Süddeutsche Zeitung

Nach antisemitischen Äußerungen:Deutsche Welle stellt Mitarbeiter frei

Der Sender reagiert auf SZ-Recherchen zu antisemitischen Äußerungen von Mitarbeitern. Nun soll es eine unabhängige Untersuchung geben - durch zwei prominente Gesichter.

Die Deutsche Welle reagiert auf die Ergebnisse einer SZ-Recherche zu antisemitischen Positionierungen von Mitarbeitern. Der deutsche Auslandssender erklärte am Freitag, die betroffenen Mitarbeiter würden von der Arbeit freigestellt. Unterdessen soll eine externe Untersuchung die Fälle und die Strukturen in der Redaktion untersuchen.

Mit der Prüfung habe man die frühere Bundesjustizministerin Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) sowie den Psychologen Ahmad Mansour beauftragt, teilte die Deutsche Welle mit. Das Mandat der unabhängigen Untersuchung umfasse "die rückhaltlose Aufklärung der bekannt gewordenen Vorfälle, die Prüfung möglicher Versäumnisse innerhalb der Organisation sowie die Empfehlung von präventiven Maßnahmen für die Zukunft", hieß es in der Mitteilung. Die Geschäftsleitung der DW werde basierend auf dem Ergebnis der Prüfung unverzüglich entsprechende Konsequenzen ziehen.

Die SZ hatte berichtet, dass sich mehrere Mitarbeiter der arabischen DW-Redaktion im Internet in der Vergangenheit antiisraelisch oder antisemitisch geäußert hätten. Für die Recherche wurde eine große Anzahl von Social-Media-Posts und Artikeln in arabischen Medien ausgewertet. Viele dieser Posts wurden später gelöscht.

DW-Intendant Peter Limbourg betonte nun, alle Mitarbeiter der Deutschen Welle seien gehalten, sich nach innen wie außen loyal gegenüber den Werten und Strategien der DW zu verhalten. "Zu diesen Prinzipien gehören das deutliche Bekenntnis der DW zum Existenzrecht Israels sowie eine klare Haltung gegen Antisemitismus. Das gilt auch für private Profile in den sozialen Medien."

Leutheusser-Schnarrenberger erklärte zu ihrem Prüfauftrag: "Die Werte und Prinzipien, die man mit der Arbeit der Deutschen Welle verbindet, müssen von allen auch verstanden und gelebt werden. Die hier beschriebenen Verstöße gegen diese Haltung wiegen schwer, und das macht die sorgfältige Überprüfung so wichtig."

Ahmad Mansour betonte, die Vorwürfe seien sicher "sehr ernst zu nehmen, und es ist gut, dass die Geschäftsleitung der DW das auch so sieht". Der Untersuchung wolle er sich "mit Offenheit, Neutralität und dem gebührenden Respekt und Verantwortungsbewusstsein" annehmen.

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