"Der Feind in meinem Leben" auf Sat 1 Goldenes Vögelchen

Katarina Witt spielt Katarina Witt - die große Eiskunstläuferin, die von einem Stalker verfolgt wird. Das ist ein Stoff, der im Grunde eines der großen Lebensthemen der Olympiasiegerin erzählt. Denn wie ein goldenes Vögelchen wurde sie als junge Eiskunstläuferin von ihrem Staat, der DDR, bespitzelt und gehütet.

Von Renate Meinhof

Fast am Ende, als sie die Schlittschuhe angezogen hat und übers Eis gleitet, im schwarzen Kleid, so wie man sie in Erinnerung hat, nur gereift und noch weiblicher in jeder Bewegung - da ist das wie eine Versöhnung mit den schwachen Stellen dieses Films.

Man hat Katarina Witt nach dem Ende ihrer Eislaufkarriere für Cola werben sehen, und für Cremes gegen Falten. Immer sah sie umwerfend aus. Auf der Bühne hat sie sich ausprobiert, mit mäßigem Erfolg, und, lange her, für den Playboy ausgezogen. Zuletzt hat sie versucht, die Winterspiele 2018 nach Deutschland zu holen. Die Fläche aber, auf der sie immer noch am überzeugendsten wirkt, ist das unberührte Eis.

So auch in dem Sat 1-Thriller Der Feind in meinem Leben. Katarina Witt spielt Katarina Witt, die es mit einem Stalker zu tun bekommt. Ein Polizist ist es, der unter dem Vorwand, sie beschützen zu wollen, in ihr Leben eindringt. Ein Mann, der sich im Angesicht des mondänen Luxus', der die Eislaufkönigin umgibt, seines eigenen begrenzten und in Aussicht stehenden Einfamilienhausdaseins bewusst wird, und sie, die Witt, wie eine Rutsche in ein neues Leben zu benutzen beginnt.

Nicht mehr lange: Katarina Witt on Ice

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Matthias Koeberlin spielt den Witt-süchtigen Polizisten Martin Breiler überzeugend, denn er zieht den Zuschauer hinein in seinen Wahn und macht ihn in gewisser Weise zum Mit-Stalker, zum Voyeur. Aha, so also fasst sich ihr BH an. So also ist ihr Gang, wenn sie barfuß in die Dusche geht.

Flattrig und zitternd rauscht Breiler in die Sucht und zerstört damit seine eigene Familie. Breilers berlinernder Kollege Lorenz, gespielt von Martin Brambach, versucht, immer wieder zu erden, scheitert aber und rächt sich am Ende mit schmerzhaftem Schuss. Eigentlich eine furchtbar biedere Fernsehgeschichte, die dann auch noch sehr theatralisch mit dem Auftritt der kämpferischen Ehefrau am Pool der Witt ihr Ende findet. Der Polizist landet in der Psychiatrie. Die Ehefrau, mit Weitblick, tröstet ihre Kinder, und alles kommt wieder in die rechte Ordnung. So soll es sein.

Das Opfer seiner eigenen Projektion

Aber die Bilder des Regisseurs Bernd Böhlich sind es, die das Biedere immer wieder brechen. In bläuliches surrealistisches Licht taucht er den wankenden Polizisten, taucht ihn in die weiß-gelbe Kälte eines Plattenbaufahrstuhls. Breiler ist nichts als ein Gefangener, sagen diese Bilder, Breiler, das Opfer seiner Projektion.

Katarina Witt tut gut daran, den ausgebildeten Kollegen um sich herum nicht Konkurrenz machen zu wollen. Sie hat zwar Schauspielunterricht genommen, aber sie bleibt zurückhaltend, fast unnahbar kühl und nüchtern in ihrem Spiel.

Im Grunde behandelt der Film ja eines ihrer großen Lebensthemen. Beobachtet, bespitzelt und gehütet wie ein goldenes Vögelchen wurde sie als junge Eiskunstläuferin von ihrem Staat. Nicht nur Erich Honecker, die ganze kleine biedere DDR sonnte sich im Glanz der schönen Hochbegabten, die bald sogar des Englischen mächtig war, und deren Weltläufigkeit etwas Stellvertretendes hatte. Stellvertretend für die Eingesperrten reiste sie durch die Welt.

Gerade meldete der Spiegel, Katarina Witts Lebensgeschichte solle in Hollywood verfilmt werden. Dieses Werk möchte man dann unbedingt sehen, vorausgesetzt natürlich, die Witt gleitet noch einmal selbst übers Eis.

Der Feind in meinem Leben, Sat 1, 20.15 Uhr.