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Fußball-Doku:"Was willst du von mir?"

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Er gehört zu den Topstars der deutschen Schiedsrichter-Szene: Deniz Aytekin leitet seit 2008 Bundesliga- und seit 2012 Länderspiele.

(Foto: ARD/beckground tv/Martin Kaeswurm)

So nah kam man einem Referee noch nie: In der ARD-Dokumentation "Karten, Pfiffe, fette Bässe" über den Schiedsrichter Deniz Aytekin ist sogar die Funk-Verständigung zwischen ihm und seinen Helfern zu hören - und mit wütenden Spielern.

Vor dem ersten Rückrundenspiel der Fußball-Bundesliga zwischen Schalke und Mönchengladbach vor gut zwei Wochen sprach ein Schalker Mitarbeiter Deniz Aytekin an, den Schiedsrichter des Jahres 2019, der das Spiel leiten sollte: "Heute gibt's sicher mehr Karten." Schließlich wolle der DFB jetzt härter gegen disziplinlose Profis durchgreifen. Aytekin sagte: "Ja, wir haben die Waffen geladen." Doch als ein Assistent aus dem sogenannten Video-Keller in Köln nach einer Szene eine gelbe Karte nach dem neuen Recht einforderte, weil sich der Schalker Raman spöttisch über den gefoulten, am Boden liegenden Gladbacher Thuram beugte, entgegnete Aytekin: "Das ist mir zu wenig."

Man müsse weiter das richtige Maß bei den Bestrafungen finden, sagte Aytekin später. Das war ein Beitrag zu jenem Thema, das die Fußballfans nach dem Platzverweis gegen den Gladbacher Plea am Wochenende in Leipzig wegen einer wegwerfenden Handbewegung gerade sehr aufbingt. Noch nie durfte ein Fernsehteam die Funk-Verständigung zwischen einem Referee und seinen Helfern hören, so wie es jetzt in der ARD-Dokumentation "Karten, Pfiffe, fette Bässe" von Tom Häussler möglich ist. Oder die Gespräche der Unparteiischen mit den Spielern. Den aufgebrachten Wolfsburger Stürmer Wout Weghorst etwa giftet Aytekin an: "Was willst du von mir?"

Der FIFA-Schiedsrichter, 41 Jahre alt, aus dem fränkischen Oberasbach, hat für diese Dokumentation eine Menge Nähe zugelassen, damit seine Arbeit ein wenig besser verstanden wird. Von den morgendlichen Yoga-Übungen über das DFB-Trainingslager im portugiesischen Lagos in der Winterpause, wo man unter anderem "mit schweren Beinen intensive Intervall-Läufe" absolvieren musste bis zur medizinischen Untersuchung; dort werden der Fettgehalt des Körpers und mögliche muskuläre Schwachstellen festgehalten.

Nah dran ist man auch bei Gesprächen über seinen Leitungsstil mit den Bundesliga-Managern Jörg Schmadtke und Max Eberl. Die haben ihn nämlich in der Kabine aufgesucht. Auch die Arbeit der Kölner Video-Assistenten ist dokumentiert. Sie winken ein Tor erst nach ausführlichem Bildschirmstudium als "korrekt erzielt" durch.

Nebenher ist Aytekin nicht nur Unternehmer, sondern auch Hobby-DJ für elektronische Musik. Manchmal pfeift er auch ein Spiel seines Sohnes. Energie, sagt er, sollte man aus vielen Quellen schöpfen. Wenn man sich nur über die Schiedsrichtertätigkeit definiere, wäre das nach einem missglückten Spiel "verheerend".

Seinen Assistenten an der Linie sagt er immer: "Erst kommen wir und dann erst Köln." Dennoch ist er ein Verfechter des Video-Beweises. Er gebe den Schiedsrichtern mehr Sicherheit, die meisten Fehler hätte man so vermeiden können. "Der Fußball", sagt Aytekin "ist dadurch fairer geworden."

Karten, Pfiffe, fette Bässe, ARD, 23.30 Uhr

© SZ.de/khil
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