DDR-Serie "Sedwitz" im Ersten Kalbsleber vom Schwein

Augenfällig wird das zum Beispiel an der Figur des Hubert Weißpfennig (Stephan Zimmer). Der West-Grenzer Weißpfennig wird wie der Ost-Grenzer Pietzsch mit einem Rufnamen beschädigt, der ebenfalls nicht ganz ernst gemeint sein kann: Hubsi. Der Hubsi erzählt also dem Ralle, was er so gelernt hat vom Leben. Fünf verschiedene Frauentypen gebe es, sagt der Hubsi, und vergibt sogleich Länderpunkte: "Die Ungarinnen haben mehr Feuer, die Polinnen haben längere Beine." Etwas später bewirbt sich der Hubsi um den noch zu stiftenden Joachim-Herrmann-Preis 2015. Er redet irgendwas vom Wirt und dass dieser ein "Kuckucks-Halbneger" sei. Ist natürlich alles nicht so ganz ernst gemeint.

Was man als Ost-Grenzer in Sedwitz eben so macht: Ralle (Thorsten Merten) und seine Kollegen schaffen Antiquitäten in den Westen.

(Foto: BR/Günther Reisp)

Der Wirt wiederum panscht Jahrgangswein und setzt "Kalbsleber vom Schwein" auf die Karte. Und wenn Pietzsch im Westen heldenhaft einen Zauberwürfel als Geburtstagsgeschenk für seinen Sohn besorgt, dann freut sich seine Frau nicht nur darüber, dass sie so einen liebenden Vater zum Mann hat. Sie sagt lieber noch dazu: "Kannst ooch gerne an mir so bissel rumschrauben." Warum sie das sagt? Womöglich, um noch mal klar zu machen, dass in der DDR eben alle ständig an allem rumgeschraubt haben. Womöglich aber auch, weil genau solche Sätze eben fallen, wenn man die Dinge nicht ganz ernst meint.

Gleich am Anfang wird auch im Westen, Verzeihung, gebumst. Der Hubsi macht, "dass die Heide wackelt", er macht, na klar, "eine Grenzerfahrung". Der Ralle steht da noch auf dem Wachturm, Sedwitz-Ost, und spricht mit seinem Major. Als er den Hubsi hat, Verzeihung, bumsen sehen, sagt der Major zum Ralle: "Wir brauchen mehr Ernst." Aber auch das ist natürlich nicht ganz ernst gemeint.

Selbst brauchbare Ideen werden versenkt

Selbst brauchbare Ideen werden in Sedwitz leider versenkt, bevor sie sich entfalten können. Da ist, auf dem Flur eines fränkischen Gymnasiums, ein Mann, von Beruf Kurzreisenveranstalter. Er macht sich angenehm nüchterne Gedanken über die mathematischen Vorteile von Kurzreisen, aber man hört ihm kaum zu, weil zuvor Gesagtes noch im Raum steht wie ein elender Furz. Der Herr Kurzreisenveranstalter hatte überlegt, ob man schwul werden könne, wenn man das Blut eines Homosexuellen gespendet bekäme. Dann reiste er gedanklich nach Namibia zu einem, der dort vom Affen gebissen worden sei.

Der Hubsi hätte all das bestimmt lustig gefunden. Der Ralle aber sitzt nur da und schaut eher verständnislos. Schlechte Nachricht für Sedwitz, gute Nachricht für uns alle: Deutschland im Jahr 2015 ist mehr Ralle als Hubsi.

Sedwitz, ARD, donnnerstags, 23.30 Uhr.