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"Daredevil" auf Netflix:Nachbarschaftshilfe brutal

Der Held als geprügelter Hund? Und ob. In "Daredevil" geht Marvel einen wichtigen Schritt zurück zu den Wurzeln. Fünf Gründe, warum sich die Netflix-Serie trotz Superheldenüberdrusses lohnt.

Daredevil Netflix Charlie Cox

Daredevil, Retter des Stadtviertels, nicht des gesamten Universums

(Foto: Barry Wetcher/Netflix)

Manche gute Serienidee endet in der Mülltonne. Dort landet auch Superheld Daredevil nach dem missglückten Versuch, ein entführtes Kind zurückzuholen. Zwischen Küchenabfällen und schwarzen Säcken sieht er weniger nach einem strahlenden Retter aus, sondern eher nach einem übel zugerichteten Amateur-Ninja.

Der Unterschied zwischen weggeworfener Serienidee und nidergeworfenem Superheld? Letzterer kann sich selbst helfen - und das tut er auch: In der von Netflix produzierten Serie Daredevil kämpft sich Protagonist Matt Murdock (Charlie Cox) aus der Mülltonne, und dann kämpft er einfach weiter.

Darin hat er Übung: Ein Unfall mit radioaktivem Material lässt Murdock als Kind erblinden. Als Erwachsener schlägt er sich trotzdem - oder gerade deswegen - mit Bullys und bösen Jungs herum. Bei Tag als Anwalt in der eigenen kleinen Firma, bei Nacht als selbst ernannter Vollstrecker. Was nach Standard-Plot des arg ausgereizten Superhelden-Genres klingt, ist in Wahrheit eine der spannendsten Comic-Verfilmungen seit Langem. Fünf Gründe, warum sich die erste Staffel der neuen Netflix-Serie lohnt.

1) Daredevil kehrt vor der eigenen Haustür

Die Handlung von Daredevil konzentriert sich auf ein einziges New Yorker Viertel: Hell's Kitchen, der Teil von Manhattan zwischen 34. und 59. Straße, direkt am Hudson River. Nebel, enge Gassen, Containerschiffe. Willkommen in Teufels Küche.

Der Fokus ist klar: Nachbarschaft statt Galaxie. Mit der Netflix-Produktion Daredevil schafft Marvel einen wichtigen Schritt zurück. Es muss nicht immer das Schicksal der gesamten Menschheit auf dem Spiel stehen. Manchmal reicht ein gut vernetzter Unterwelt-Boss, der ein Stadtviertel unter seine Kontrolle bringen möchte. So wird der blinde Anwalt Matt Murdock als Daredevil zum Retter seiner Nachbarschaft und Marvel erdet sein Franchise, ein Universum, das in den vergangenen Monaten an den Ränder auszufransen drohte. Adieu, galaktische Superschurken und Alien-Armeen aus Parallelwelten!

An die Stelle von apokalyptischen Endkämpfen tritt der gute alte Faustkampf. Heute kehrt der Held wieder vor seiner eigenen Feuerleiter. Kleine selbstironische Verweise auf die großen Krawallbrüder der "Avengers" um Iron Man, Captain America und Thor gönnt sich das Serien-Spin-off Daredevil schon: "Wenn er doch wenigstens eine eiserne Rüstung oder einen magischen Hammer hätte", beschwert sich der blasse Lakai des Unterwelt-Bosses. Dessen Schergen kommen zum wiederholten Male mit gebrochenen Nasen nach Hause.

2) Daredevil ist besser als Batman

Lange wurde der Charakter Daredevil als Marvels billiger Versuch belächelt, den erfolgreichen Batman des großen Konkurrenten DC zu kopieren. Doch spätestens mit der aktuellen Netflix-Serie ist klar: Der Underdog Daredevil schlägt den Superhelden-Rentner Batman im Coolness-Wettstreit um Längen.

Dabei teilen die beiden dunklen Rächer zunächst einige biografische Besonderheiten. Sowohl Bruce Wayne als auch Matt Murdock wachsen ohne Eltern auf, für beide leitet die Ermordung ihrer Familie den späteren persönlichen Rachefeldzug ein. Wayne und Murdock sind geschundene Seelen. Daredevil steckt zudem in einem geschundenen Körper.

Die Serie ist ein fortlaufendes Porträt des Helden als geprügelter Hund. Wie sein Vater, der Preisboxer, muss der junge Murdock mächtig einstecken. Doch in ihm lebt der Geist der irischen Einwanderer: Immer einmal mehr aufstehen, als zu Boden gehen.