"Das dunkle Nest" im ZDF So ein schöner Mann, und dann Priester

Kirche und Kindesmissbrauch: Ein Kriminalfilm mit Christian Berkel greift ein brisantes Thema auf, geht dabei aber wenig subtil vor. Am Ende bleiben nur ein paar solide Klischees.

Von Tanjev Schultz

In einem bayerischen Dorf gerät der Priester unter Verdacht. Eine Ministrantin, erst zwölf Jahre alt, liegt tot im Wald, wahrscheinlich ein Sexualverbrechen. Noch am Abend hat man sie beim Priester gesehen, er gab ihr Nachhilfe in Latein. Haben sie sich nicht sogar geküsst? Das Mädchen hat den Priester gern gehabt, ihn vielleicht sogar angehimmelt. Jetzt hat jemand sein Auto beschmiert: "Kinderficker".

"Jetzt sind wir aber gleich beim Groschenroman!": Auch solche Sätze täuschen in "Das dunkle Nest" nicht über die zahlreichen Klischees hinweg.

(Foto: dapd)

Das ZDF zeigt einen Krimi, der den Missbrauchsskandal in der katholischen Kirche aufgreift und dabei leider wenig subtil vorgeht. Zwar packt der Tod des Kindes den Zuschauer emotional, dann aber verliert sich der Film zu schnell im Thesenhaften. Es werden wenig ergiebige Nebengleise gelegt (der Priester war früher Gefängnisseelsorger und hatte mit Sexualstraftätern zu tun). Statt die Spannung zu halten, liefern sich die Figuren Dialoge, in denen sie allzu plakativ Positionen repräsentieren: Die Kirche sei ja wohl "eine Institution, die im Mittelalter stehengeblieben ist", sagt die ermittelnde Kommissarin (gespielt von Katharina Müller-Elmau).

Im Dorf gibt es ein Geheimnis

Und natürlich fragt sie den drahtigen, joggenden Jesuiten, einen charmanten Mann, den Klassiker aller Fragen: "Wieso wird ein Mann wie Sie Priester?" Was wohl heißen soll, dass eigentlich nur diejenigen Kirchenmänner unverdächtig sein können, die aus Mangel an Alternativen im Zölibat rumhängen. Es wird schnell impertinent, wenn deutsche Fernsehfilme solche Klischees stets noch in peinliche Sätze kleiden müssen.

Da hilft es auch nicht wirklich weiter, wenn der Priester in einem Anflug dramaturgischer Selbstironie der Kommissarin an anderer Stelle entgegenhält: "Jetzt sind wir aber gleich beim Groschenroman!" Der Film kann sich nicht entscheiden, ob er nun ein harter Thriller, ein Gesellschaftsdrama oder ein seichter Krimi mit Hang zur Komödie sein will.

Irgendwann nervt dann auch die geheimnistuerische Chormusik, die dem Film in einer Endlosschleife unterlegt ist. Wenn das Drehbuch sich wenigstens wirklich zu einer starken Position entschieden hätte. Doch die Kirchenkritik kommt über das Klischee nicht hinaus und wird dann auch sofort wieder relativiert und zurückgenommen. Man ahnt schnell, dass es in dem Dorf ein dunkles Geheimnis gibt, das den Priester entlasten kann. Alle Männer sollen zum DNA-Test antreten.

Christian Berkel spielt den sympathischen Jesuiten so, dass der Zuschauer nie wirklich daran glaubt, dass er der Täter ist. Ein Lichtblick ist Petra Schmidt-Schaller in der Rolle der Mutter des toten Kindes. Sie zeigt ergreifend eine zerbrechliche, jetzt gebrochene junge Frau. Die TV-Polizei steht dagegen nur in der Gegend herum und verbreitet simple Thesen.

Das dunkle Nest, ZDF, 20:15 Uhr