"Dads" und die Sitcom-Misere Es hat sich ausgelacht

Zwei Väter, zwei Söhne, keine Zuschauer: Dads floppte in den USA.

(Foto: obs)

Erst verrissen, dann abgesetzt: Die Sitcom "Dads" scheiterte in Amerika kolossal. Pro Sieben zeigt sie trotzdem - aus purer Verzweiflung.

Von Josa Mania-Schlegel

Eigentlich konnte nicht viel schiefgehen. Erfinder und Autoren der beliebten Zeichentrickserie Family Guy schrieben für den amerikanischen Sender Fox eine neue Sitcom. Dads sollte ganz klassisch werden - mit Live-Publikum, loser Handlung, vielen Lachern. Und vor allem: erfolgreich. Doch es gab gnadenlose Verrisse. Dads, so der Konsens, sei weder witzig noch originell, latent rassistisch und frauenfeindlich. Die Zuschauer sahen das ähnlich: Kaum jemand sah zu. Nach einer Staffel und miserablen Quoten setzte Fox die Serie ab.

Jetzt zeigt Pro Sieben das gründlich gescheiterte Projekt. Es ist der Höhepunkt einer Reihe mehr oder weniger misslungener Versuche, neuen amerikanischen Sitcoms den Weg zu bereiten: 2 Broke Girls fand noch ein paar Fans und hält sich wacker. Doch Mom und Mike & Molly, zwei Serien, die feste Größen am etablierten Pro-Sieben-Comedy-Dienstag werden sollten, rutschten nach starken Starts ab. Friends With Better Lives wurde nach wenigen Episoden eingemottet. Undateable heißt eine weitere Hoffnung. Doch Kritiker werfen dem Format vor, "verbrauchten Prinzipien anzuhaften".

Dads handelt von zwei Vätern, die den Alltag ihrer Söhne auf den Kopf stellen. Die Serie ist das bisher deutlichste Symptom einer Negativ-Entwicklung, die sich schon länger anbahnt: Comedy-Sitcoms sind vom Aussterben bedroht. Mit den Staffelfinalen der Genre-Giganten How I Met Your Mother und Two and A Half Men ging eine Epoche zu Ende.

Die x-te Wiederholung läuft besser als der frischeste Import

Pro Sieben trifft das besonders hart. Viele Zuschauer schätzen den Sender dafür, dass er gezielt amerikanische Sitcoms einkauft. Jetzt wird er zum Opfer einer Genre-Krise, die im amerikanischen Fernsehen ihren Ursprung hat. Die letzte erfolgreiche Sitcom ist dort schon ewig her, die Suche nach würdigen Nachfolgern verläuft erfolglos. Das Fachblatt Variety spricht von einer "comedy drought", einer Comedy-Dürre. Währenddessen laufen die alten Serien auf Pro Sieben täglich als Wiederholung - wie nostalgische Erinnerungen an bessere Zeiten. Meistens direkt vor neuen Serien, als Starthilfe: Eine alte Episode von The Big Bang Theory findet oft noch in der x-ten Wiederholung mehr Zuschauer als der frischeste Import.

Doch über kurz oder lang wird man sich von den 20-minütigen Quickies über eine Handvoll Freunde mit Lachern aus der Konserve vermutlich verabschieden müssen. Ein amerikanischer Blogger kommentierte höhnisch, es sei wahrscheinlicher, dass ein Einhorn aus dem Hochhaus des Senders NBC fliege und aufheiternden Feenstaub über alle Fernsehzuschauer verteile, als dass das Genre zu neuem Leben erwache. Die hohen Einschaltquoten fahren längst andere Formate ein. Unter den jungen amerikanischen Serien dominieren epische Dramen, zuletzt Empire, die Geschichte des Black-Music-Label-Chefs Lucious Lyon.

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Aus für die rassistisch pöbelnde Sitcom

Pro Sieben versucht jetzt den Umbruch nachzuturnen und zeigt seit letzter Woche ebenfalls Empire. Doch für die Pilot-Episode fanden sich nur knapp eine Million Zuschauer. Für manche wenig überraschend: Die Serie war in den USA deshalb ein Hit, weil sie der schwarzen und hispanischen Bevölkerung in den USA endlich eine Stimme zur Hauptsendezeit verlieh. Diese gibt es in Deutschland aber kaum, bzw. in viel geringerer Zahl.

Eine Erkenntnis bleibt trotzdem: Das multi-ethnische Drama verdrängt die rassistisch pöbelnde Sitcom. Eine schöne Entwicklung, wobei aber nicht klar ist, ob sich deutsche Zuschauer für sie interessieren.

Dads, Pro Sieben, montags, 22.15 Uhr