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Nachruf auf Dan Budnik:Der anonyme Blick auf die Ungerechtigkeit ist der heftigste

Dan Budnik bei seinem 80. Geburtstag in Italien.

(Foto: Kim Newton/AP)

Dan Budnik wurde berühmt mit den Fotografien der Menschen, die gegen den rassistischen Süden der USA ihre Bürgerrechte einforderten. Nun ist er im Alter von 87 Jahren gestorben.

Von Willi Winkler

Es gibt ein Selbstporträt von Dan Budnik, auf dem er gar nicht zu sehen ist. Es zeigt den Sheriff von Selma, Jim Clark, am Telefon mit Gouverneur George Wallace. In Hut und Krawatte ist der Sheriff ein Biedermann, aber er beklagt sich darüber, dass Budnik mit im Auto sitzt und den Moment festhält, in dem Clark sich vom Fotografen beobachtet fühlt.

Der Sheriff trägt einen Button, auf dem schlicht "Never" steht, denn wenn es nach dem Willen von Wallace und Clark geht, darf es in Alabama niemals zur Integration kommen, die Schwarzen sollen weiter hübsch separiert bleiben von den Weißen. Dass es anders kam und endlich auch den Schwarzen in den USA Bürgerrechte zugestanden wurden, ist unter anderem den Fotos Dan Budniks zu verdanken.

Als sein Hauptwerk sah er seine letzte Schaffensphase

Er war 1965 in Selma dabei, er begleitete Martin Luther King beim Marsch nach Washington, zeigte Bob Dylan, Joan Baez und Paul Stookey bei ihrem Solidaritätskonzert am Lincoln Memorial. Er präsentierte mit einem bildnerischen Tastsinn einfach die Gesichter der Menschen, die stumm auf dem Recht beharrten, das ihnen der rassistische Süden verweigern wollte.

Budnik hatte in New York Malerei studiert, sich mit den Abstrakten Expressionisten angefreundet, war Teil der Agentur Magnum geworden und bewahrte sich doch seinen - wie er es nannte - "anonymen Blick". 1958 reiste er nach Kuba und hielt die letzten Gewalttaten des Batista-Regimes fest. Als sein Hauptwerk sah er seine letzte Schaffensphase, in der er sich dem Leben der Navajo- und Hopi-Indianer in Arizona widmete. Dort, in Tucson, ist er am 14. August 87-jährig gestorben.

© SZ/tyc/biaz
Martin Luther King Jr.

Werke von Dan Budnik
:Bildnerischer Tastsinn

Dan Budnik war ungewöhnlich nah dran an jenen Menschen, die für ihre Bürgerrechte kämpften - an Martin Luther King Jr. etwa. Eine kleine Auswahl seiner Werke.

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