wandte sich in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung allerdings gegen die Generalisierung des Vorwurfs des Machtmissbrauchs. Die Geschäftsleitung der Deutschen Welle hatte bereits im vergangenen Jahr, nachdem Missbrauchsvorwürfe bekanntgeworden waren, eine Richtlinie zum Umgang mit sexueller Belästigung am Arbeitsplatz veröffentlicht. Diese erhalte nun als Dienstvereinbarung eine höhere Verbindlichkeit, teilte das Unternehmen mit. Gleiches gelte für einen darüber hinausgehenden Schutz vor grenzüberschreitendem Verhalten, für den eine weitere Dienstvereinbarung unterzeichnet wurde. Ziel sei es, Machtmissbrauch zu vermeiden, mutmaßliche Fälle gezielt aufzuklären und zu verfolgen. Beschäftigte würden ermutigt, sich im Konfliktfall gegebenenfalls auch anonym an dafür eingerichtete Stellen zu wenden.

Intendant Limbourg sagte, der "respektvolle Umgang miteinander ist maßgeblicher Bestandteil der Unternehmenskultur der Deutschen Welle". In Fällen sexueller Belästigung, Diskriminierung, Mobbing und jeder anderen Form von grenzüberschreitendem Verhalten verfolge der Sender eine "Null-Toleranz-Strategie". Limbourg kündigte zudem einen Erlass an, der die Rechte von Freien in der DW stärken soll. Die Vorsitzende des Gesamtpersonalrats, Ayse Tekin, sagte, Ziel sei es, "einen Kulturwandel zum solidarischen Miteinander zu schaffen, in dem Wertschätzung und Respekt bei allen Entscheidungen Maßstab wird und Machtmissbrauch kein Raum gegeben wird". Die Deutsche Welle kündigte an, dass die Inhalte der Dienstvereinbarungen auch in die Angebote des Fortbildungsprogramms einfließen werden. Sie würden in den Führungskräfteschulungen eine besondere Gewichtung erhalten.

© SZ vom 21.04.2020 / epd
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