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"Das Ende der Geduld" in der ARD:Die Richterin scheint der Schauspielerin aus der Seele gesprochen zu haben

Martina Gedeck trägt zum Rollkragenpullover Sommersprossen und gute Laune, die Haare hat sie nachlässig hochgesteckt. Gedeck gilt ja als Primadonna der deutschen Schauspielstars, aber sie wird in der nächsten Stunde ganz offen und ohne angezogene Handbremse über die Figur Kirsten Heisig reden.

Eine wie die Gedeck kann sich die Drehbücher aussuchen, und wenn sie gefragt wird, warum sie dieses gewählt hat, sagt sie: "Alles, was gesellschaftlich oder politisch relevant ist, interessiert mich zurzeit einfach, und das ist ein wunderbarer Stoff über ein Thema, das uns alle immer wieder beschäftigt."

In Wirklichkeit sagt sie das natürlich etwas anders. Martina Gedeck spricht bedächtig, in Ellipsen und mit dieser Stimme, die zwischen den Worten immer Raum für Unsagbares lässt. Manchmal wirkt sie etwas ungelenk auf politischem Feld, aber das stört nicht. Hinterher wird sie aus ihren Zitaten so ziemlich alles tilgen, was mit Einwanderung zu tun hat.

Dabei wird schnell deutlich, dass die Richterin Heisig der Schauspielerin Gedeck aus der Seele gesprochen zu haben scheint. Heisig hielt der deutschen Mehrheitsgesellschaft vor, über Probleme ethnischer Minderheiten zu schweigen. Dass die Deutschen gelernt hätten, nichts gegen Ausländer zu sagen, sei eine kulturelle Leistung angesichts ihrer Geschichte, findet Martina Gedeck.

Der Versuch eines Deals endet in der Katastrophe

Die Parallelgesellschaft aber sei gewachsen, auch Islamisierung, das mache der Film deutlich: "Ich fand es spannend, dass es da ein Gegenüber gibt von einerseits Gewalt und Barbarei - und auf der anderen Seite die Zivilisation, die kulturelle Leistung unserer Gesellschaft."

Nazir heißt im Film der Haupt-Barbar, er ist 21, stammt aus einem libanesischen Clan in Neukölln, fährt Leute tot, setzt Zeugen unter Druck, vergewaltigt und reißt so seinen kleinen Bruder Rafiq ins Unglück.

Ihn wenigstens, den Jüngsten, will die Richterin retten, die im Film Corinna Kleist heißt. Aber der Versuch eines Deals endet in der Katastrophe. Bleiben die Welten also unversöhnlich, ist das die Botschaft? Nein, sagt Martina Gedeck, "aber ich glaube, dass es ein längerer Prozess ist und nicht ohne Konflikte abgeht."