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Britische Medienlandschaft:Verramscht im Paket

Fast schon ein Gratisblatt: Die schottische Tageszeitung "The Scotsman".

(Foto: The Scotsman)

Der Investor David Montgomery kauft mehr als hundert britische Regionalzeitungen - für gerade mal 10,2 Millionen Pfund .

Von Alexander Mühlauer

Vor 15 Jahren stand The Scotsman schon einmal zum Verkauf. Damals bezahlte ein Verlagshaus 160 Millionen Pfund für die schottische Tageszeitung. Jetzt ist das Blatt nur noch ein Bruchteil dessen wert. Zum Jahreswechsel wurden die Angestellten darüber informiert, dass ihr Unternehmen für 10,2 Millionen Pfund gekauft wurde - und zwar zusammen mit mehr als 100 anderen Regionalblättern des britischen Verlagshauses JPI Media. Umgerechnet sind das etwa 11,4 Millionen Euro für eine Zeitungslandschaft, die sich von Südengland bis Schottland erstreckt. Dazu zählen neben The Scotsman auch andere bekannte Titel wie die Yorkshire Post und das Sunderland Echo.

Der Käufer ist in der Medienbranche kein Unbekannter: David Montgomery. Doch anders als in Deutschland, wo der britische Finanzinvestor in den Nullerjahren beim Berliner Verlag die Sparkeule schwang und seitdem als Inbegriff der rücksichtslosen Heuschrecke gilt, wird er in seiner Heimat als Retter gefeiert. Von einem "willkommenen Bekenntnis zum Wachstum des Unternehmens" spricht etwa Michelle Stanistreet, die Generalsekretärin der Journalistengewerkschaft NUJ. Sie freue sich darauf, mit dem neuen Management um Montgomery über "die Pläne zur Belebung des Unternehmens zu sprechen", sagte sie.

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In Deutschland gilt David Montgomery als Inbegriff der rücksichtslosen Heuschrecke, in seiner Heimat wird er jetzt als Retter gefeiert.

(Foto: Morten Holm/AFP)

Montgomery selbst ließ sich mit den Worten zitieren, dass er vielen der von ihm erworbenen Zeitungen schon als Student verbunden gewesen sei. Über die Jahrzehnte habe er miterlebt, wie ihre großartige und ehrliche Berichterstattung zur demokratischen und gesellschaftlichen Entwicklung beigetragen habe - eine Tradition, die er weiterhin fördern werde. Er freue sich jedenfalls darauf, alle Standorte so bald wie möglich zu besuchen, sagte Montgomery. Doch bei diesen freundlichen Worten dürfte es nicht bleiben, schließlich will ein Finanzinvestor ja vor allem eines: Geld verdienen.

Das Branchenmagazin Press Gazette hat deshalb schon mal die Strategie von Montgomerys Investmentfirma National World aufgelistet. Vor allem zwei Ziele stehen ganz oben: die "Abkehr von alten Systemen und archaischen Industriepraktiken" sowie die Schaffung eines neuen Modells, das digitale Technologie und traditionelles Printgeschäft kombinieren soll. So weit, so üblich. Unter dem Strich dürfte aber vor allem eines stehen: Kosten senken. Oder wie es in Montgomerys Liste heißt: Konsolidierung.

© SZ
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