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TV-Serie "Der Krieg und ich":Krieg für Kinder

Der Krieg und ich

Gruppenführer mit 15: Arved Friese als Justus.

(Foto: Andreas Wünschirs/SWR/LOOKSfilm)
  • Die neue Kika-Serie "Der Krieg und ich" erzählt Kindern ab acht Jahren vom Zweiten Weltkrieg.
  • Der erzählerische Kniff besteht dabei darin, dass die einzelnen Geschichten im Kleinen gut ausgehen. Das große Ganze hat logischerweise kein Happy End.

Man kann sich natürlich fragen, wozu das gut sein soll: ein TV-Panoptikum des Zweiten Weltkriegs in acht Folgen für Kinder ab acht. Die Altersangabe ist jedenfalls gewagt. Deutsche Gedenkstätten, sowohl zum Thema Nationalsozialismus wie auch zur SED-Diktatur, empfehlen meist den Besuch erst ab der neunten Klasse, also frühestens ab 14. Es ist hilfreich, sagen Museumspädagoginnen, wenn die Kinder zwischen Diktatur und Demokratie unterscheiden könnnen, ehe sie etwa in Buchenwald das ehemalige KZ oder in Erfurt den ehemaligen Stasi-Knast besichtigen. Doch die Fernsehserie Der Krieg und ich pfeift auf solche didaktischen Gepflogenheiten.

Die internationale Koproduktion von SWR und Looksfilm tritt mit dem nicht gerade geringen Anspruch an, dem Kika-Publikum das gewaltige Massenmorden aus internationaler Perspektive zu erklären. Helfen sollen dabei Püppchen aus Plastik und Schauspieler, die aus Weißensee und Fack Ju Göhte 3 bekannt sind. Das Ergebnis ist unglaublich stark. Die Serie berührt, vielleicht gerade weil sie ohne die üblichen Horrorbilder auskommt.

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Beim Sichten mit den Töchtern, neun und zwölf Jahre alt, stellt sich jedenfalls wachsende Begeisterung ein. Oder besser: Neugier und echtes Interesse, auch beim Vater. Was daran liegt, dass Regisseur Matthias Zirzow tolle Jungdarsteller gekonnt einsetzt und einen Medienmix präsentiert, der auch für Erwachsene gut funktioniert. Spielszenen wechseln sich ab mit 3D-Landkarten und Originalaufnahmen in Schwarz-Weiß. Minimal dosierte Audio-Einspieler mit Zitaten von Zeitzeugen ermöglichen wohltuendes Innehalten im emotionalen Flow. Für die notwendigsten Informationen sorgen nicht professorale Sprecher vor Bücherwänden, sondern griffig geschriebene Kurztexte, vorgetragen von der Schauspielerin Petra Schmidt-Schaller. Sie beherrscht die Kunst, kindgerecht zu sprechen, ohne in Kniebeuge zu verharren.

Der Kunstgriff besteht darin, dass die Geschichten im Kleinen gut ausgehen

Am originellsten finden meine große Tochter und ich den Einsatz liebevoll arrangierter, ultranah gefilmter Dioramen. Solche ehemals als verstaubt verschrieenen Schaukästen mit Modellfiguren erleben derzeit eine Renaissance. In Der Krieg und ich gibt es die Protagonisten jeweils zweimal: aus Kunststoff und aus Fleisch und Blut. Die Kinder von heute, die Kinder aus insgesamt sieben europäischen Ländern der Dreißiger- und Vierzigerjahre darstellen, sind beeindruckend: Da ist der deutsche Hitlerjunge Anton, der einfach nur "dazugehören" will und seine jüdische Freundin verrät. Als er merkt, was er getan hat, trifft er eine mutige Entscheidung.

Da ist der norwegische Fischerjunge Fritjof, der vor deutschen Soldaten nach Schweden flüchtet, unterstützt vom Onkel, einem skandinavischen Käpt'n Blaubär mit Ölzeug und Pfeife. Auch dieser Onkel ist keine eindimensionale Figur, sondern halb Retter und halb Kollaborateur. Da ist das französische Mädchen Sandrine, das in ihrem Zimmer Juden versteckt. Sie ringt mit ihren Bedürfnissen und der radikalen Hilfsbereitschaft ihres Vaters, der Priester ist. So bezaubernd Sandrine agiert, so lässig wirkt der schottische Junge Calum aus Clydebank. Er ist der Klassenclown und tut so, als ginge ihn der Krieg nichts an. Über Luftschutzübungen macht er sich lustig. Bis zur Nacht vom 13. auf den 14. März 1941, als seine Heimatstadt zum Ziel eines massiven deutschen Bombenangriffs wird. Der erzählerische Kniff besteht darin, dass die Geschichten im Kleinen gut ausgehen. Das große Ganze hat logischerweise kein Happy End.

Was Kinder hier lernen können? Dass Zivilcourage ein hohes Gut ist. Fast jede der acht Episoden wartet mit einem Wendepunkt auf der die jeweilige Geschichte spannender und vielschichtiger macht. Dass es kaum richtige Drecksäcke in diesen filmischen Miniaturen gibt, ist wohl gleichfalls dem pädagogisch-optimistischen Prinzip der Serie geschuldet. Dadurch entsteht mitunter der Eindruck, dass Adolf Hitler das personifizierte Böse war, während die meisten anderen Deutschen da irgendwie reingeschlittert sind. Doch wer eine vertiefende Ebene vermisst, kann selbst weiterforschen. Die Serie flankieren gut gemachte Bildungs- und Unterrichtsmaterialien im Netz und eine Wanderausstellung, die als begehbares Hörspiel konzipiert ist, und die derzeit am Bahnhof Friedrichstraße in Berlin zu sehen ist.

Der Krieg und ich , Kika, 31.8., 1./7./8.9., 20 Uhr.

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