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Deutsche Welle:Die Beschuldigten

In einem Artikel des britischen "Guardian" werfen Mitarbeiter dem deutschen Auslandssender Rassismus, sexuelle Belästigung und Mobbing vor. Der Bundestag müsse den "Sumpf" untersuchen. Der Sender wehrt sich in einer Stellungnahme.

Die Story des britischen Guardian von diesem Dienstag über die Deutsche Welle (DW) zeichnet kein schönes Bild des deutschen Auslandssenders. Von sexueller Belästigung, Rassismus, Antisemitismus und Mobbing ist darin die Rede, von denen Mitarbeiter des Sender berichteten. Der Sender sei ein Sumpf, der nicht zu retten sei; der Deutsche Bundestag, der den Auslandssender finanziert, müsse eine Untersuchung einleiten - so wird ein namentlich nicht genannter Mitarbeiter zitiert. Im arabischen Dienst soll ein Mann einer schwangeren Frau vor Mitarbeitern gedroht haben, ihr die Finger zu brechen, von Rassismus im Berliner TV-Newsroom ist die Rede, von Drohungen und vergeblichen Hilfeersuchen an die Senderspitze. Die bezog am Mittwoch Stellung zu den Vorwürfen.

Demnach gab es zwar Vorfälle, die intern auch bekannt geworden seien, aber mehr als 18 Monate und länger zurücklägen; die DW-Führung habe "in allen damals bekannt gewordenen Fällen unmittelbar gehandelt". Im Frühjahr 2018 habe Intendant Peter Limbourg unabhängig davon eine Aufklärungskampagne gegen Machtmissbrauch, sexuelle Nötigung und Mobbing gestartet. Danach seien Fälle bekannt geworden, die zu Kündigungen oder arbeitsrechtlichen Maßnahmen geführt hätten. Ob die vom Guardian genannten Beschuldigungen zu diesen Fälle gehörten, dazu teilte die DW nichts mit. Der Sender verfüge über ein "funktionierendes Konfliktmanagement" mit Vertrauensstellen und für den Fall sexueller Belästigungen externen Rechtsanwältinnen als Ansprechpartnern. Man habe den Eindruck, heißt es in der Stellungnahme, dass die Quellen des Textes "einzelne Personen" seien, die dem Sender schaden wollten. Zudem habe ein Autor des Textes als freier Mitarbeiter für den Sender gearbeitet und ihn "im Unfrieden" verlassen.

Der Guardian hatte in einem Zusatz zum Text deutlich gemacht, dass einer der Autoren zuvor für die DW gearbeitet hatte, aber die Recherchen für den Text nicht aus dieser Zeit stammten.

Am Mittwoch äußerte der Personalrat der DW seine Missbilligung über den Guardian-Text, er sei "journalistisch unsauber". Zudem veröffentlichten Redakteure der DW einen offenen Brief an den Guardian. Darin heißt es, die beschriebenen Vorgänge seien "inakzeptabel, und wir solidarisieren uns mit den Opfern" Die Vorwürfe sollten untersucht, Schuldige zur Verantwortung gezogen und "Fehler in der Unternehmensführung klar thematisiert werden". Allerdings habe das Arbeitsumfeld, das der Guardian darstelle "keine Ähnlichkeit mit dem Newsroom, in dem wir heute arbeiten". Die Geschichte sei "fehlerhaft", weil Vorfälle "von denen wir wissen, dass sie in anderen Abteilungen stattgefunden haben", dem Newsroom zugerechnet würden. Es sei kein Geheimnis, "dass die Situation vor einigen Jahren schlechter war als jetzt". Heute aber kämen "die meisten Mitarbeiter der DW gern zur Arbeit".

© SZ vom 16.01.2020 / SZ
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